Verbrauchertipps

Wohngeld in der Ausbildung?

Wohngeld ist ein weiteres Mittel des Staates, das zu der so genannten “sozialen Förderung” gehört. Mit dem Wohngeld soll es Menschen ermöglicht werden, sich auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung zu suchen, auch wenn das eigene Einkommen vielleicht nicht reicht, um sich die Miete leisten zu können.

Das hat auch Sinn, denn die Mieten werden ja nicht durch staatliche Vorgaben, sondern durch den freien Markt bestimmt. Jeder kann also eine angemessene Wohnung beziehen und wenn das eigene Einkommen dafür nicht ausreicht, greift der Staat, sprich der Steuerzahler, mittels Wohngeld ein.

Oftmals wird geglaubt, dass Wohngeld gleichbedeutend mit Miete ist. Dies ist nicht der Fall: Wohngeld ist immer “nur” ein Zuschuss zur Miete, deckt also bei weitem nicht die Miethöhe.

Wohngeld für Auszubildende bedeutet allerdings, eine ganze Reihe von Hürden zu nehmen, um einen Anspruch darauf zu haben.

Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit
Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit sind

  • Gehälter, Löhne, Gratifikationen, Tantiemen und andere Bezüge und Vorteile, die für eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst gewährt werden
  • Wartegelder, Ruhegelder, Witwen- und Waisengelder und andere Bezüge und Vorteile aus früheren Dienstleistungen

Vollkommen uninteressant ist es dabei, ob es sich um laufende oder einmalige Einnahmen handelt und ob ein Rechtsanspruch darauf besteht.

Zum Arbeitslohn zählen daher neben dem eigentlichen Entgelt auch steuerpflichtige Entschädigungen für entgangenen Lohn, Lohnzuschläge, Sachleistungen, die Überlassung von betrieblichen Einrichtungen zur privaten Nutzung wie das Dienstauto und auch Trinkgelder oberhalb der Freigrenzen.

Der Anspruch auf Wohngeld
Auszubildende haben in der Regel keinen Anspruch auf Wohngeld , solange sie “dem Grunde nach” Anspruch auf BAB haben. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Leistungen beantragt wurden oder nicht und auch, ob z.B. wegen zu hohem eigenen Einkommens oder zu hohem Einkommen der Eltern die Leistung gezahlt wird oder nicht.

Max und Arne sind beide für ihre Lehre nach Berlin gezogen. Max erhält BAB-Leistungen, während Arne kein BAB erhält, weil seine Eltern ein zu hohes Einkommen haben.

Max kann kein Wohngeld beantragen, weil er bereits BAB bezieht. Arne erhält zwar kein BAB, hat aber ebenfalls keinen Anspruch auf das Wohngeld, da er dem “Grunde nach“”Anspruch auf BAB hat.

Dieser Ausschluss vom Wohngeldanspruch gilt aber nur dann, wenn alle im gleichen Haushalt lebenden Haushaltsmitglieder dem Grunde nach Anspruch auf BAB (oder BAföG) haben.

Hat auch nur ein Haushaltsmitglied keinen Anspruch auf BAB (oder auf BAföG) und erhält auch keine anderen Transferleistungen wie ALG II oder Übergangsgeld, besteht wieder ein Anspruch auf Wohngeld.

Was aber ist ein Haushaltsmitglied? Der Mitbewohner in einer WG ist es jedenfalls nicht, sondern nur eigene Kinder, Familienangehörige oder Lebenspartner, bei denen also das eigene Einkommen mit auf das Wohngeld angerechnet wird.

Arne und Sabine, die nicht miteinander verheiratet sind, lernen und bewohnen zusammen mit ihrer 3jährigen Tochter eine gemeinsame Wohnung . Die beiden Eltern haben dem Grund nach Anspruch auf BAB und erhalten dieses auch.

Bis hierher ist noch kein Wohngeldanspruch vorhanden. Da aber die gemeinsame Tochter weder BAföG noch Berufsausbildungsbeihilfe erhält (was angesichts des Alters von 4 Jahren auch recht schwierig wäre), ist ein Anspruch auf Wohngeld vorhanden. 

