Lohnt sich VoIP als Ersatz zum herkömmlichen Telefon?

Lohnt sich VoIP als Ersatz zum herkömmlichen Telefon?

Dank Skype, Google Talk und Apples iChat hat sich das Telefonieren über Internetverbindungen weltweit etabliert und kaum ein Internetnutzer kennt diese kostenlosen Chat- und Telefondienste nicht. Sie alle sind Beispiele für VoIP, doch VoIP umfasst noch vieles mehr.

Viele Haushalte nutzen VoIP und herkömmliche Telefondienste parallel. Ob es sich lohnt, auf das normale Telefon zu verzichten und stattdessen nur noch VoIP zu nutzen, lässt sich erst dann entscheiden, wenn man sich hinreichend mit VoIP auskennt und weiß, wie diese Systeme funktionieren, welche Vor- und Nachteile sie aufweisen.

Voice over IP (VoIP) ist kurz gefasst jede Form des Telefonierens über das Internet anstatt über herkömmliche Telefonverbindungen. Wichtigste Voraussetzung zum Einsatz dieser Technik ist das Bestehen einer Breitband-Internetverbindung.

Neben den oben genannten Chat-Netzwerken kann es auch noch über weitere Hard- und Softwarelösungen realisiert werden: Es gibt spezielle Telefonsoftware für den Einsatz am PC, Notebook und Smartphone, aber auch Telefone, welche ohne Anschluss über einen Computer auskommen, sich stattdessen autonom in das Netzwerk einwählen. Alternativ dazu können alte Telefone, die den SIP-Standard nicht unterstützen, mit einem speziellen Adapter oder VoIP-fähigen Router für die Internettelefonie fit gemacht werden.

Ebenso ist es möglich, sich an diesem Telefon aus dem normalen Telefonnetz über eine eigene Nummer anrufen zu lassen. Hierzu benötigt man einen speziellen Anbieter, welcher diese Nummer zur Verfügung stellt. Prinzipiell ist es also möglich, alle Telefonate auf VoIP umzustellen. In Erfahrung bringen müssen Sie lediglich den für Sie nötigen Kostenaufwand entsprechend zu Ihrem Ausstattungsbedarf und die aktuellen Marktpreise und Konditionen der diversen Anbieter.

Zum technischen Hintergrund von VoIP-Telefonie

Ausgangspunkt einer jeden VoIP-Anlage ist die Umwandlung analoger Tonsignale in digitale Signale, wobei die Sprache in geeignete Audioformate über sogenannte Codecs umgeformt wird. Bei dieser Komprimierung entsteht ein Verlust an ursprünglicher Tonqualität, der je nach Standard verschieden stark ausgeprägt sein kann.

Im Allgemeinen sind die heute im kommerziellen Einsatz befindlichen Telefonsysteme jedoch von ausreichender Qualität und können durchaus mit den alten Telefonen mithalten. Möglich sind jedoch Verzögerungen in der Übermittlung der Datenpakete.

Denn die IP-Lösung unterscheidet sich grundsätzlich von der Übertragung analoger Tonsignale. Eine über IP realisierte Verbindung ist keine einmalig geschaltete freie Leitung, sondern die Datenübertragung geschieht in Paketen, welche zunächst getrennt versendet und am Ende beim Empfänger wieder zusammengesetzt werden.

Voraussetzungen zur Nutzung

Gemeinsame Voraussetzung zur Verwendung aller Voice-over-IP-Lösungen ist ein Breitband-Internetanschluss von mindestens 128 kBit/s (16 kB/s) Upload- beziehungsweise Sendegeschwindigkeit. Wird diese Grenze unterschritten, kommt es leicht zu Verbindungsabbrüchen und Störungen der Tonqualität.

Für die gelegentliche Verwendung von VoIP oder zum erstmaligen Testen empfiehlt sich einer der zahlreichen Chat- beziehungsweise Instant-Messaging-Anbieter. Neben kostenfreien netzinternen Gesprächen können Sie hier zumeist recht kostengünstig auch Festnetz- und internationale Anrufe tätigen.

