Steuern sparen: Niedrigsteuerländer werden für Senioren attraktiv

Fließt die Zinssteuer nicht pünktlich, guckt Hans Eichel erneut in die Röhre. Auch der Europäische Gerichtshof trägt nicht zu Eichels Erheiterung bei: Der Wegzug von Privaten in andere EU-Länder darf nicht besteuert werden. Wertsteigerungen von Unternehmensbeteiligungen bleiben steuerfrei.

Erste Leser ziehen daraus die Konsequenzen. Umzugsvorbereitungen laufen. Favorit ist Österreich. Vor allem, wenn es darum geht, bei größeren Privatvermögen an der Erbschaftsteuer zu sparen. Denn: In Österreich ist mit der Kapitalertragsteuer von 25 % gleichzeitig die Erbschaftsteuer abgegolten. Das gilt für alle Vermögensbestandteile, die in Österreich angelegt werden.

Ein weiterer Vorteil der Alpenrepublik: Ein Nebenwohnsitz in Deutschland ist steuerlich unschädlich. Ebenso, wenn die Erben in Deutschland wohnen bleiben. Diese steuerliche Möglichkeit ist einzigartig. Sie ergibt sich aus den Besonderheiten des deutsch-österreichischen Doppelbesteuerungsabkommens.

Auch die Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Staaten bereiten in Berlin zunehmend Sorgen. Alle diese Verträge enthalten die Klausel, dass bei Rentnern der Wohnsitz über die Besteuerung entscheidet. Die kommende stärkere Besteuerung der Alterseinkommen würde bei Umzügen folglich ins Leere laufen.

Für Rentner mit hohen Alterseinkünften wird es steuerlich noch reizvoller, Deutschland zu verlassen. Nicht auszuschließen ist, dass demnächst auch Firmensitzverlagerungen ins Ausland erleichtert werden. Auch diese Frage dürfte den EuGH schon bald beschäftigen. Für Privatpersonen aber gilt schon jetzt: Da das EU-Recht Diskriminierungen verbietet, können Sie sich auf den EuGH berufen (Az. C-9/02).

Erhard Liemen, Chefredakteur "Der Deutsche Wirtschaftsbrief"

Veröffentlicht am 5. April 2004
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