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Beim Abfassen einer Patientenverfügung sind diese 4 Punkte ausschlaggebend

Beim Abfassen einer Patientenverfügung sind diese 4 Punkte ausschlaggebend
geschrieben von Burkhard Strack

Die Patientenverfügung ist eine vorsorgliche Erklärung für den Fall, dass Sie sich selbst nicht mehr artikulieren können. Darin legen Sie eigenverantwortlich fest, ob und wie Sie im Falle einer lebensbedrohlichen Krankheitssituation medizinisch behandelt oder nicht behandelt werden möchten. Seit dem 1. September 2009 ist sie in den §§ 1901a ff. BGB gesetzlich normiert. Auf welche Punkte Sie achten sollten, erfahren Sie hier.

Mit einer Verfügung können Sie die Pflicht eines Arztes aufheben, Leben zu retten und zu erhalten.

  1. Voraussetzungen für die Wirksamkeit
  2. Die Inhalte
  3. Die Bindewirkung
  4. Tipps für die Praxis

1. Voraussetzungen für die Wirksamkeit der Patientenverfügung

Grundsätzlich muss sie schriftlich formuliert werden. Sie als Ersteller müssen volljährig und im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte sein. Die Verfügung endet mit dem Ort, dem Datum und Ihrer eigenhändigen Unterschrift. Sofern Sie die Verfügung ergänzen, Inhalte streichen oder hinzufügen, müssen diese ebenfalls mit Ort, Datum und Ihrer Unterschrift dokumentiert werden.

2. Die Inhalte Ihrer persönlichen Verfügung

Inhalt Ihrer Verfügung ist eine genaue und detaillierte Aufzählung Ihrer spezifischen Behandlungs- und Pflegewünsche oder deren Verzicht. Pauschale Formulierungen sind nicht spezifisch genug, sodass Sie keine Berücksichtigung finden können.

Mögliche Inhalte können Antworten auf diese Fragen sein:

  • Unter welchen Voraussetzungen soll eine Schmerztherapie durchgeführt werden?
  • In welchen Situationen möchten Sie reanimiert werden?
  • Welche Formen einer möglichen Intensivtherapie wünschen und erlauben Sie?
  • Wann wünschen Sie eine künstliche Ernährung und wann nicht?
  • Wie soll eine mögliche Sterbebegleitung aussehen?
  • Welche Behandlung wünschen Sie als Wachkomapatient?

Das ist lediglich eine Auswahl der Fragen, auf die Sie in Ihrer Patientenverfügung Antworten geben können und sollten.

3. Die Bindungswirkung der Patientenverfügung

Um eine hohe Bindungswirkung Ihrer Verfügung zu erzielen, sollte sie diese Voraussetzungen erfüllen:

  1. Ihr Wille bezüglich der erlaubten oder nicht erlaubten ärztlichen Maßnahmen sollte eindeutig und sicher nachvollzogen werden können.
  2. Aus Ihrer Verfügung sollte eindeutig hervorgehen, dass Sie im Zeitpunkt der Niederschrift im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte und einwilligungsfähig waren.
  3. Die Aktualität Ihrer Patientenverfügung sollte durch Ihre Unterschrift und die des Arztes, der Ihre Einwilligungsfähigkeit bezeugt, dokumentiert werden und nicht älter als zwei Jahre sein.

Das bedeutet, dass die Bindungswirkung Ihrer Verfügung nur dann gesichert ist, wenn Sie die gewünschten ärztlichen Maßnahmen in der Verfügung eindeutig bezeichnen.

4. Tipps für die Praxis

Diese Tipps unterstützen Sie beim Abfassen Ihrer Patientenverfügung:

  • Sie haben die Möglichkeit, eine einmal verfasste Verfügung jederzeit zu widerrufen, zu ergänzen, zu ändern oder Inhalte zu streichen.
  • Die Handschriftlichkeit ist nicht erforderlich. Entscheidend sind eine gute Lesbarkeit sowie Ihre persönliche Unterschrift.
  • Sofern Sie einen Vordruck verwenden, sollten Sie diesen auf Ihre individuelle Situation abwandeln.
  • Es ist empfehlenswert, dass Sie die Inhalte Ihrer Verfügung regelmäßig überprüfen, überdenken und gegebenenfalls Änderungen vornehmen.
  • Um einer juristischen Anfechtung Ihrer Patientenverfügung vorzubeugen, ist es empfehlenswert, dass Sie Ihre Einwilligungsfähigkeit im Zeitpunkt des Abfassens der Verfügung und auch bei Änderungen regelmäßig von Ihrem Arzt bestätigen lassen.
  • Ihre Verfügung ist nur im Original gültig und sollte im Bedarfsfall schnell auffindbar sein. Deshalb ist es sinnvoll, dass Sie Ihre Patientenverfügung mehreren Vertrauenspersonen anvertrauen. Dazu gehört Ihr behandelnder Arzt. Möglich ist auch eine Aushändigung an Ihre Bank, an das Betreuungsgericht oder an einen Rechtsanwalt oder Notar Ihres Vertrauens.
  • Als in der Praxis sehr sinnvoll hat sich ein Hinweis im Geldbeutel erwiesen, auf dem Sie vermerken, dass es eine persönliche Verfügung gibt und wo sie zu finden ist.

Zum Schluss ist anzumerken, dass eine Patientenverfügung keine Frage des Alters ist, sondern ein Muss für Menschen jeden Alters ist.

Über Ihren Experten

Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied), Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.

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