Hat ein Auszubildender dem Grunde nach keinen Anspruch auf BAB, hat er Anspruch auf Wohngeld.

Wohngemeinschaften und Wgs
Setzen Sie nicht den landläufigen Begriff “WG” mit der “Wohngemeinschaft” gleich, der hier im Sinne des Wohngeldes benutzt wird. Wenn im Folgenden von “Wohngemeinschaft” die Rede ist, dann ist die Gemeinschaft im Sinne des Wohngeldes gemeint. Für die landläufige Wohngemeinschaft verwenden wir den Begriff “WG”.

Nun könnte man aus den Erläuterungen im vorigen Kapitel auf einen Wohngeldanspruch spekulieren, wenn man mit Leuten in einer WG zusammenwohnt, die kein BAB beziehen. Aber so einfach machen es einem die Gesetze nun auch nicht wieder.

Das Gesetz definiert den Begriff “Wohngemeinschaft” so:

[…] Wohnraum gemeinsam bewohnen und sich ganz oder teilweise gemeinsam mit dem täglichen Lebensbedarf versorgen. […]

Eine Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaft besteht also nicht schon bei jeder WG, in der jeder sein eigenes Zimmer hat und lediglich Küche und Bad gemeinsam genutzt werden. Damit setzt der Begriff “Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaft” zweierlei voraus: das Bestehen

  • einer Wohngemeinschaft und
  • einer Wirtschaftsgemeinschaft

Eine Wohngemeinschaft liegt dann vor, wenn die Wohnräume auch gemeinsam genutzt werden. Es genügt für eine solche Wohngemeinschaft also nicht, wenn die Personen einzelne Räume für sich alleine und ausschließlich Nebenräume wie Küche, Bad und Flur gemeinsam nutzen.

Bei der WG sieht es vielleicht etwas anders aus: nicht immer stehen alle Räume einer WG auch allen Mitbewohnern zur Verfügung. Es genügt aber für das Vorliegen einer Wohngemeinschaft, dass allen Mitbewohnern ein gemeinsamen Wohnzimmer bzw. ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung steht.

Nehmen wir mal an, Corinna, Sabine und Martina bewohnen eine 3-Zimmer-Wohnung. Jede von den Damen hat ein eigenes Zimmer und für alle drei stehen das Wohnzimmer, das Bad und die Küche zur Verfügung. Dies genügt für das Vorliegen einer Wohngemeinschaft.

Eine Wirtschaftsgemeinschaft wird immer und automatisch dann vermutet, wenn eine Wohngemeinschaft besteht. Diese gesetzliche Vermutung kann aber in jedem Einzelfall vom Betroffenen widerlegt werden. Auch hier ein Beispiel:

Immer noch wohnen zwei unserer Mädchen, nämlich Corinna und Martina zusammen in einer Wohnung (Sabine ist zu ihrem Freund gezogen). Corinna ist als Stewardess auf Langstreckenflüge tätig und somit kaum zu Hause, weil ständig unterwegs.

Faktisch führt also Martina einen eigenständigen Haushalt, ohne sich mit Corinna gemeinsam “aus einem Topf” zu versorgen. Deshalb kann Martina auch die Vermutung, dass eine Wohngemeinschaft gleichzeitig eine Wirtschaftsgemeinschaft sei, widerlegen.

Die genannte Regelung der Vermutung einer Wirtschaftsgemeinschaft gilt auch bei gemeinsamen Mietverhältnissen von Nicht-Familienmitgliedern und bei Untermietsverhältnissen. Bei einem Untermieter gibt es allerdings eine Ausnahme: wenn sich die Untervermietung (also der Vertrag) lediglich auf ein einzelnes Zimmer bezieht und der Hauptmieter außerdem die Wohnung selbst nutzt, wird keine Wirtschaftsgemeinschaft vermutet.

Allerdings gibt es bei Untermietern dafür eine andere Hürde: der Wohngeldantrag ist nämlich dann abzulehnen, wenn das Untermietsverhältnis “offenbar nur zu dem Zweck begründet wurde”, Wohngeld zu erhalten. Dann nämlich besteht ein fingiertes Untermietsverhältnis, das ein Missbrauch des Wohngeldes mit allen rechtlichen Konsequenzen wäre.

