Eurobonds und Schuldenkrise: Vorteile einer europäischen Anleihe

EU-Spitzenfunktionär Jean-Claude Juncker ist bekannt für seine klaren Worte. Wenig Verständnis hat der Politiker für die Haltung Deutschlands zum Thema „Eurobonds“. In seinen Augen ist der Eurobond so ziemlich die letzte Waffe zur Rettung der Gemeinschaftswährung. Börsenwissen kompakt klärt auf, warum der Politiker für die Einführung der Eurobonds kämpft.

Der größte Vorteil der Eurobonds ist, dass ein "Spekulanten-Angriff" auf  ein einzelnes angeschlagenes EU-Land sehr viel schwieriger wird. Solche Angriffe haben in der Vergangenheit besonders den Iren und den Portugiesen die Refinanzierung ihrer Staatsschulden verhältnismäßig teuer gemacht (wobei die Spekulanten die Krisen nicht ausgelöst, sondern nur verschärft haben). Die Neuaufnahme von Schulden über den Kapitalmarkt wird in solchen Fällen zu teuer.

Wenn Eurobonds zur Staatsfinanzierung eingeführt werden, ist ein Angriff der "Spekulanten" sehr viel unwahrscheinlicher, da der Eurobond-Markt deutlich größer wäre und daher wesentlich mehr Kapital benötigt würde, um die Kurse dieser Anleihen unter Druck zu setzen.

Die Märkte zeigen aus Sicht der Eurobond-Befürworter, dass der Rettungsschirm und der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank nicht reichen, um das Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung wiederherzustellen. Mit der Eurobond-Einführung kann die Ausweitung der Krise im besten Fall verhindert und den Pleite-Spekulationen ein Ende bereitet werden.

Die Eurobonds entlasten die gefährdeten Länder
Bisher führte der von den Investoren verlangte höhere Zins oft zu einer Verschärfung der Schuldenkrise in den ohnehin finanziell geschwächten Ländern. In einigen Fällen brachen dadurch die Länder unter der Schuldenlast zusammen.

Mit der Einführung von Eurobonds wird den bereits geschwächten Ländern eine vergleichsweise günstige Refinanzierung möglich gemacht, was den Druck von diesen Ländern nimmt. Damit wird dem Land praktisch mehr Zeit gegeben, um die Haushalts-Schieflage wieder in den Griff zu bekommen.

Einige Politiker sehen in den Eurobonds auch einen weiteren wichtigen Schritt, der das Zusammenwachsen Europas beschleunigen könnte. Denn die Einführung wäre ein erster Schritt zur gesamteuropäischen Wirtschaftspolitik. Im Moment sind die Voraussetzungen der einzelnen Euro-Länder hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit sehr unterschiedlich – eine gemeinsame Politik könnte das ändern.

Veröffentlicht am 18. Februar 2011