Finanzen Praxistipps

Liquidität im Griff: Tipps für mehr Kontrolle

Lesezeit: 4 Minuten Es gibt immer wieder Phasen, in denen es eng auf dem Konto werden kann. Finanzielle Engpässe sind einerseits zu Beginn einer Selbstständigkeit in den ersten Jahren nach der Existenzgründung nicht selten. Doch auch später kann es zu unerwarteten oder vorhersehbaren Liquiditätsproblemen kommen. Für diese kritischen Phasen liefert der Beitrag einige Tipps, um sie möglichst unbeschadet zu überstehen.

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Liquidität im Griff: Tipps für mehr Kontrolle

Liquidität im Griff: Tipps für mehr Kontrolle

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Tipp 1: Bei dünner Finanzdecke engmaschig prüfen

Je dünner die Finanzdecke ist, desto wichtiger ist es die Liquidität im Blick zu behalten, um handlungsfähig zu bleiben. Anhand eines Beispiel soll erklärt werden, wie das in der Praxis gemeint ist:

Wenn beispielsweise aktuell noch 5.000 € zur Verfügung stehen, aber Rechnungen in Höhe von 15.000 € zu bezahlen sind, müssen Sie klären, wie Sie die fehlende Differenz von 10.000 € beschaffen. Falls Zahlungen von Kunden überfällig sind, sollten Sie aktiv werden und das Geld eintreiben. Gelingt es Ihnen, das Geld rechtzeitig zu bekommen, können sie die Zahlungen fristgerecht auslösen. Gelingt es Ihnen nicht, nehmen Sie Kontakt zu den Lieferanten auf und handeln einen Zahlungsaufschub aus.

Eine vorausschauende Liquiditätsplanung auf Basis engmaschiger Überprüfung schützt sie vor überraschenden Abbuchungen, unerwarteten Kontoüberziehungen und verärgerten Lieferanten. Der Beitrag „Liquiditätsplanung: sichern Sie Ihre Zahlungsfähigkeit“ erläutert die wichtigsten Schritte.

Tipp 2: Bei kostenintensiven Anschaffungen Leasing gegen Finanzierung abwägen

Viele Firmen finanzieren ihre Firmenwagen nicht, sondern leasen diese. Das hat auch gute Gründe, denn in vielen Fällen schont Leasing die Liquidität eines Unternehmens. Grundsätzlich ist es ratsam, jeden Einzelfall zu prüfen und die Varianten individuell durchzurechnen. Je nach Fahrzeugmodell starten Leasingraten ohne Anzahlung bereits deutlich unter 100 Euro pro Monat. Wenn keine Anzahlung geleistet werden muss, müssen Sie weder einen Kredit aufnehmen noch ihre Liquidität belasten, indem Sie auf Erspartes zurückgreifen oder das Geld aus den laufenden Einnahmen verwenden. Leasing funktioniert übrigens nicht nur mit Fahrzeugen, sondern lässt sich auch bei Maschinen, Geräten und Büroausstattung nutzen.

Zahlungsfristen zu überwachen und für ihre Einhaltung zu sorgen ist wesentlich, um die Liquidität sicherzustellen.

Tipp 3: Vorausschauend Zahlungsfristen mit Lieferanten absprechen

Um Zahlungstermine in Abstimmung mit der laufenden Liquidität ideal zu setzen, brauchen Sie Gestaltungsspielraum. Es ist deshalb ratsam mit Ihren Lieferanten langfristige Zahlungsfristen abzusprechen. Sie müssen diese nicht ausreizen, können es aber bei Bedarf. Auf diese Weise haben Sie die Möglichkeit Zahlungen so zu legen, dass Sie Liquiditätsengpässen durch verlängerte Zahlungsziele buchstäblich umschiffen.

Tipp 4: Fakturierung optimieren

Kurz gesagt ist das Ziel eines guten Rechnung-Managements, dass die Einnahmen frühzeitig auf dem Konto eingehen und höher ausfallen als die anstehenden Zahlungsverpflichtungen. Damit das praktisch funktioniert haben sich vier Werkzeuge bewährt:

