Gewitter und Blitze: Sind alle Gewitter gleich gefährlich?

Wie entsteht ein Gewitter und bei welchen Arten von Gewittern sollten Sie besondere Vorsicht walten lassen? Wie können Sie auf einfache Weise ermitteln, wie weit ein Gewitter entfernt ist? Dies und mehr erfahren Sie hier.

Sind alle Gewitter gleich gefährlich?

Nein, da es unterschiedlich ablaufende Gewitterarten gibt, müssen sie deshalb entsprechend eingeschätzt und unterschieden werden: nämlich als  Wärme- und als Frontgewitter.

Wie erkennen Sie ein Wärmegewitter?

  • Zunächst gibt es einen Vorboten (1. Phase): die Gewitterschwüle, die das Wärmegewitter (meist Sommergewitter) ankündigt, wo es sehr warm sein muss und zugleich eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Hierbei treffen feucht-warme Luftschichten mit starker Sonneneinstrahlung zusammen und die dadurch erwärmte Luft steigt dann in kältere Bereiche auf. Sie wird in die hohen kalten Bereiche der Lufthülle regelrecht hochgerissen.
  • 2. Phase: Beim "Luftmassengewitter" werden die erwärmten und aufgestiegenen feucht-warmen Luftmassen nun wieder abgekühlt, wobei die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und kleine Wassertröpfchen und damit Wolken(-massen) entstehen, die sich immer höher auftürmen. Sie können bis zu 10 Kilometer in die Atmosphäre hineinreichen.
  • 3. Phase: Im Inneren der Wolkenmassen (Nimbulus-, Haufenwolken, die nur bedrohlich aussehen), wird die Entladung vorbereitet: In den Wolkentürmen herrschen starke Winde und die Reibung der Wassertropfen mit den Luftmolekülen und untereinander erzeugt große elektrische Ladungen (Reibungsenergie), die schließlich entladen werden.
  • 4. Phase: Rasch nach der Entladung wird es wieder schön und das Sommerwetter dauert an. Diese Gewitterphasen laufen meist schnell hintereinander ab und Sie bleiben am besten solange im Haus oder im Auto, bis alles vorbei ist.

Wie erkennen Sie ein Frontgewitter?

  • Das Frontgewitter können Sie vom Wärmegewitter leicht unterscheiden, da es sich um eine viel wuchtigere Art von Gewitter handelt. Hier finden gewaltige, großräumige Luftverschiebungen statt, die mit Geschwindigkeiten von 50 Kilometern pro Stunde über weite Gebiete hinwegziehen. Sie entstehen an der Grenze von feuchter Warmluft und heranrückender Kaltluft. Ein Frontgewitter leitet immer die Zufuhr einer anderen Luftmasse und damit eines Wetterwechsels ein (Sturm, Hagel). 
  • Zunächst kündigt sich dieses Gewitter mit den typischen Wolken (am Morgen) an, die Ihnen demonstrieren, dass die kalte Luft schon in der Höhe angelangt ist.
  • Dort, wo die feuchte Warmluft an die heranrückende Kaltluft angrenzt, kommt es zu gewaltigen Gewitterentladungen mit Blitz und Donner. Bei dieser Art von schwersten Gewittern sollten Sie in jedem Fall rasche, umfassende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, da sich auch die Wetterlage mit ändert.

Wie können Sie feststellen, wie weit das Gewitter noch entfernt ist?

  • Als Schätzung gilt: hören Sie den Donner an Land, ist der Blitzeinschlag weniger als 20 km entfernt. Wollen Sie genau wissen, wie weit weg das Gewitter noch ist, können Sie es wie folgt berechnen: Zunächst zählen Sie den Abstand zwischen Blitz und Donner in Sekunden (z. B. 9 Sekunden, die Sie den Donner nach dem Zucken des Blitzes hören). Dann teilen Sie diese Zahl durch drei (9:3=3) und lesen nun die Kilometer ab (3 km), da der Schall des Donners für einen Kilometer etwa drei Sekunden benötigt. Und zwar deshalb, weil sich der Donner mit einer Schallgeschwindigkeit von 330 Metern pro Sekunde fortbewegt.
  • Hören Sie beispielsweise den Donner bereits sechs Sekunden nach dem Blitz, so ist das Gewitter nur noch zwei Kilometer entfernt und Sie sollten überlegen, wo Sie einen sicheren Platz finden.

Ist Wetterleuchten ungefährlich und wie weit ist das Gewitter dann noch entfernt?

    Wenn der Donner ausbleibt und Sie nur ein helles Aufleuchten des Himmels sehen, sozusagen ein weiches Erleuchten der Wolken statt eines scharfkantigen Blitzes, dann handelt es sich um ein sehr weit entferntes Gewitter, wo die Blitze die dazugehörigen Wolken erleuchten und von ihnen reflektiert werden. Und da Sie den Donner nicht mehr hören können, ist die Naturgewalt noch mindestens 18 Kilometer entfernt oder weiter.

    Sie haben noch genügend Zeit, um Ihre momentanen Aktionen zu beenden. Allerdings kann das Gewitter auch näher kommen und dann später noch seine Wirkung entfalten. Deshalb ist dennoch Aufmerksamkeit und Vorsicht angebracht. 

      Weshalb zeigt der Blitz Zacken und folgt der Donner wirklich dem Blitz?

      • Nein. Blitz und Donner erfolgen zur selben Zeit, wenn Sie diese nacheinander wahrnehmen, erliegen Sie nur einer Täuschung, denn Sie sehen den Blitz nur früher. Das hat etwas mit der schnelleren Lichtgeschwindigkeit gegenüber der Schallgeschwindigkeit zu tun. Während sich das Donnergrollen von weither lange ankündigt, entsteht und verschwindet der Blitz ganz plötzlich und unerwartet.
      • Die Zackenform des grellen Blitzes entsteht aufgrund seiner Eigenschaft, immer den kürzesten Weg zur Erde zu nehmen. Weil er dabei aber jene Gebiete mit großem elektrischen Widerstand in der Luft umgeht, gelangt er als jene Zackenlinie zu Boden, die Sie zu sehen bekommen.
      Veröffentlicht am 8. Januar 2013