Geben Analysten gute Empfehlungen ab?

Sogenannte Analysten geben Hilfestellung bei der Aktienauswahl, aber können Sie sich darauf verlassen?

Wer Aktien kaufen möchte, muss sich im Vorfeld gut informieren. Hilfestellung bieten hierbei sogenannte Analysten, die die Entwicklung von Unternehmen beobachten und bewerten. Doch kann man sich unbesehen auf das Urteil der Profis verlassen?

Sogenannte Analysten von Banken oder Investmentgesellschaften bewerten Unternehmen, indem sie deren bisherige und voraussichtliche zukünftige Geschäftsentwicklung genau analysieren und beurteilen. Ausgewertet werden z. B. Jahresabschlüsse oder Aussagen auf Analystenkonferenzen, auf denen Vorstände von Unternehmen ausführen, wie sie die Zukunft des Betriebes sehen. Auch persönliche Gespräche mit Managern werden regelmäßig geführt, um den Eindruck abzurunden. Am Ende entsteht eine für Anleger scheinbar eindeutige Empfehlung, z. B. "Kaufen", "Halten" oder "Verkaufen". Da die Quellen der Analysten zumindest im Prinzip alle gleich sind, müssten sie auch zu ähnlichen Einschätzungen kommen. Und je mehr Kaufempfehlungen es gibt, desto Erfolg versprechender bzw. sicherer scheint ein Kauf für Anleger.

Empfehlungen nicht blind vertrauen

Grundsätzlich kann man als Aktionär den Empfehlungen der Analysten sicher folgen, sollte sich aber nicht mit den Zusammenfassungen "Kaufen" oder "Verkaufen" zufriedengeben. Vielmehr sollte man immer die gesamte Beurteilung lesen, um zu sehen, warum Analysten zu einem Urteil gelangt sind. Einige Aspekte sollten Anleger zudem noch berücksichtigen: Positive oder negative Urteile werden vom Markt schnell in den Kurs "eingepreist". Will heißen, dass z. B. gute Nachrichten innerhalb kurzer Zeit dazu führen, dass der Kurs einer Aktie steigt (und umgekehrt). Und je mehr Analysten eine positive Bewertung abgeben, desto mehr steigt der Kurs. Privatanleger erfahren aber oft erst spät von Analystenbewertungen, sodass ein Kurs u. U. schon stärker gestiegen ist und man sich fragen muss, ob sich ein Kauf überhaupt noch lohnt.

Was Anleger unbedingt noch wissen sollten, ist, dass Analysten selbst bei schlechter Unternehmensentwicklung selten ein klares "Verkaufen" empfehlen, weil sie es sich nicht mit dem Unternehmen verscherzen möchten. Ein "Halten" kann daher u. U. schon auf eine schlechte Geschäftsentwicklung hindeuten. Hinzu kommt, dass Analysten oft eine relativ kurzfristige Sichtweise haben und ihre Empfehlungen häufiger überarbeiten oder auch ändern. Und auch Analysten unterliegen immer wieder dem Herdentrieb. Steigt der Kurs einer Aktie seit Längerem, überarbeiten sie ggf. ihre Empfehlung und ändern ihr Urteil kurzfristig z. B. von "Halten" auf "Kaufen", auch wenn sie eigentlich der Meinung sind, dass dies nicht unbedingt gerechtfertigt ist und umgekehrt.

Anleger sollten sich immer auch selbst informieren

Anleger sollten Bewertungen von Analysten daher nur als Orientierung nehmen und sich stets selbst ein Bild vom Unternehmen machen. Und wer sich als Langfristanleger versteht, der nicht ständig Kaufen und Verkaufen möchte, sollte vor allem prüfen, seit wann ein Unternehmen schon erfolgreich am Markt ist und Umsätze, Gewinne und Kurse steigert. Wenn man vom Unternehmen überzeugt ist und davon ausgeht, dass sich der positive Trend auch fortsetzt, wenn es zu kurzfristigen Schwankungen kommt, sollte man nicht bei Empfehlungen wie "Halten" oder "Verkaufen" aktiv werden. Denn häufig kommt die nächste Kaufempfehlung für die verkauften Aktien einige Wochen später wieder, wenn sich z. B. das Marktumfeld wieder beruhigt hat.

Veröffentlicht am 17. Oktober 2016