Nun könnte ein Geschwisterpaar dennoch sagen, dass sie nur eine WG und keine Wirtschaftsgemeinschaft haben. So würden sie u. U. jeder für sich (mehr) Wohngeld bekommen als zusammen. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes ist aber eine Wirtschaftsgemeinschaft immer dann anzunehmen,

[…] wenn sich die Bewohner im Interesse der Einsparung von Zeit und Geld zumindest teilweise gemeinsam mit Gütern des täglichen Lebensbedarfes versorgen und in diesem Sinne “aus einem Topf” wirtschaften. […]

Auch hier wieder ein Beispiel:

Arne und Sabine bewohnen zusammen eine 3-Raum-Wohnung. 2 dieser Zimmer sind jeweils separate Zimmer, dazu kommt noch das Wohnzimmer. Nun könnte man vom bisherigen ausgehen, dass es sich dabei nur um eine WG handelt, aber nicht um eine Wohn- und Wirtschafts-gemeinschaft. Allerdings wird der einzige Kühlschrank von beiden gefüllt und genutzt. Das allein reicht schon aus, um auch eine Wirtschaftsgemeinschaft zu unterstellen.

Bei Familienangehörigen wird die Regelvermutung einer Wirtschaftsgemeinschaft automatisch erhoben. Zwar könnte man jetzt besonders schlau sein und einfach ein Zimmer aus der Wohngemeinschaft an ein Familienmitglied untervermieten, damit dieses Familienmitglied nicht bei der Wohngeldberechnung mit berücksichtigt wird und allein Wohngeld beantragen kann. Aber das geht nicht, mit der (nicht widerlegbaren) Regelvermutung wird genau dies verhindert, um einen Missbrauch des Wohngeldes zu verhindern.

Die Untervermietung und Nicht-Familien-Angehörige
Wohnen mehrere Personen zusammen, die nicht Familienmitglieder oder Lebenspartner sind, kann Wohngeld nicht zusammen, sondern nur getrennt beantragt werden. Dabei wird nur das jeweils eigene Einkommen angerechnet und der anteilige Mietraum und –preis berücksichtigt. 

Auszubildende, die zur Untermiete wohnen, haben natürlich auch einen Anspruch auf Wohngeld, wenn sie dem Grunde nach keinen Anspruch auf BAB haben.

Allerdings gibt es hier einige Sachen zu beachten.

Bei einem Untermietsverhältnis wird das Wohnamt zuerst prüfen, ob hier eine “Missbräuchliche Inanspruchnahme” des Wohngeldes vorliegt. Ein solcher Missbrauch liegt nämlich dann vor, wenn das Untermietsverhältnis offenbar nur zu dem Zweck begründet wurde, um die Voraussetzungen für den Wohngeldanspruch zu schaffen oder einen bestehenden Anspruch zu erhöhen.

Weiterhin muss beachtet werden, dass bei einem Untermietsverhältnis immer auch gleichzeitig eine Wirtschaftsgemeinschaft vermutet wird. Diese so genannte “Regelvermutung” muss vom betroffenen Untermieter gegenüber dem Wohnamt widerlegt werden; dies gelingt ihm in der Regel nur dann, wenn er nachweisen kann, dass sich die Untervermietung lediglich auf ein einzelnes Zimmer bezieht und der Hauptmieter ansonsten die Wohnung selbst nutzt.

Das Einkommen

Es gibt beim Wohngeld verschiedene Arten von Einkommen, nämlich

  • Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit oder Land- und Forstwirtschaft
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  • Einkünfte aus Renten
  • Einmalige Einkommen
  • Einnahmen aus Kapitalvermögen und
  • Sonstige Einkünfte

Das Einkommen muss vom Arbeitgeber mit einer separat beim Wohnamt zu erhaltenden Einkommensbescheinigung bestätigt werden.

