Aktien-Analyse leicht gemacht: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Die unter Privatanlegern wohl bekannteste und am häufigsten benutzte Bewertungskennzahl für die Aktien-Analyse ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV ist ein einfaches Instrument, um eine unterbewertete Aktie aufzuspüren, sollte aber nicht isoliert betrachtet werden.

Aktien-Analyse mit KGV: Unternehmensgewinne bewerten
Die Berechnung des KGV setzt den aktuellen Kurs einer Aktie ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn je Aktie. Es zeigt Ihnen an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet ist. Bei dieser Art der Aktien-Analyse gilt die Faustformel: Ein KGV von unter 10 weist auf eine preisgünstige Aktie hin, während ein KGV über 30 eine teure Aktie anzeigt (wobei zusätzlich zum Beispiel noch das Gewinnwachstum berücksichtigt werden muss – dazu später mehr).

Beispiel für die Aktien-Analyse per KGV: Die Aktie der Müller AG notiert bei 105 Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen einen Gewinn von 15 Euro je Aktie. Damit liegt das KGV der Müller AG bei 7 (105/15). Das Fazit: Auf Basis des KGV kann die Aktie der Müller AG als unterbewertet gelten.

Worauf Sie beim Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien-Analyse achten sollten
Das KGV ist also ein erster Hinweis darauf, ob eine Aktie im Moment teuer oder günstig gehandelt wird. Bei einer Kaufentscheidung sollten jedoch stets mehrere Aktien-Kennzahlen betrachtet werden. In dieser Themenreihe stelle ich Ihnen die 6 wichtigsten Kennzahlen leicht verständlich vor.

Auch wenn das KGV ein guter erster Hinweis ist, müssen vor dem Kauf einer Aktie einige Fakten zusätzlich geprüft werden. Unternehmen mit hohen Wachstumsraten (aktuell zum Beispiel die Apple-Aktie) oder gleichmäßigen Gewinnen (zum Beispiel die Nestle-Aktie) weisen zwar oft ein hohes KGV auf, können aber trotzdem attraktiv bewertet sein. Desweiteren lohnt sich ein Vergleich mit der Branche. Wird die Konkurrenz mit einem KGV von 25 bewertet, kann auch ein KGV von 20 noch günstig sein.

Schwachstellen der Aktien-Analyse mit Kurs-Gewinn-Vergleich

Eine Schwachstelle des KGV ist, dass es keine perfekte Berechnungsbasis gibt. Der Gewinn des Vorjahres steht zwar auf den Cent genau fest, ist aber im Prinzip schon veraltet, da die Börse die Zukunft des Unternehmens bewertet. Der Gewinn je Aktie für das laufende oder das nächste Geschäftsjahr wäre aussagekräftiger, muss jedoch geschätzt werden und ist damit ein Unsicherheitsfaktor. Der Gewinn kann, insbesondere bei einer überraschend schnellen Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds, zu hoch angesetzt sein, so dass das tatsächliche KGV viel höher ist als das berechnete. Dann entpuppt sich eine vorher günstige Aktie als teuer.

Veröffentlicht am 18. Februar 2011
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