  1. Formulieren Sie transparente Angebote. Die Angebote sollten dem Kunden in allen Details darstellen, welche Lieferung/Leistung zu welchem Zeitpunkt geplant ist. Das hat zwei Vorteile. Zum einen kann der Kunde auf dieser Basis  rasch über die Auftragsvergabe entscheiden. Zum anderen beugt ein detailliertes Angebot möglichen Unstimmigkeiten und Nachfragen in Zusammenhang mit der Abrechnung vor.
  2. Ihre Rechnung sollte sich mit den Angaben im Angebot decken und auch formal einwandfrei sein. Der Gesetzgeber definiert in § 14 Umsatzsteuergesetz, welche Angaben eine ordnungsgemäße Rechnung beinhalten muss.
  3. Animieren Sie Ihre Kunden dazu, Zahlungen früher anzuweisen. Hier sind drei Wege denkbar.
    1. Sie vereinbaren bei umfangreichen Aufträgen Vorschusszahlungen zu festen Terminen bzw. in Verbindung mit erbrachten Teilleistungen oder Teillieferungen.
    1. Die zweite Möglichkeit ist, Rechnungen mit Skonto anzubieten und darauf zu hoffen, dass der Kunde von der Skontoregelung Gebrauch macht.
    1.  Eine Kombination aus beidem, nämlich Teilleistungen/Teillieferungen abrechnen und Skontozahlung anbieten ist die dritte Option.
  4. Es ist zwar selbstverständlich, soll aber noch einmal ausdrücklich genannt werden: Setzen Sie möglichst kurze Zahlungsfristen und überprüfen Sie die Einhaltung. Kommt das Geld nicht zum vereinbarten Zeitpunkt, haken Sie konkret nach. Sie können anfangs telefonisch nachfragen, das hilft manchmal und führt zum prompten Ausgleich. Es ist eine fruchtbare Strategie in dem Gespräch zu signalisieren, dass Sie mit Ratenzahlung einverstanden wären, falls der Kunde Liquiditätsschwierigkeiten haben sollte.  Wenn Sie Ratenzahlung vereinbaren, sollten Sie von ihrem Recht Gebrauch machen und einen entsprechenden Zinssatz vereinbaren.

Tipp 5: Mahnwesen professionalisieren

Wie in Tipp 4 bereits unter Punkt 4 angesprochen sollten  Sie Zahlungsfristen auf den Rechnungen ausweisen und deren Einhaltung überprüfen. Bleiben Zahlungen trotz mündlicher Nachfrage nicht aus, sollten Sie den schriftlichen Weg beschreiten. Dieser beginnt mit einer Mahnung, die alle erforderlichen Informationen enthält, um daraus später einen rechtlichen Anspruch ableiten zu können. Gegen säumige Zahler können Sie bei dauerhaftem Zahlungsverzug das Mahnverfahren auf den Weg bringen, das in einer Zwangsvollstreckung mündet. Grundsätzlich gilt: Ein Kunde, der nicht zahlt, ist kein Kunde.

Tipp 6: Ausgaben verringern

Behalten Sie die Ausgabenseite stets im Blick und stellen Sie die Wirtschaftlichkeit jeder Ausgabe  auf den Prüfstand. Je geringer die Ausgaben ausfallen und je später Kosten beglichen werden müssen, desto besser. Wie lässt sich das in der Praxis realisieren? In diesem Zusammenhang habe sich drei Tipps bewährt:

  1. Nehmen Sie regelmäßig eine Kostenkontrolle vor. Versicherungstarife bieten erfahrungsgemäß Einsparpotenzial. Auch sollten Sie die Möglichkeit überprüfen, mit Lieferanten Skontoregelungen zu treffen. Falls es bereits Skontoregelungen gibt, sollten Sie diese nach Möglichkeit nutzen.
    Kaufen Sie große Mengen ein oder sehen Sie einen Weg, Ihren Bedarf zu bündeln und große Mengen zu bestellen?
    Dann kommt eventuell der Mengenrabatt infrage. Gehen Sie aktiv auf den Lieferanten zu und fragen Sie nach Sonderkonditionen. Bei den Gesprächen über die Zahlungsziele achten Sie darauf, Ihre Vorteile durchzusetzen und möglichst lange Zahlungsziele abzusprechen.
  2. Bewusst sparen ist besser, als bei Kapitalbedarf kurzfristig ein Darlehen aufzunehmen, weil Darlehen die Liquidität durch langfristige Ratenzahlung binden. Bewusst zu sparen bedeutet zu wissen, wann welche Kosten fällig werden. Dieser Punkt hängt eng mit Tipp 1 zusammen, in dem es um die Liquiditätsplanung geht. Wenn Sie in der Lage sind, Geld für die vorausschauend geplanten Anschaffungen und Ausgaben anzusparen könnte es sinnvoll sein, eine Anlageform zu finden, in der Sie das gesparte Geld flexibel zwischenparken können.
  3. Prüfen Sie die Kostenpositionen in Ihrem Betrieb und denken Sie über sinnvolle Einsparmöglichkeiten nach. Erfahrungsgemäß sind die Positionen Lager, Produktion, Marketing, Vertrieb, Personal und Fuhrpark die Kosten, die am meisten zu Buche schlagen. Entsprechend hoch ist das Einsparpotenzial.

Bildnachweis: Blue Planet Studio / stock.adobe.com

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