Bei dieser Einkommensart kann man Werbungskosten geltend machen. Prinzipiell werden automatisch 920,- € als Pauschale für die Werbungskosten berücksichtigt, das sind 76,67 € im Monat. Allerdings kann man auch höhere Werbungskosten geltend machen, die man z. B. durch den Bescheid des Finanzamtes nachweisen muss. Zu den akzeptierten Werbungskosten gehören

  • Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
  • Beiträge zu Berufsständen und sonstigen Berufsverbänden, deren Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel, also z. B. Werkzeuge und typische Berufsbekleidung
  • notwendige Mehraufwendungen, die Ihnen wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen

Einkünfte aus Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit oder Land- und Forstwirtschaft
Die Höhe der Einkünfte in diesem Bereich ergibt sich aus dem Gewinn. Das Einkommenssteuergesetz definiert den Begriff “Gewinn” so:

[…] der Unterschiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen am Schluss des Wirtschaftsjahres und dem Betriebsvermögen am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres, vermehrt um den Wert der Entnahmen und vermindert um den Wert der Einlagen. […]

Damit ergibt sich der Gewinn aus einer Bilanz. Für bestimmte selbstständige Tätigkeiten und gewerbliche Betriebe unter einer gewissen Größe muss keine Bilanz aufgestellt werden, hier genügt eine Einnahme-Überschuss-Rechnung. Der Gewinn ist dann der Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben:

Betriebseinnahmen
– Betriebsausgaben
_________________
= Gewinn

Als Nachweis über die Einkünfte muss der jeweils letzte Steuerbescheid bzw. die letzte Steuererklärung mit einem Beglaubigungsvermerk des Finanzamtes dem Wohngeldantrag beigelegt werden.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
Zu dieser Einkunftsart gehören

  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von unbeweglichem Vermögen, also besonders Grundstücken, Gebäuden oder Teilen davon, Schiffe, die in ein Schiffsregister eingetragen sind sowie Rechte, die den Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke unterliegen, zum Beispiel das Erbbaurecht
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von Sachinbegriffen, besonders von beweglichem Betriebsvermögen
  • Einkünfte aus zeitlich begrenzter Überlassung von Rechten, insbesondere von schriftstellerischen, künstlerischen und gewerblichen Urheberrechten
  • Einkünfte aus dem Verkauf von Miet- und Pachtzinsforderungen. Dies gilt auch dann, wenn die Einkünfte im Verkaufspreis von Grundstücken enthalten sind und die Pacht- oder Mietzinsen sich auf einen Zeitraum beziehen, in dem der Verkäufer noch Besitzer war

Bei dieser Einkommensart kann man Werbungskosten geltend machen. Zu den akzeptierten Werbungskosten gehören

  • Schuldzinsen, Renten und dauernde Lasten, soweit sie mit einer Einnahme im wirtschaftlichen Zusammenhang stehen
  • Steuern von Grundbesitz, sonstige öffentliche Abgaben und Versicherungsbeträge, soweit sie sich auf Gebäude oder auf Gegenstände beziehen, die dem Steuerpflichtigen zur Einnahmeerzielung dienen
  • Absetzungen für Abnutzung und Substanzverringerung und erhöhte Absetzungen.

Diese Einkunftsart wie auch eventuelle Werbungskosten müssen mit dem letzten Steuerbescheid oder andere zeitnahe Dokumente nachgewiesen werden!

Eine Untervermietung zählt wohngeldrechtlich NICHT zu diesen Einkünften!

Einkünfte aus Renten
Zu den Renten, die beim Wohngeld als Einkommen berücksichtigt werden gehören

  • Altersruhegeld
  • Witwen- und Waisenrente
  • Erwerbsunfähigkeitsrente
  • Versorgung- oder Entschädigungsrente und
  • Rentenleistungen aus privaten Versicherungen

Als Nachweis ist der letzte Rentenbescheid bzw. bei Pensionen oder Firmenrenten der jeweilige Bescheid dem Wohngeldantrag beizufügen!

Einmalige Einkommen
Das beinhaltet

  • Abfindungen
  • Vorauszahlungen
  • Gehaltsnachzahlungen
  • Rentennachzahlungen
  • Unterhaltsnachzahlungen und
  • Versicherungsleistungen zur Altersvorsorge

Sie müssen das einmalige Einkommen der letzten 3 Jahre beim Antrag auf Wohngeld angeben!