Allerdings ist die Gesprächsqualität vieler dieser Lösungen noch mangelhaft im Vergleich zur gewohnten Telefonqualität. Die nötige Software zum Einsatz auf Ihrem PC, Notebook oder Smartphone erhalten Sie über den jeweiligen Dienstanbieter. Zum Telefonieren benötigen Sie noch ein Mikrofon und Lautsprecher oder ein Headset.

Die bekanntesten Instant-Messager sind Skype, Google Talk, Gaim, Miranda, ICQ, Trillian und der Yahoo Messenger.

Zur dauerhaften Verwendung bietet sich ein VoIP-Router an, welcher direkt mit einem IP-Telefon verbunden wird. Hierbei können Sie telefonieren ohne Rückgriff auf einen Computer. Sie benötigen keine spezielle Software, müssen aber das Telefon eventuell konfigurieren, falls Ihr VoIP-Anbieter nicht in den Voreinstellungen gelistet ist oder das Telefon sich nicht über das Internet selbst entsprechend einrichten kann.

Eigenständige Voice-over-IP-Telefonie setzt also neben dem Internetanschluss drei Komponenten voraus: einen VoIP-Tarif, einen VoIP-Router und ein VoIP-Telefon. Leicht hat es derjenige, welcher gerade kurz davor steht, seinen Internetanschluss zu buchen, denn viele Provider bieten hierzu Komplettpakete an.

Anbieter und Preise

IP-Telefone können sowohl andere IP-Telefone erreichen, als auch Festnetznummern, nur ist hierbei meist der Preis pro Verbindungseinheit verschieden. Viele Serviceanbieter versuchen, Kunden mit dem Versprechen kostenloser Telefonate zur Nutzung ihrer Dienste zu verleiten.

Kostenlos ist VoIP zum einen prinzipiell nicht, da jeder Internetnutzer für seinen Anschluss bezahlen muss. Zum anderen ist keiner dieser VoIP-Dienste auf Dauer, ohne Einschränkungen hinsichtlich der Adressaten und in ausreichend guter Qualität ohne eine finanzielle Gegenleistung nutzbar.

Zumeist sind die einzigen wirklich kostenfreien Telefonate auf das jeweilige Netzwerk des Anbieters begrenzt. Andererseits können die Tarife von VoIP-Anbietern weit unter denen herkömmlicher Telefonanbieter liegen.

Für viele Internetnutzer ist der nächste Schritt unnötig, denn sie besitzen bereits einen VoIP-Router, möglicherweise ohne es zu wissen. So ist beispielsweise die beliebte FRITZ!Box zur VoIP-Telefonie fähig – ebenso die beiden weit verbreiteten Speedport-Modelle W722V und W502V.

Zwischen den beiden genannten Lösungen zum VoIP-Einsatz besteht noch die Möglichkeit, ein Dualphone zu verwenden. Die gegenwärtigen Angebote sind zwar nicht allzu zahlreich, doch erlauben Dualphones direkte Verbindungen in beide Netze, sie können sich also in das herkömmliche Telefonnetz ebenso einwählen wie in das Internet – wahlweise durch einen simplen Knopfdruck.

VoIP-Telefonsysteme können – und dieses Kriterium sollten Sie bei der Auswahl eines geeigneten Telefontarifs beachten – über eine normale Ortsrufnummer angerufen werden. Möglich ist ebenfalls eine Portierung der eigenen Festnetznummer auf den neuen Anbieter, sodass sich für Ihre bestehenden Kontakte nichts ändern muss.

Vor- und Nachteile

Die VoIP-Technik bietet einige Vorteile: Telefonate können netzintern kostenlos geführt werden, Anrufe ins nationale Festnetz sind zudem preiswerter als bei den meisten herkömmlichen Anbietern. Nutzen Sie ein mobiles Endgerät mit Internetverbindung, können Sie Gespräche zum selben Preis auch weltweit führen. Außerdem ermöglicht VoIP die Verschlüsselung Ihrer Telefonate.

Dem gegenüber stehen die Nachteile der Anschaffungskosten für die benötigte Hardware und der individuelle Aufwand bei der Wahl des Anbieters sowie zur Einrichtung des Systems.

Veröffentlicht am 29. April 2013