Versicherung abschließen beim Vertreter: So entlarven Versicherte typisches Vertreter-Latein

Die Versicherungsbranche hat es nicht leicht: Der Kampf um neue Kunden – also um Sie – und Verträge – also um Ihr Geld – ist härter geworden, seit uns das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt. Der Leidtragende sind dabei meistens wir selbst: Denn im Gespräch mit dem Vertreter werden Sie manchmal schlichtweg über den Tisch gezogen und merken es nicht mal.

Das gilt natürlich nicht für jeden Vertreter, es gibt ehrliche und seriöse Vertreter, die ein Interesse daran haben, die Kunden gut zu beraten. Aber es gibt eben auch schwarze Schafe und wenn das Vertreter-Latein ausgepackt wird, dann versteckt sich schnell hinter mancher wohlklingenden Formulierung in Wirklichkeit ein Stolperstein. Den können Sie jetzt aber ganz einfach aus dem Weg räumen – lernen Sie "versicherisch"!

"… Der Schutz kostet Sie nur 50 Cent am Tag …"
Gerne rechnen Vertreter (und auch die Versicherungen in der Werbung) die Policenpreise auf die Kosten pro Tag runter. Versicherungen sind dann schon für 50 Cent am Tag zu haben. Diese Vergleiche lassen Sie aber völlig kalt. Denken Sie daran: Sie sind auf der Suche nach einem sinnvollen Versicherungsschutz, nicht auf dem Basar!

Der VNR-Tipp: Diese "Tagespreise" sagen absolut nichts darüber aus, ob die Versicherung an sich sinnvoll und wirklich günstig ist. Erst einmal sollten Sie hinterfragen, ob der Schutz überhaupt sinnvoll ist und dann Prämien und Leistungen vergleichen – es gibt sinnvollen Schutz nicht zum Schnäppchenpreis.
 

"… Das Angebot gilt nur heute …"
Lassen Sie sich niemals unter Druck setzen, wenn der Vertreter auf einen Abschluss drängt. Das Angebot solcher "Tagespreise" sollte bei Ihnen allenfalls zu einem müden Lächeln, keinesfalls aber zu einer Unterschrift führen. Grundsätzlich gilt: Die Prämien für Versicherungsverträge sind langfristig kalkuliert, basieren auf statistischen Werten (wie z. B. die durchschnittliche Lebenserwartung bei Lebensversicherungen) und keine Tagespreise, wie manche Vertreter den Kunden gerne vorgaukeln. 

Der VNR-Tipp: Denken Sie daran: Sie kaufen keine Bananen ein, die morgen schlecht sein könnten, sondern Versicherungen, die vielleicht ein Leben lang schützen sollen.

"… Bei den Gesundheitsfragen machen wir mal einen Strich ..!"
So werden Umstände unter den Tisch gekehrt, die vor allem bei Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherungen entscheidend sein können, wenn Sie die Policen im Krankheitsfall wirklich brauchen. Oft werden Vorerkrankungen vom Vertreter als unwichtig abgetan und erscheinen so nicht im Antrag. Die Versicherung gibt dann das OK, Sie zu versichern, der Vertreter kassiert die Provision und Sie können nur hoffen, dass der Schwindel niemals auffliegt. 

Der VNR-Tipp: Denn dann stehen Sie im Zweifelsfall komplett ohne Schutz dar. Beantworten Sie immer alle Gesundheitsfragen absolut wahrheitsgemäß. Nehmen Sie lieber einen Prämienaufschlag in Kauf, als einen Betrug zu versuchen. Sie fliegen in aller Regel ohnehin auf, und die Konsequenzen tragen alleine Sie.

"… Ich mache eine kostenlose Versicherungsanalyse …"
Gerne schicken Vertreter sich auch an, eine kostenlose Versicherungsanalyse zu machen. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie das Finanzamt nach Steuertricks zu fragen. Ein klassischer Versicherungsvertreter oder Makler lebt nicht davon, Sie zu beraten und eine Analyse zu erstellen. Er lebt von den Provisionen, die der Vertrag mit Ihnen bringt. Wie objektiv kann eine Analyse da sein? 

Der VNR-Tipp: Wirklich objektiv ist die Beratung nur bei echten Versicherungsberatern. Die leben nämlich nicht von den Provisionen, sondern von den Gebühren, die die Kunden für die Beratung zahlen.

"… Das können Sie mir glauben …"
Glauben können Sie vieles, aber absichern sollten Sie sich schon: Führen Sie das Gespräch niemals alleine; am besten schneiden Sie das Gespräch ganz offen mit. Ein seriöser Versicherungsfachmann – und davon gibt es genug – wird nichts dagegen haben, wenn das Gespräch aufgezeichnet wird. Alle anderen haben in Ihrem Haus nichts verloren. 

Der VNR-Tipp: Lassen Sie sich alle wichtigen Fragen schriftlich beantworten. Lassen Sie sich bestätigen, was Ihnen wichtig ist. Und haken Sie nach, wenn Sie einzelne Punkte im Antragsformular oder in den Geschäftsbedingungen nicht verstehen. Denn nur wenn Sie sich informieren, bekommen Sie den Versicherungsschutz, den Sie brauchen und den Sie wirklich haben wollen.

"… Die Rendite liegt weit über dem Durchschnitt der Branche …"
Ach ja, dann lassen Sie sich diese Aussage und die genaue Höhe der Rendite gleich schriftlich bestätigen, denn nur dann haben Sie später auch einen rechtlich begründeten Anspruch darauf. Ihr Vertreter will das nicht? Dann Finger weg, solche unseriösen "Luft-Versprechen" sind nichts als Werbung – und schlechte dazu!

Veröffentlicht am 3. Juni 2009
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