Als Nachweis ist der jeweilige Bescheid dem Wohngeldantrag beizufügen!

Einnahmen aus Kapitalvermögen
Unter “Kapitalvermögen” werden u.a.

  • Gewinnbeteiligungen
  • Zinsen aus Gutsparhaben
  • Sparerfreibetrag und
  • Dividenden

gewertet.

Geben Sie daher auf jeden Fall etwaige Einnahmen und Zinsen an. Das Wohnamt kann (und wird) diese Daten früher oder später abgleichen und falsche Angaben entsprechend ahnden!

Sonstige Einkünfte
Unter diesen Einkunftsarten fallen folgende Einnahmen:

  • Leistungen des Arbeitsamtes bzw. der Agentur für Arbeit, also z. B. Unterhaltsgeld
  • Kranken- und Krankentagegeld
  • Kindergeld
  • Unterhaltszahlungen
  • Unterhaltsvorschuss
  • Stipendien
  • Ausbildungsvergütungen
  • Ausbildungsbeihilfen
  • Gelegenheitsverdienste
  • Trinkgeld
  • Pflege- und Erziehungsgeld
  • Sachbezüge
  • Pflegegeld und
  • Übergangs- und Verletztengeld

Das Kindergeld muss zwar im Antrag auf Wohngeld angegeben werden, zählt jedoch bei der Berechnung nicht als Einkommen und wird also nicht angerechnet, sofern das Kindergeld direkt von der Kindergeldkasse an das Kind überwiesen wird. Wird das Kindergeld von den Eltern empfangen und an das auswärts wohnende Kind weiter geleitet, handelt es sich um normalen Unterhalt, der entsprechend angerechnet wird.

Das Mindesteinkommen
Das Wohngeld ist keine Hilfe zum Lebensunterhalt, sondern ausschließlich ein Zuschuss zur Miete. Daraus folgt, dass man den Lebensunterhalt selbst finanzieren muss, um in den Genuss von Wohngeld zu kommen.

Das notwendige Mindesteinkommen kann man sich allein nach der folgenden Faustformel ausrechnen:

Sozialhilferegelsatz   + Miete   + Nebenkosten = Mindesteinkommen

Der Regelsatz beläuft sich bei einem Alleinstehenden auf 364 € bei einem Paar auf jeweils 328 € pro Person. Zu den Nebenkosten gehören die Strom- und Heizungskosten, aber auch die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern diese allein bezahlt werden.

Der Unterhalt beim Wohngeld
Unterhalt seitens der Eltern wird als Einnahme gewertet und muss dementsprechend beim Wohngeld mit angegeben werden. Nun könnte man natürlich auf die Idee kommen, die Unterhaltszahlung als Darlehen zu deklarieren, damit diese Einnahme nicht bei der Wohngeldberechnung eine Rolle spielt:

Darlehen werden nämlich nicht als Einnahme gewertet. Aber: solche Darlehensverträge werden als nicht plausibel und somit als unglaubwürdig gewertet.

Das Vermögen
Entgegengesetzt zur landläufigen Meinung hat das Vermögen und dessen Höhe im Normalfall keine Bedeutung für einen Wohngeldanspruch. Theoretisch (und auch praktisch) kann jemand, der 50.000 € besitzt, dennoch Wohngeld beanspruchen und auch erhalten. Allerdings sind Einnahmen aus dem Vermögen, also z. B. die Zinsen, auf das Wohngeld anzurechnen.

Diese Zinsen werden oftmals nicht im Antrag mit angegeben, was aber grundfalsch ist: das Wohnamt gleicht die Angaben mit anderen Behörden und Ämtern, darunter auch das Bundesamt für Finanzen, ab.

Wird dabei festgestellt, dass jemand seine Einkünfte aus dem Vermögen nicht angegeben hat, kommt unweigerlich eine Rückforderung von Leistungen, die Leistungsverweigerung, ein Bußgeldverfahren und – in manchen Bundesländern automatisch und schon bei geringen Summen – ein Strafverfahren wegen Betrug auf diese Person zu. Hier sollte man also unbedingt ehrlich sein und nichts verschweigen.

