So richten Sie sich ein Heim-Fotostudio ein

Ein Fotostudio selbst einzurichten ist nicht allzu schwer

Welcher Hobby-Fotograf träumt nicht davon, in den eigenen vier Wänden eine kleine Ecke einzurichten, in der er sich völlig seinem Hobby hingeben kann? Gerade bei Regenwetter ist dies eine ideale Ausweichlösung, um doch noch etwas vor die Linse zu bekommen. In diesem Expertenbeitrag lesen Sie, mit welchen einfachen Tricks Sie kostengünstig ein eigenes Fotostudio einrichten können.

Eigenes Fotostudio einrichten? Mit diesen Tipps ganz einfach:

1. Welcher Raum eignet sich zum Fotografieren?

Überlegen Sie in Ruhe, welche Ecke Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses sich am besten für ein Fotostudio eignet. Idealerweise lässt sich der Lichteinfall in der Ecke von Ihnen manuell beeinflussen wie etwas durch eine Jalousie. Sie sollten die volle Deckenhöhe ausnutzen können und in der Breite mindestens 2-3 Meter und in der Tiefe etwa 4 Meter Platz für die Hohlkehle und Lampen einrechnen.

Besonders wichtig ist, dass Sie beim Einrichten Ihres Fotostudios darauf achten, den Abstand von Hintergrund und Modell möglichst groß zu halten, damit Sie die beiden Ebenen je nach Bedarf unterschiedlich ausleuchten können.

2. Welche Steckdosenleistung brauche ich?

Um beim Einrichten Ihres Fotostudios keinen Schock zu erleben, sollten Sie unbedingt prüfen, ob Ihre Steckdosen die volle Energie leisten können, die Sie für die Studiolampen benötigen. So sollten sie nach aktuellem Standard, möglichst mit 16 Ampere, abgesichert sein. Eine solche Steckdose erlaubt eine Leistung von maximal 3.600 Watt – Allerdings sollten Sie einen solchen Energiefresser nicht im Dauerbetrieb nutzen, um Schäden in der Elektrik zu vermeiden und Ihre Stromkosten gering zu halten.

Informieren Sie sich vor dem Kauf Ihrer Studiolampe unbedingt über ihren Energieverbrauch! Auch sollten Sie sich erkundigen, ob beispielsweise eine Blitzanlage in einen langsamen Lademodus geschaltet werden kann, der beispielsweise so nur 10 Ampere zur Absicherung der Steckdose benötigt.

Wenn Sie Dauerlicht einsetzen möchten, sollten Sie auf Niedervolt-, HMI- oder LED-Systeme zurückgreifen. Derartige Systeme bieten größere Helligkeit pro Watt und auch die Wärmeentwicklung hält sich gering. Beachten Sie unbedingt beim Einsatz von Hochleistungslampen, dass Sie einen Feuerlöscher parat haben und auch nur feuerfeste Gegenstände in der Nähe der Lampen aufbewahren. Als Hintergrundstoff eignet sich feuergehemmter Molton.

3. Welche Wand- und Deckenfarbe eignet sich zum Einrichten meines Fotostudios?

Verzichten Sie unbedingt auf farbige Wandanstriche. Nur die Farben Weiß, Schwarz oder ein neutrales Grau sind für Ihr Fotostudio geeignet.

Die Farbe Weiß

Möchten Sie das Tageslicht zum Fotografieren nutzen, so ist Weiß die ideale Wand- und Deckenfarbe, da sie relativ hell ist und somit kein Licht verschluckt – dies ist das sogenannte Streulicht. Beachten Sie jedoch, dass so immer die maximale Helligkeit von den Wänden reflektiert wird.

Das neutrale Grau

Das neutrale Grau (also weder zu dunkel noch zu hell) ist ein Kompromiss zwischen Schwarz und Weiß. Durch unterschiedliche Beleuchtungsintensität können Sie mit der Helligkeit dieser Wände herumexperimentieren.

Die Farbe Schwarz

Der Vorteil von einer schwarzen Wand- und Deckengestaltung ist, dass das Licht nicht unkontrolliert reflektiert werden kann. Zudem ergeben sich keine unerwünschten Reflexionen, die etwa in der Still-Life-Fotografie von Nachteil wären. Sie müssen aber nicht direkt die Wände streichen, um ein dunkles Studio zu erhalten. Sie können alternativ auch schwarzen Bühnenmolton (das ist ein spezieller, blickdichter Stoff) über die Fenster hängen, sodass kein Licht hinein dringt.

4. Welches Hintergrundsystem eignet sich für mein Fotostudio?

Es stehen Ihnen unterschiedliche Hintergrundsysteme zur Verfügung, die unterschiedlich eingesetzt werden können. Möchten Sie ein dauerhaftes Fotostudio einrichten, so können Sie eine Hohlkehle verwenden.

So bauen Sie eine Hohlkehle

Dazu benötigen Sie eine Gardinenstange, die Sie zwischen zwei Wänden oder an der Wand hinter dem Motiv befestigen. Des Weiteren besorgen Sie weißen Molton mit etwa 300g/m², den Sie an der Gardinenstange befestigen. Verwenden Sie hierzu jedoch keine Ringe oder Ähnliches, sondern legen Sie den Stoff in einer großen länglichen Schlaufe um die gesamte Länge der Gardinenstange. Somit vermeiden Sie es, dass durch Wellen im Stoff unterschiedliche Beleuchtungsareale im Hintergrund entstehen.

Alternativ können Sie auch ein fertiges Hintergrundsystem verwenden, welches den Stoff oder den Karton mittels zwei Stativen festhält.

Das Chromakeyverfahren

Um das Chromakeyverfahren (damit lassen sich Filme drehen oder der Hintergrund digital verändern) auszuführen, benötigen Sie einen grünen Stoff, da Grün die Farbe ist, die am seltensten in den Pigmenten der menschlichen Haut  auftritt. Warum ist das von Bedeutung? Weil Sie andernfalls in der digitalen Nachbearbeitung versehentlich Areale des Körpers erwischen könnten, wenn Sie eine Maske über das Bild legen und den Hintergrund austauschen. Ihr Modell könnte dann eventuell ein paar Löcher im Gesicht haben, weil der neue Hintergrund durchscheint.

Nun haben Sie das Grundgerüst, mit welchem Sie Ihr Studio langsam einrichten können.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei!

Veröffentlicht am 26. Januar 2015
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