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Bargeld-Abschaffung in Deutschland? Das sind die Vor- und Nachteile

Lesezeit: 3 Minuten In immer mehr Ländern ist das Bargeld massiv in den Hintergrund gerückt. Ob Schweden oder die USA – fast alle Zahlungen gehen dort mittels Kartenzahlung. Münzen sowie Scheine sind im Portemonnaie nur noch selten zu finden. In Deutschland sieht es da etwas anders aus und die Deutschen lieben ihr Bargeld nach wie vor. Auch wenn sich durch die globale Situation im letzten Jahr der Trend hin zur Kartenzahlung noch verstärkt hat, so bezahlen immer noch viele Menschen in Deutschland bar. „Nur Bares ist Wahres“ ist einer der Sprüche zu diesem Thema und besonders die ältere Generation hält daran fest. Dennoch ist die Abschaffung von Bargeld immer wieder im Gespräch. Welche Vor- und Nachteile die Bargeld-Abschaffung bieten könnte, wird heiß diskutiert.

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Bargeld-Abschaffung in Deutschland? Das sind die Vor- und Nachteile

Bargeld-Abschaffung in Deutschland? Das sind die Vor- und Nachteile

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Das wären die Vorteile der Bargeld-Abschaffung

Mehr Selbstverständlichkeit für digitale Zahlungen: Wenn das Bargeld abgeschafft würde, würde das den Boden für viele weitere Zahlungsanbieter ebnen, die zwar jetzt schon auf den Markt strömen aber zum Teil noch nicht in der Breite etabliert sind. Auch Anbieter wie PayPal würden noch stärker profitieren. Bezahlsysteme wie Apple Pay oder Google Pay würden ebenfalls noch mehr genutzt werden. Das würde sich nicht nur im Online-Markt widerspiegeln, sondern auch in der Offline-Welt. An der Kinokasse nur noch mit dem Smartphone bezahlen? Warum nicht. Im Restaurant die digitale Wallet zücken? Klar. Selbst in Casinos gäbe es nur noch virtuelle Zahlungen. Aber auch online ist die Währung meistens noch handfest: Online Casinos mit Echtgeld im Test etwa zeigen, wie beliebt nach wie vor hergebrachte Währungen sind. Allerdings sind Kryptowährungen unbestreitbar auf dem Vormarsch und werden in immer mehr Branchen und Bereichen als Zahlungsmittel eingesetzt.

Weniger Schattenwirtschaft: Bargeld ermöglicht es, Geldgeschäfte vorbei am Fiskus und an Banken zu tätigen. Schließlich werden Bargeld-Transaktionen nirgends vermerkt. Würde nun das Bargeld abgeschafft werden, würde illegalen Tätigkeiten ein Riegel vorgeschoben werden und Geldwäsche, Schwarzgeld, Schwarzarbeit etc. würden deutlich komplizierter werden.

Geringere Kosten: Bargeld zu drucken, zu verteilen und zu verwalten, kostet Geld. Dieses könnte eingespart werden, wenn es kein Bargeld mehr gäbe.

Keine Diebstahlgefahr mehr: Bargeld kann gestohlen werden. Auf Kreditkarten etc. trifft das zwar auch zu, Transaktionen unterliegen aber komplexen Sicherheitsmechanismen wie PINs, Sicherheitsabfragen über das Smartphone etc., sodass es deutlich schwieriger ist, mit einer gestohlenen Karte auch tatsächlich zu bezahlen.

Keine großen Portemonnaies mehr: Insbesondere Münzgeld nimmt viel Platz weg und hat darüber hinaus auch ein ordentliches Gewicht. Würde man nun das Bargeld abschaffen, bräuchte es nur noch ein kleines Mäppchen für die Karten.

Nachverfolgbarkeit von Transaktionen: Wer seine Ausgaben im Blick behalten möchte, der fährt mit Kartenzahlung oder digitalen Bezahlmöglichkeiten in der Regel besser, da es für jeden Geldverkehr einen Beleg gibt.

