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Die richtige Finanzierung im Aufschwung: Indikatoren der Finanzwirtschaft müssen überprüft werden

Die richtige Finanzierung im Aufschwung: Indikatoren der Finanzwirtschaft müssen überprüft werden
geschrieben von Dr. Edgar Mosser

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, warum die Indikatoren der Finanzwirtschaft mit den volkswirtschaftlichen Daten überprüft werden müssen. Geschieht das nicht, werden Investitionen und Finanzierungen zu früh und Kredite, Darlehen & Co. zu teuer vorgenommen.

Marktteilnehmer und hier besonders Unternehmer neigen zu Investitionen, weil sie zu Recht versuchen, ihr Unternehmen durch Wachstum, Erneuerung, Modernisierung, technologischen Vorsprung, Besetzung von Nischen und anderes mehr ab zu sichern.

Daher ist die Versuchung einer Finanzierung, eines Kredits oder Darlehens zum falschen Zeitpunkt groß. Sind dann die Zinsen nieder und günstig, wird oft das alleine schon als Grund zur Finanzierung hergenommen. Leider gibt es auch viele Banken, die vor allem gute Unternehmen zur Finanzierung ermuntern, weil auch sie Geschäfte machen müssen.

Warum können Finanzierung, Kredite, Darlehen & Co. gerade am Ende eines Abschwungs sehr teuer werden?
Weil Konditionen, die stark gefallen sind, nur scheinbar günstig sein können. Vergleichen Sie die Situation 2003 mit 2009, so sehen Sie, dass 2003 die Zinsen so günstig waren, wie schon über 40 Jahre nicht mehr. Euribor 3 Monate fiel Anfang 2004 auf 1,96, steht aber jetzt bei 0,66.

Der gleiche Zinssatz im März 2009 war aber mit 1,96 immer noch zu hoch und kein Startschuss für eine Finanzierung, weil sich die Indikatoren der Realwirtschaft weiter abschwächten, begleitet vom schlimmsten Kurssturz an den Börsen seit 80 Jahren. Die Kapazitätsauslastung fiel in manchen Branchen auf ein seit dem 2. Weltkrieg nicht bekanntes Niveau – Maschinenbau z. B. auf minus 49%. Hätte man sich nur am Zinssatz orientiert, wäre man zu früh an eine Finanzierung heran gegangen.

Finanzierung: Wie haben sich die Indikatoren Euribor 1 Monat und Euribor 12 Monate verhalten?
Während Ende 2002 der Euribor 12 Monate mit 2,75 noch niedriger war als der Euribor 1 Monat mit 2,90 und damit die Erwartung des Marktes auf weitere wirtschaftliche Rückgänge signalisierte, war der Absturz von 2008 bis 2009 so rasant, dass der Euribor 1 Monat immer unter dem Euribor 12 Monate blieb. In den USA allerdings, die primär zu beobachten sind, war der Euribor 12 Monate vorübergehend ebenfalls tiefer als der Euribor 1 Monat und warnte rechtzeitig.

War dieses Verhältnis als Indikator für Finanzierungen in dieser Situation unbrauchbar?
Nein, es war trotzdem brauchbar.

Warum?
Weil auch aus dem raschen Senken der Zinsen sehr viel zu erfahren ist. Normalerweise hüten sich Notenbanken vor dieser Vorgangsweise, weil sie ein Indiz für eine sehr schlechte Entwicklung der Wirtschaft ist und Notenbanken die Skepsis nicht noch vergrößern wollen. Senken sie die Zinsen trotzdem so rasch, dann wissen alle interessierten Marktteilnehmer, dass wir es mit einer sehr schwierigen Situation zu tun haben und Investitionen sowie Finanzierungen sehr genau auf ihren Erfolg zu hinterfragen sind. Eins schlimmeres Warnsignal als so rasche Zinssenkungen gibt es nicht.

Unter welchen Voraussetzungen kann man jetzt wieder ernsthaft an Investitionen und Finanzierungen, Kredite und Darlehen nachdenken?
Von Seiten der Indikatoren der Finanzmärkte sind die Ampeln grün. Die Prognosen der Großbanken für die wirtschaftliche Entwicklung sind ebenfalls positiv.

Warum Sie nach dieser Krise trotzdem wesentlich genauer prüfen müssen als in den letzten Jahrzehnten, erfahren Sie im nächsten Artikel.

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Dr. Edgar Mosser

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