Vermeidung der teuersten Finanzierung: Die richtige Analyse des wirtschaftlichen Umfeldes

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie man systematisch sein volkswirtschaftliches Umfeld analysiert. Er informiert, welche Indikatoren ganz eindeutig davor warnen, die teuerste Finanzierung vor zu nehmen.

An steigenden Umsätzen, steigenden Margen, positiver Stimmung anderer Unternehmer, steigenden Aktienkursen und optimistischen Äußerungen in den Medien merken Unternehmer und Manager, dass die Wirtschaft floriert. Daher der Wusch oder vermeintliche Zwang zu Investitionen. Dass man gerade in solchen Situationen Gefahr läuft, die teuerste Finanzierung zu tätigen, bedenkt selten jemand.

Wie analysiert man als Unternehmer systematisch sein wirtschaftliches Umfeld, um die teuerste Finanzierung zu vermeiden?
Es gibt zwei Themenkreise. Das volkswirtschaftliche und das betriebswirtschaftliche Umfeld. Ich empfehle, vom großen Zusammenhang in die Einzelheiten zu gehe, um die teuerste Finanzierung zu vermeiden. Daher muss man sich fragen, gibt es eine Überhitzung oder erste Warnzeichen in den USA.

Viele Experten sprechen heute davon, Asien sei das Zugpferd. Aber die USA haben nach wie vor die größte Nachfrage nach Konsumgütern, daher geben sie den Ton an. Und nicht nur das.

Sie pumpen auch unvorstellbar viel Geld in den Wirtschaftskreislauf. Dann sollen wir Europäer schauen, wie sich die Entwicklungsländern, Asien, Russland und Europa entwickeln. Und ganz zum Schluss schauen wir nach Deutschland, um die teuerste Finanzierung zu vermeiden.

Welche Anzeichen warnen uns, die teuerste Finanzierung einzugehen? Steigender Preise für Geld, die Zinsen, steigende Inflation, Energie- und Rohstoffpreise, steigende Aktienkurse, fallende Kurse für Obligationen, sinkende Arbeitslosenzahlen, steigende Konsumkredite, steigende Kapazitätsauslastung.  

Welche Indikatoren warnen uns frühzeitig vor der teuersten Finanzierung und weisen auf ein Kippen des Aufwärtstrends hin?
Arbeitslosenzahlen um 4%, Kapazitätsauslastung über 84% und absolut frühzeitig und die letzten Dekaden immer richtig die Zinsen.

Wie können uns die Zinsen vor der teuersten Finanzierung warnen?
Bei einer wirtschaftlichen Erholung steigen die kurzfristigen Zinsen, wie z. B. für Spareinlagen schneller als die Zinsen für Obligationen. Als Vergleichsgröße zum Zinssatz für Spareinlagen oder dem Euribor für 3 Monate nimmt man die Verzinsung für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren.  

Gewinnt die Wirtschaft noch mehr an Fahrt, dann kommt es vor, dass die Zinsen für Spareinlagen höher sind als für Obligationen. Das nennt man dann eine inverse Zinsstruktur. Ein absolutes Warnzeichen dafür, dass jeder, der mit Kredit investiert, jetzt die teuerste Finanzierung wählt. 

Warum wird das als inverse Zinsstruktur bezeichnet?
Weil das Zinsgefüge auf den Kopf gestellt ist. Binden Sie Ihr Geld bei Banken nur kurzfristig, erhalten Sie wenig Zinsen, bestes Beispiel, täglich fällige Spareinlagen. Binden Sie Ihr Geld langfristig, wie z. B. bei dem Kauf einer 10 Jahre laufenden Staatsanleihe, bekommen Sie wesentlich mehr Zinsen. Heute beträgt der Abstand, je nach Bank, mehrere Prozentpunkte.

Erhalten Sie aber für täglich fällige Einlagen mehr Zinsen als für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren, dann spricht man von einer inversen – umgekehrten – Zinsstruktur, ein untrüglicher Hinweis für Zeiten, in den Sie die teuerste Finanzierung wählen.

Warum spricht man in dieser Situation von invers oder umgekehrt?
Denken Sie ans Wetter. Normalerweise ist es in tiefen Lagen wärmer als auf den Bergen. Im Winter aber, besonders bei Föhn, kommt es vor, dass sich im Tal Kälteseen bilden und es am Berg, wo der Föhn bläst, wesentlich wärmer ist. Sind die kurzfristigen Zinsen höher als die langfristigen, spricht man ebenfalls von invers.

Warum bekommen Sie für kurzfristige Veranlagungen weniger Zinsen als für langfristige Bindungen?
Wenn Sie Ihr Geld kurzfristige veranlagen, haben Sie weniger Risiko, bei Zinsveränderungen Verluste zu erleiden, als bei einer langen Bindung, aus der Sie in einer Phase steigender Zinsen nur mit Kursverlusten aussteigen können. Daher erhalten Sie als Ausgleich für das höhere Risiko, das Sei eingehen, mehr Zinsen. Genau diese Beobachtungen der Veränderungen der Zinsstruktur können die teuerste Finanzierung vermeiden.

Warum kommt es überhaupt zu einer inversen Zinsstruktur?
Weil die jeweiligen Notenbanken den kurzfristigen Zinssatz so lange anheben, bis die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft gebannt scheint und ganz bewusst die Kosten für Finanzierungen verteuern. Ein Grund mehr, warum Sie in dieser Zeit die teuerste Finanzierung vornehmen.

Kann man nach dieser Analyse schon eine Entscheidung treffen?
Nein. Bevor man sich jetzt für oder gegen die teuerste Finanzierung entscheidet, soll man noch eine betriebswirtschaftliche Analyse vornehmen.

Worauf Sie hier besonders achten sollen und welche Alternativen zu prüfen sind, erfahren Sie im nächsten Artikel.

Veröffentlicht am 27. Januar 2010
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