Das wären die Nachteile der Bargeld-Abschaffung

Verlust der Privatsphäre: Dieser Punkt ist einer der Hauptkritikpunkte, wenn es um die Abschaffung von Bargeld geht. Viele Menschen fürchten, zum gläsernen Bürger zu werden, dessen Transaktionen nicht mehr privat sind und in vollem Umfang vom Staat, von Banken sowie von anderen Institutionen nachverfolgt werden können.

Kein Skonto mehr: Bei größeren Beträgen gewährleisten manche Unternehmen ein Skonto in Höhe von 2 %, wenn der Betrag in bar gezahlt wird. Dieser Rabatt würde mit der Abschaffung von Bargeld entfallen.

Gebühren bei elektronischen Transaktionen: Kartenzahlungen und elektronische Transaktionen können unter Umständen Geld kosten. Somit könnte es sein, dass es für Verbraucher teurer wird.

Abhängigkeit von Technologie: Während Bargeld bei einer Transaktion schnell zur Hand ist, braucht es für andere Bezahlarten häufig eine Internet- oder Telefonverbindung. Bei Stromausfällen, Netzausfällen etc. könnten dann unter Umständen für eine gewisse Zeit keine Transaktionen mehr möglich sein.

Abhängigkeit von Banken: Banken können im schlimmsten Fall bankrott gehen und das dort geparkte Geld ist dann möglicherweise weg. Zwar gibt es bei den meisten Banken eine Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro, aber für alles darüber hinaus gibt es keine Garantie. Bargeld hingegen kann auch in Schließfächern oder Tresoren aufbewahrt werden und die alleinige Hoheit darüber hat nur der Besitzer und keine andere Institution.

Probleme für ältere Menschen und wenig technikaffine Menschen: Insbesondere die ältere Generation bezahlt noch gerne mit Bargeld. Würde diese Option nun wegfallen, könnte es für sie schwierig werden, sich zurechtzufinden. Für wenig technikaffine Personen gilt dasselbe. Auch für Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, wie zum Beispiel Obdachlose, die zum Teil keine Meldeadresse haben, würde es ohne Bargeld schwierig.

Weniger Kontrolle über die eigenen Ausgaben: Für manche Menschen vermitteln Kartenzahlungen nicht das Gefühl von Geldausgeben. Nur wenn sie Bargeld in der Hand haben, verinnerlichen sie, um welche Summen es sich konkret handelt. Sie brauchen ihr festgelegtes Budget, dass sie beispielsweise einmal im Monat vom Konto abheben und dann in den folgenden Wochen verbrauchen. Würde das Bargeld wegfallen, könnten sie den Überblick über ihre Ausgaben verlieren, was zur Schuldenfalle werden könnte. Schließlich bieten gerade Kreditkarten häufig die Möglichkeit, große Summen auszugeben, ohne dass diese direkt zurückgezahlt werden müssen.

Ausblick: So könnte es mit dem Thema Bargeld weitergehen

Es zeigt sich, dass es für die Abschaffung von Bargeld zahlreiche Pro-Argumente gibt, aber auch viele Contra-Argumente. Obwohl immer wieder diskutiert wird, Bargeld aufzugeben, so sind zumindest aktuell noch keine konkreten Pläne dazu in Sicht. Die Widerstände in Teilen der Bevölkerung würden dieses Vorhaben auch erschweren, sodass es zunächst danach aussieht, dass die Etablierung anderer Bezahlsysteme und die dadurch bedingte Verdrängung von Bargeld der natürlichen Entwicklung überlassen wird.

Diese geht nämlich gerade in die Richtung, dass sich digitales Bezahlen immer weiter durchsetzt, wodurch das Bezahlen mit Bargeld automatisch weniger wird. Für die Zukunft wird sich dieser Trend noch weiter fortsetzen, sodass sich erst in einigen Jahren zeigen wird, wie lange und wie weit die Reise des Bargelds noch geht.

Bildnachweis: Leika production / stock.adobe.com

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