Vorsicht bei Facebook – der Banker liest mit

Vorsicht bei Facebook – der Banker liest mit

„Auf Facebook sein“ ist für immer mehr Verbraucher eine Selbstverständlichkeit. Ohne größere Bedenken geben sie dort private Informationen preis. Nur die Wenigsten ahnen, dass mittlerweile Finanzverkäufer gezielt Facebook-Konten abschöpfen, um mehr Verträge verkaufen zu können. Lesen Sie hier, wie Sie sich davor schützen.

Die Grundidee von sozialen Netzwerken war der Austausch von Nachrichten, Fotos und Videos unter Freunden aus Schule, Studium und Job. Jeder Facebook-Nutzer hat in der virtuellen Welt im Durchschnitt 130 "Freunde" – zwischen echten Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen wird dabei aber häufig nicht mehr differenziert. Nutznießer der sozialen Netzwerke wie Facebook ist dadurch auch die Finanzbranche, die unzählige persönliche Informationen zu Kunden erhält und geschickt bei Verkaufsgesprächen einsetzt.

Was ein Foto auf Facebook bereits verrät

Nun fragen Sie sich, was ein Banker oder Versicherungsvertreter zum Beispiel mit Ihren Fotos anfangen kann? Sehr viel! Hierfür ein kleines Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind zum Gespräch zum Thema Girokonto mit dem neuen Finanzberater verabredet. Bislang hat die Bank nur wenige persönliche Informationen über Sie, da Sie für gewöhnlich nicht in die Bank kommen und alles online abwickeln. Vor dem Gespräch schaut der Bankmitarbeiter nun bei Facebook nach und findet zufällig ein Foto von Ihrem letzten Weihnachtsfest mit Familienmitgliedern.

Aus scheinbar unbedeutenden Fotos erlangt der Banker Informationen

Die Szene wirkt im ersten Augenblick unbedeutend. Jedoch kann der Banker hieraus wesentliche Informationen für das spätere Gespräch erlangen: Durch das Foto hat der Berater ein Bild von Ihnen und damit einen ersten Eindruck. Das erleichtert ihm den Gesprächseinstieg, da er Sie bereits beim Betreten der Filiale erkennt und freundlich begrüßen kann.

Darüber hinaus sind vielleicht auf dem Foto die Kinder zu sehen, wodurch er im späteren Gespräch auf sämtliche staatliche Förderungen für Kinder eingehen kann – natürlich mit dem Ziel, dazu langfristige Verträge wie Riester-Renten zu verkaufen.

Das Fußball-Trikot als Gesprächseinstieg

Anhand von Geschenken, wie z. B. einem Fußballtrikot, kann der Finanzberater zudem Vorlieben des Kunden erkennen und diese in das Gespräch einbeziehen. Die Gefahr: Wenn der Banker oder Versicherungsvertreter über zu viele persönliche Informationen verfügt, ist die Gesprächsbasis schnell nicht mehr rational, sondern emotional. Auf emotionaler Ebene hat der Banker das Vertrauen des Kunden und kann einfacher verkaufen.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie Informationen in sozialen Netzwerken ausgenutzt werden können. Aus diesem Grund sollten Sie Inhalte über das Web nur mit Bedacht verteilen. Um die persönlichen Daten zu schützen, bieten die sozialen Netzwerke zahlreiche Möglichkeiten. So lässt sich einstellen, dass etwa Fotos nur bestimmte Freunde sehen können – und nicht jeder Nutzer.

Und "Freundschaftsanfragen" vom Bankmitarbeiter oder Versicherungsvertreter sollten Sie sehr sorgfältig abwägen, bevor Sie auf Zustimmung klicken. Denn in erster Linie dürfte es hier nicht um Freundschaft gehen, sondern um Verkaufsinteressen.

(Mitarbeit: Alexander Zureck)

Veröffentlicht am 3. Mai 2012
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