Nach dem vorher Gesagten könnten nun ja auch Millionäre einen Anspruch auf Wohngeld haben. Dies ist jedoch auch nicht richtig. Im entsprechenden Wohngeldgesetz heißt es, dass eine mißbräuchliche  Inanspruchnahme des Wohngeldes versagt wird.

Dieser Passus findet in Sachen Vermögen dann Anwendung, wenn ein beträchtliches Vermögen vorhanden ist. Die Höhe des zulässigen Vermögens ist erstmals seit 01.01.2009 auch geregelt. Danach gelten folgende Höchstgrenzen:

  • 60 000 Euro für das erste zu berücksichtigende Haushaltsmitglied und
  • 30 000 Euro für jedes weitere zu berücksichtigende Haushaltsmitglied.

Zum Vermögen zählen

  • Geld- und Geldeswerte (also z. B. Bargeld und Schecks),
  • bewegliche Sachen (wie z. B. Schmuckstücke, Gemälde und Möbel),
  • unbewegliche Sachen (z. B. bebaute und unbebaute Grundstücke),
  • auf Geld gerichtete Forderungen (z. B. Ansprüche auf Darlehensrückrückzahlungen)
  • sonstige Rechte, z. B. Rechte aus Wechseln, Aktien und anderen Gesellschaftsanteilen, Rechte aus Wohnungseigentum, Rechte aus Grundschulden, Nießbrauch, Dienstbarkeiten, Altenteil, auch Urheberrechte, soweit es sich bei der Nutzung um ein in Geld schätzbares Gut handelt.

Nicht zum Vermögen gehören:

  • das Eigentum (und auch Erbbaurecht, eigentumsähnliche Dauerwohnrecht und Nießbrauch) an den selbstgenutzten Wohnraum, für den Wohngeld beantragt wird
  • der Anspruch auf Übertragung einer Eigentumswohnung oder eines Eigenheimes
  • Mittel, die  zum Aufbau oder zur Sicherung einer Lebensgrundlage oder zur Gründung eines Hausstandes erbracht werden
  • die Altersvorsorge in Höhe des nach Bundesrecht ausdrücklich als Altersvorsorge geförderten Vermögens einschließlich seiner Erträge und der
    geförderten laufenden Altersvorsorgebeiträge, soweit der Inhaber oder die Inhaberin das Altersvorsorgevermögen nicht vorzeitig verwendet
  • geldwerte Ansprüche, die der Altersvorsorge dienen, soweit der Inhaber oder die Inhaberin sie vor dem Eintritt in den Ruhestand aufgrund einer
    vertraglichen Vereinbarung nicht verwerten kann und der Wert der geldwerten Ansprüche 500 Euro je vollendetem Lebensjahr der erwerbsfähigen zu berücksichtigenden Haushaltsangehörigen, höchstens jedoch jeweils 30 000 Euro, nicht übersteigt
  • angemessener Hausrat ,
  • ein angemessenes Kraftfahrzeug für jedes volljährige zu berücksichtigende Haushaltsmitglied
  • Gegenstände, die
    1. für die Berufsausbildung oder Erwerbstätigkeit unentbehrlich sind oder
    2. der Befriedigung geistiger, insbesondere wissenschaftlicher oder künstlerischer Bedürfnisse dienen und deren Besitz nicht Luxux ist.

Der Antrag auf Wohngeld
Es gibt kein bundeseinheitliches Formular für den Wohngeldantrag; vielmehr kann jede Kommune und jeder Landkreis selbst ein entsprechendes Formular festlegen. Die meisten Bundesländer bieten inzwischen jedoch ein zentrales Antragsformular an, welches für alle Kommunen gilt.

Die Online-Version des Wohngeldantrags kann man kostenlos im Internet  herunterladen, wo man auch nachsehen kann, ob die eigene Kommune aus den anderen Bundesländern ein Online-Formular anbietet.

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Arne Haase