Die Testamentsauslegung im Erbrecht

Die Auslegung eines Testaments gehört zu den schwierigsten Fragen im Erbrecht. Unklare und mißverständliche Formulierungen sind gerade bei von Laien formulierten Testamenten häufig zu finden. Der nachfolgende Artikel zeigt, was zu beachten ist und wie man dem Erblasserwillen auf die Spur kommt.

Warum überhaupt ein Testament ? Wer kein Testament macht, kann auch keine Fehler machen.

Ohne Testament greift aber zwingend die gesetzliche Erbfolge ein. Diese entspricht sehr häufig nicht dem Willen des Erblassers. Daher muss er seine Vorstellungen in einem Testament regeln. Aber sehr oft werden Testamente unklar oder missverständlich formuliert. Dies ist insbesondere der Fall, wenn Testamente eigenständig ohne sachkundige Beratung erstellt werden. Schwierigkeiten können sich auch ergeben, weil sich die Verhältnisse seit Erstellung des Testaments verändert haben. Oft sind Testamente im Todesfall bereits Jahrzehnte alt.

Testamentsauslegung im Erbrecht
Ergeben sich im Erbfall dann Zweifelsfragen kommt die Testamentsauslegung ins Spiel, eine der schwierigsten Fragen im Erbrecht. Vorrangiges Ziel der Auslegung ist das Herausfinden des tatsächlichen Willens des Erblassers.

Auf Grund der Formbedürftigkeit des Testaments kann aber nun nicht eine völlig freie Auslegung erfolgen. Es kann nicht aus "Schwarz" durch Auslegung "Weiß" gemacht werden. Nach der von der Rechtsprechung entwickelten Andeutungstheorie muss der eigentliche Wille des Erblassers zumindest andeutungsweise im Testament enthalten sein.

Finden sich solche greifbaren Andeutungen, sind auch Umstände heranzuziehen, die außerhalb des Testaments liegen, z. B. Briefe, Aussagen von Verwandten und Freunden, aber auch allgemeine Lebensgrundsätze.

Bürgerliches Gesetzbuch hilft bei Fragen zum Erbrecht
Hilft dies nicht weiter, kann ggf. auf die zahlreichen Auslegungsregeln zurückgegriffen werden, die im Gesetz stehen. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält zahlreiche gesetzliche Auslegungsregelungen, z. B. in den §§ 2087 – 2009 BGB.

Die Grundsätze der Testamentsauslegung sind nicht nur beim Einzeltestament anzuwenden, sondern auch beim Ehegattentestament und beim Erbvertrag. Hier ist dann bei der Auslegung aber auch auf den Willen des Ehegatten bzw. des Vertragspartners abzustellen.

Um Unklarheiten im Testament erst gar nicht entstehen zu lassen, sollte vor jeder Testamentserstellung sachkundiger Rat eingeholt werden. Dies erfolgt am besten durch einen im Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Außerdem sollte das Testament regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob die Regelungen noch aktuell sind. Zumindest alle fünf Jahre sollte eine solche Überprüfung vorgenommen werden. Daneben ist sie notwendig, wenn sich wesentliche Dinge ändern, z. B. durch Heirat, Geburt von Kindern oder Erwerb wertvoller Vermögensgegenstände.

Veröffentlicht am 16. Oktober 2012
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