Kaufe jetzt, zahle später!

Kaufe jetzt, zahle später!

Handel und Versandhäuser machen es möglich – den neuen Fernseher oder neue Klamotten heute kaufen und später zahlen?! Wie Sie durch verführerische Zahlpausen leicht in die Schuldenfalle geraten und was Sie dagegen tun können.

"Kaufe jetzt, genieße, was immer sich an Annehmlichkeiten bietet, und zahl später, bis in alle Ewigkeit." Nein, dies ist keine Werbung für eine Zahlpause, sondern ein Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes "Faust", erschienen im Jahr 1808, zu einer Zeit, als es weder Versandhäuser noch Mediamärkte gab. Ein teuflisches Geschäftsmodell, dieses Zitat, und nicht erst seit Goethe lassen sich Menschen darauf ein. Den Teufel im Nacken kaufen und konsumieren sie: Kredit um Kredit, Zahlpause um Zahlpause.

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Nicht nur zur Weihnachtszeit eine Strategie des Einzel- und Versandhandels

Nicht nur in den Wochen vor Weihnachten werben viele Händler, allen voran Versandhäuser, mit dem Slogan "Kaufe jetzt, zahle später!" und bieten Zahlpausen von vier Wochen bis zu sechs Monaten an. Ein verlockendes Angebot für Käufer, die knapp bei Kasse sind und nicht nur in der Vorweihnachtszeit händeringend nach solchen Angeboten suchen – dabei aber ganz übersehen, dass für Zahlpausen teils hohe Zinsen veranschlagt werden.

Im Gegenteil, viele Käufer sind für solche Angebote dankbar, denn trotz eines finanziellen Engpasses können sie sich nun doch den neuen Fernseher, das ultimative Handy, das neue Sofa oder teure Weihnachtsgeschenke für die Familie kaufen und fragen sich nicht, ob eine Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt überhaupt möglich ist.

Die Freude über die neue Anschaffung verdrängt jeglichen Gedanken an eventuelle spätere Zahlungsschwierigkeiten, denn zu verlockend ist die Tatsache, dass der volle Kaufpreis erst zu einem viel späteren Zeitpunkt bezahlt werden muss. Bonität vorausgesetzt, versteht sich. Denn wer eine negative Schufa hat, dem wird in der Regel keine Zahlpause gewährt.

Wenn aus "kaufe jetzt, zahle später" "zahle nie" wird

Eine Zahlpause mag sinnvoll erscheinen, wenn Sie zum Zeitpunkt des Kaufs nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, aber denken, dass Sie diese nach Ablauf der Zahlpause haben oder dass es Ihnen möglich ist, diese innerhalb der Zahlpause zusammenzusparen, sodass Sie den Betrag problemlos bei Fälligkeit begleichen können.

Kalkulieren Sie dabei jedoch mögliche Eventualitäten ein: Während der Zahlpause könnte unvorhergesehen die Waschmaschine oder das Auto kaputt gehen, die Nebenkosten- beziehungsweise Strom- und Heizkostenjahresabrechnung höher als erwartet ausfallen oder, wenn es ganz schlimm kommt, könnte Sie gar die Arbeitslosigkeit treffen.

Wenn Sie Zahlpausen gleich bei mehreren Händlern oder Versandhäusern oder zu häufig in Anspruch nehmen, kann es Ihnen schnell passieren, dass Sie in die Schuldenfalle abrutschen, vor allem dann, wenn zu immer neuen Zeitpunkten bestimmte Zahlungen fällig werden, die einfach nicht mehr überschaubar sind – und aus dem "kaufe jetzt, zahle später" plötzlich ein "kaufe jetzt, zahle nie!" wird.

Spätestens dann sollte die Schuldenberatung in Anspruch genommen werden.

Veröffentlicht am 30. September 2014