3 Methoden, wie ETFs ihren Referenzindex nachbilden

3 Methoden, wie ETFs ihren Referenzindex nachbilden

Indexfonds bzw. ETFs bilden stets einen bestimmten Börsenindex nach. Dabei gibt es drei verschiedene Methoden, wie sie dies tun. Entweder bilden sie ihren Index identisch nach. Indizes mit sehr vielen Aktien können aber auch durch eine repräsentative Auswahl der Einzelwerte abgebildet werden. Oder sie bilden den Index mittels eines Swaps (Tauschgeschäft) nach.

ETFs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Allein an der Frankfurter Börse sind über 1.100 Indexfonds von über 20 Anbietern gelistet. Statt in eine einzelne Aktie zu investieren, kaufen Anleger mit einem ETF gleich einen ganzen Index. Dabei stellt sich die Frage, wie Indexfonds ihren Index nachbilden?

Dazu gibt es drei unterschiedliche Methoden:

  1. Vollständige Replikation
  2. Represantative Sampling-Methode
  3. Synthetische Replikation

1. Vollständige Replikation durch ETF

Kleinere Indizes wie beispielsweise der Deutsche Aktienindex (Dax) mit gerade einmal 30 verschiedenen Aktien werden nachgebildet, indem jedes Wertpapier dieses Index gekauft wird. Die Abbildung erfolgt also 1 : 1. Diese Methode nennt man vollständige Replikation oder auch physische Replikation.

Das geht jedoch nur bei kleinen und überschaubaren Indizes. Bei sehr breit streuenden Indizes wie zum Beispiel dem MSCI World Index mit über 1.800 Einzelwerten stößt dieses Verfahren jedoch schnell an seine Grenzen. Der Verwaltungsaufwand und dementsprechend die Verwaltungsgebühren eines entsprechenden ETFs würden bei einer vollständigen Replikation ausufern.

2. Represantative Sampling-Methode

Um den Verwaltungsaufwand bei sehr breiten ETFs in Grenzen zu halten, wird auf statistische Verfahren zurückgeriffen. Dabei nimmt ein entsprechender ETF nur eine statistisch relevante Auswahl an Einzeltiteln des jeweiligen Index auf. Beim MSCI World Index sind das je nach ETF an die 700 bis 800 Einzelwerte. Diese Metode nennt man Represantative Sampling-Methode.

Doch es gibt noch eine dritte Methode, die ganz anders funktioniert.

3. Synthetische Replikation mittels Swap

Bei der synthetischen Replikation kauft der jeweilige ETF irgendwelche Wertpapiere, die mit dem jeweiligen Index möglicherweise gar nichts zu tun haben. Die Wertentwicklung seines Index kauft er über einen Swap, ein Tauschgeschäft, ein. Dabei tauscht er die Wertentwicklung seines Indizes gegen einen Teil der Wertpapiere des jeweiligen ETFs ein.

Geschäftspartner (Kontrahent) ist immer eine Bank. Da diese theoretisch pleitegehen kann, begrenzt der Gesetzgeber dieses Tauschgeschäft auf maximal 10 Prozent des Nettoinventarwertes eines ETFs. In der Praxis sind Swaps oft kleiner als 10 Prozent und werden zusätzlich übersichert, sodass das Verlustrisiko sehr gering ist.

Dieses sogenannte Kontrahentenrisiko wird stets als Nachteil eines synthetisch replizierenden ETFs genannt. In der Tat gehen einige Anbieter deshalb dazu über, ihre Replikationsart von synthetisch auf physisch umzustellen. Doch es gibt auch einen gravierenden Vorteil synthetisch replizierender Fonds: Sie sind bei ausländischen thesaurierenden ETFs steuerlich wesentlich einfacher zu handhaben als physisch replizierende ETFs.

Fazit:

Es gibt unterschiedliche Arten, wie ETFs ihren Börsenindex nachbilden. Bei der vollständigen Replikation werden alle Aktien des jeweiligen Index vom jeweiligen ETF erworben. Das geht jedoch nur bei überschaubaren Börsenindizes zu vertretbaren Kosten. Bei deutlich größeren Indizes werden statistische Verfahren wie die Represantative Sampling-Methode herangezogen, um die Anzahl an Einzeltiteln im jeweiligen ETF zu begrenzen. Und als dritte Methode werden synthetische Verfahren verwendet, bei denen die Wertentwicklung des Index über Swaps dargestellt wird.

Veröffentlicht am 5. Februar 2016