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Vorsicht Falle: Kaffeefahrten sind oft nur Betrug und Abzocke

Vorsicht Falle: Kaffeefahrten sind oft nur Betrug und Abzocke
geschrieben von Burkhard Strack

Die sogenannten Kaffeefahrten erfreuen sich seit Jahren vor allem bei den Senioren einer großen Beliebtheit. Die Rede ist hierbei von den organisierten Ausflugsfahrten, bei denen oftmals kostenloses Mittagessen oder auch Kaffee und Kuchen angeboten wird.

Daraus resultiert der Name. Der Haken bei der Sache ist jedoch, dass die Teilnehmer für die kostenfreie Verpflegung meist an einer Verkaufsveranstaltung teilnehmen müssen, bei der gern einmal mit Tricks zum Kauf von oftmals minderwertigen oder überteuerten Produkten überredet wird. Der folgende Beitrag gibt Ihnen nützliche Tipps, wo bei diesen Fahrten Betrug und Abzocke lauern.

Was sind Kaffeefahrten?

Oft liegen sie als Postwurfsendung im Briefkasten: die Angebote für Tagesausflüge. Diese Fahrten sind insbesondere bei älteren Menschen sehr beliebt. Die Veranstalter werben immerhin damit, dass die Senioren für wenig Geld die Möglichkeit haben, mit dem Bus bequem, einfach und günstig einen schönen Tag zu verbringen und mit anderen Menschen zusammenzutreffen und zu kommunizieren.

Was jedoch als geselliger Ausflug angepriesen wird, ist letzten Endes in erster Linie eine Verkaufsveranstaltung, bei der mit psychologischen, ausgeklügelten Tricks und teilweise auch einer aggressiven Werbestrategie Waren zu oftmals völlig überteuerten Preisen verkauft werden sollen. Daher verfolgen diese Kaffeefahrten meist nur ein Ziel, nämlich Geld zu verdienen. Gerade die Senioren stellen für die Verkäufer eine zahlungskräftige, aber auch naive Personengruppe dar.

Welche taktischen und strategischen Mittel nutzen die Veranstalter?

Die angebotenen Produkte werden den Senioren auf den Kaffeefahrten als völlig neu, revolutionär etc. angepriesen. Schnell entsteht das Gefühl: „Dieses Produkt muss ich unbedingt haben.“ Daher schließen die Teilnehmer der Verkaufsveranstaltung oftmals Verträge ab, deren Waren im regulären Handel meist für einen Bruchteil des Preises erhältlich sind. Die Gutgläubigkeit und Ahnungslosigkeit der Menschen wird schamlos ausgenutzt.

Im Publikum sitzen zudem häufig Komplizen des Veranstalters, die die Waren kaufen und die anderen animieren sollen. Des Weiteren sind die Kaufverträge auf den Kaffeefahrten meistens unvollständig und missverständlich. Es fehlen beispielsweise das Datum oder die Widerrufsbelehrung. Ersteres wird dann zurückgesetzt, damit die Widerrufsfrist abgelaufen ist. Auch Anzahlungen oder Vorauszahlungen des Warenpreises sind übliche Methoden. Sie sollten auf solche Fahrten möglichst wenig Bargeld sowie keine EC- oder Kreditkarten mitnehmen, da die Verkäufer meist auch über Kartenlesegeräte verfügen.

Wie erkennen Sie eine unseriöse Veranstaltung?

  • Angaben zur Firma fehlen oder klingen unecht
  • Rechtsformzusatz wie GmbH oder KG fehlt
  • Bei der GmbH oder KG müssen die Handelsregister-Nummer, das Registergericht und der Geschäftsführer bzw. der persönlich haftende Gesellschafter ausgeführt werden
  • Statt einer Adresse ist nur ein Postfach angegeben
  • Sie sind berechtigt, noch andere Personen mitzubringen
  • Versprechungen von Gewinnen, Auslosungen oder Geschenken

Was können Sie tun, wenn Sie ungewünschte Waren gekauft haben?

Wer auf Kaffeefahrten Produkte erwirbt und dies später bereut, kann den Kauf innerhalb von zwei Wochen schriftlich widerrufen, ohne hierfür Gründe nennen zu müssen. Erhält der Kunde die Widerrufsbelehrung erst nach dem Vertragsschluss, gilt sogar eine Widerrufsfrist von vier Wochen. Generell ist es allerdings wichtig, beim Abschluss des Vertrags unbedingt darauf zu achten, dass neben der Adresse auch das richtige Datum angegeben ist.

Der Veranstalter ist laut Gesetz dazu verpflichtet, den Käufer über sein Widerrufsrecht schriftlich zu belehren. Bei einer fehlenden oder falschen Belehrung ist der Widerruf zeitlich unbefristet möglich. Doch Vorsicht: Wenn der Preis der Ware niedriger als 40 Euro ist und zudem sofort bezahlt und mitgenommen wird, ist ein Widerrufsrecht ausgeschlossen. Bei Kaffeefahrten ins Ausland ist außerdem zu berücksichtigen, dass das ausländische Recht gilt.

Fazit

Es gibt sicher auch seriöse Unternehmen, aber im Allgemeinen wird vor den Kaffeefahrten für Senioren eher gewarnt. Die Verkäufer können durch die Provisionen und Prämien, die für sie anfallen, oftmals 10.000 Euro oder mehr im Monat erwirtschaften. Die Leidtragenden sind in dem Fall meist die Senioren, die auf einer Kaffeefahrt häufig teures Geld für ein minderwertiges Produkt ausgegeben haben. Dem massiven psychologischen Druck entgegenzusetzen, der oftmals auf die Teilnehmer ausgeübt wird, ist meist gar nicht so einfach.

Über Ihren Experten

Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied), Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.

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