Inflationsschutz: Anleihen verkaufen oder halten?

Anleihen als Inflationsschutz: Denn steigende Zinsen und Kursverluste können besonders bei Anleihen mit längeren Laufzeiten zu Einbußen führen. „Augen zu und halten“ ist aber in Hinblick auf die Inflation auch nicht die beste Lösung.

Inflationsschutz: Anleihemärkte trügerisch ruhig

Die Anleihemärkte schienen in den vergangenen Jahren ein sicherer Hafen für Anlagen zu sein. Besonders nach der Aktienbaisse 2000 bis 2003 sowie während der Baisse 2008 / 2009 war man mit Anleihen auf der sicheren Seite. Dass Sicherheit weiterhin im Vordergrund steht, zeigt ein Blick auf die Cashbestände deutscher Aktienfonds. Anleger befürchten Vermögensverluste und nehmen auch kleine, Kleinst- und Nullzinsen hin.

Bleibt die Inflation jedoch auf dem derzeit hohen Niveau, oder steigt die Inflationsrate sogar noch, bewähren sich Anleihen als Inflationsschutz nicht. Anleger werden der Tatsache ins Auge sehen müssen, dass die Inflation ihr Vermögen langsam aber sicher schrumpfen lässt. Statt plötzlicher großer Verluste kommt es dort zu einem schleichenden Vermögensverlust, wo eigentlich Sicherheit erwartet wird.

Eine stärkere Inflationsdynamik kann zu Turbulenzen auf den Anleihemärkten führen. Einen Anleihencrash ist, ausgehend von den US-Märkten, möglich. US-Banken und Investoren sind mit US-Staatsanleihen überfrachtet. Werden die Bestände reduziert, weil die Zinsen steigen, brechen turbulente Zeiten an. Auch Aufkäufe durch die US-Notenbank werden das Problem nicht abwenden können.

Folge: Starke Kursverluste langfristiger Anleihen. Und, natürlich: Andere westliche Anleihemärkte werden in Mitleidenschaft gezogen werden.

Inflationsschutz: Rendite der Anleihen abschätzen

Es ist davon auszugehen, dass die Zinsen wieder steigen werden, und dann stellt sich die Frage: Wie entwickeln sich die Anleihen?

Nimmt die Inflation zu, werden auch die Zinsen an den Finanzmärkten steigen. Damit müssen Anleger rechnen – und wer Anleihen im Depot hat, muss demzufolge auch mit Kursverlusten während der Laufzeit rechnen. Mit diesen Faustformeln können Sie abschätzen, ob Sie Ihre Anleihen als Inflationsschutz  lieber verkaufen oder halten sollten:

Inflationsschutz: Kursverlust und Inflation gegenrechnen

Bei einer Zinserhöhung von 1,5 Prozentpunkten und einer Restlaufzeit von zwei Jahren würde eine Anleihe 3 Prozent (1,5 x 2) Kursverlust aufweisen. Mit einer langlaufenden Anleihe (10 Jahre) käme man nach demselben Schema auf 15 % (1,5 x 10).

Gegen Kursverlust sind Sie zwar geschützt, wenn Sie bis zum Laufzeitende halten – aber dann hat sich durch die Inflation der Wert der Rückzahlung verringert. Nehmen Sie die Restlaufzeit der Anleihe mit dem jährlichen Inflationswert mal, ergeben sich bei einer langfristigen Anleihe (10 Jahre) und einer Inflation von 2,5 Prozent: 2,5 x 10 = 25 Prozent Verlust.

Kalkulieren Sie selbst, welche Rendite Sie mit Geldanlagen erzielen müssen, um den Wertverlust durch Inflation mindestens auszugleichen. Mit diesem Rechner zur Kalkulation des Inflationsverlustes geht das ganz einfach.

Veröffentlicht am 13. Januar 2010
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