Aktien & Börse

Aktien von Familienunternehmen: 2 Vorteile, 2 Nachteile

Aktien von Familienunternehmen: 2 Vorteile, 2 Nachteile
geschrieben von Jörgen Erichsen

An der Börse werden Aktien unterschiedlicher Unternehmenstypen gehandelt. Die meisten Papiere gibt es von klassischen Kapitalgesellschaften, die durch angestellte Vorstände geleitet werden. Es gibt aber auch Unternehmen, die an der Börse notiert sind, sich aber überwiegend in Familienbesitz befinden. Aktien von Familienunternehmen haben für Aktionäre sowohl Vor- als auch Nachteile.

Familienunternehmen gibt es vor allem in Europa, weniger in den USA. Amerikaner neigen eher dazu im Erfolgsfall das ganze Unternehmen zu verkaufen. Anders Europäer: sie wollen häufig weiter bei der Gestaltung der Firma mitbestimmen und lange die Früchte ihrer Arbeit einfahren. Familienunternehmen entstehen oft, weil ein Gründer vor vielen Jahren eine gute Idee hatte und damit eine Firma aufbauen und kontinuierlich expandieren konnte.

Um die Expansion zu bezahlen, wurde häufig der Gang an die Börse angetreten. Und aus dem ersten kleinen Börsengang entwickeln sich dann häufig regelrechte Erfolgsgeschichten: aus kleinen Betrieben wurden Konzerne, wie die Fälle Henkel oder Fuchs Petrolub zeigen. Im Unterschied zu klassischen Aktiengesellschaften, deren Aktien breit gestreut sind, behalten bei Familienunternehmen trotz Börsennotierung immer Familienmitglieder die Mehrheit der Anteile.

Wichtig: Bei der Nennung von Unternehmen handelt es ausdrücklich nicht um Kaufempfehlungen. Es sollen lediglich die Zusammenhänge verdeutlicht werden.

Diese Vorteile sprechen für Aktien von Familienunternehmen

1. Weniger Wechsel in der Spitze von Familienunternehmen

In Familienunternehmen haben Gründer oder Nachkommen immer noch großen Einfluss auf Entscheidungen, weil sie beispielsweise im Vorstand oder in Aufsichtsgremien sitzen und selbst eine große Anzahl Anteile halten, oft mehr als fünfzig Prozent. Ohne die Eigentümer lassen sich wichtige Entscheidungen für die weitere Entwicklung des Unternehmens nicht treffen. Der Vorteil für Aktionäre ist, dass es an der Spitze von Familienunternehmen deutlich weniger Wechsel gibt als bei klassischen Aktiengesellschaften.

2. Die Inhaber von Familienunternehmen denken langfristig

Die Spitze von Familienunternehmen, die meist aus Familienmitgliedern besteht, denkt meist langfristig, nicht in Quartalen oder Geschäftsjahren.

Denn das Einkommen angestellter Geschäftsführer hängt fast immer von den erreichten (Jahres-)Gewinnen ab. Und diese werden oft nur erreicht, wenn man versucht, kurzfristig die Kosten zu reduzieren oder stark auf aktuelle, bald aber nicht mehr moderne Produkte setzt. Anders in Familienunternehmen: dort wird weniger auf die Höhe des nächsten Bonus geschielt. Man versucht meist, die Firma für die nächste Generation fit zu halten.

Entsprechend liegt der Fokus auf der strategischen Entwicklung und Erlangung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit, was durchaus auch mal zu Lasten des Gewinns des laufenden Jahres gehen kann. Und dennoch sind die Finanzkennzahlen vieler Familienunternehmen besser als die klassischer Aktiengesellschaften. Studien zeigen zudem, dass Mitarbeiter in Familienunternehmen über eine höhere Motivation und damit Leistungsfähigkeit verfügen. 

Nachteile, die gegen Aktien von Familienunternehmen sprechen

1. Die Familie bietet nicht immer die beste Geschäftsführung

Natürlich sind Familienbetriebe nicht automatisch erfolgreicher als andere Firmen. Auch hier gibt es gute und weniger gute Geschäftsführungen. Zudem kann für Aktionäre die fehlende Einflussmöglichkeit auch Nachteile haben, wenn sie etwa mit Entscheidungen des Managements nicht einverstanden sind.

2. Das Prädikat "Familienunternehmen" verspricht nicht immer Zukunftsfähigkeit

Zudem genügt das Prädikat "Familienunternehmen" nicht, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Notwendig sind u. a. auch gute Produkte, eine hohe Innovationskraft, ein Agieren in aussichtsreichen Märkten und ein signifikanter Wettbewerbsvorsprung. Insofern sollten Aktionäre sich auch Familienunternehmen immer genau ansehen und auf ihre Zukunftsfähigkeit prüfen, bevor sie aktiv werden und investieren. Und es sollte auch so sein, dass man nicht nur auf Familienbetriebe setzt, sondern auch Aktien klassischer Firmen erwirbt.

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Jörgen Erichsen

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