Erziehung

Achtung Zeugnis: Wenn das Zeugnis zu wünschen übrig lässt

Der Ferienbeginn wird überschattet von dem Umstand, dass die Kinder ihr Zeugnis erhalten. Besonders wenn die schlechten Noten dominieren, kommt es zu Ärger bei den Erwachsenen und oft zu Panik bei den Kindern.

In wenigen Wochen ist Ferienbeginn. Eigentlich gute Aussichten auf sechs Wochen freie Zeit. Gäbe es nicht vorher "Giftblätter mit Geisterschrift und Schlagsahne", wie man früher sagte. Die Panik vor den zu erwartenden Schulnoten lässt manche Schüler gar nicht erfreut in die Zukunft sehen, auch wenn hoffentlich keine "Schlagsahne", ein Synonym für Prügel, zu erwarten ist. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, weil die Reaktion der Eltern auf das Zeugnis meist nicht voraussehbar ist.

Das Zeugnis sagt etwas über Leistungen, nicht über den Menschen
Kinder und Jugendliche nehmen ihr Zeugnis sehr persönlich. Sie wissen, dass sie ihren Eltern keine Freude machen, wenn ihre Schulnoten hinter den Erwartungen zurück bleiben. Das Gefühl, ein totaler Versager zu sein, wie Reinhard Mey es in seinem Lied "Zeugnistag" formuliert hat, gemischt mit dem schlechten Gewissen, dass man schon mehr hätte tun können und die Angst davor, das alles von den Eltern gespiegelt oder gesagt zu bekommen, ist für die meisten Kinder eine furchtbare Aussicht.

So kommt es an den Zeugnistagen immer wieder, dass Kinder versuchen, auszureißen oder gar sich das Leben zu nehmen. Es handelt sich also um ein ernstes Problem, auch wenn solch extreme Reaktionen zum Glück Ausnahmen sind. Jedenfalls kann man daran ermessen, was in so einem kleinen Herzen vorgeht. Ich bin überzeugt, dass selbst die "Obercoolen", die im Bus mit ihren vielen Fünfen prahlen, im Grunde lieber erfolgreich wären und mit einem guten Zeugnis angeben würden. Auf Grund ihrer anhaltenden Misserfolge haben sie sich nur auf die negativen Rekorde fixiert.

Auf ein schlechtes Zeugnis angemessen reagieren
Wie können Eltern angemessen reagieren? Eine schwierige Frage, denn einfaches Ignorieren wäre keine gute Lösung. Kinder wollen ernst genommen werden, auch in ihren Misserfolgen. Ebenso schwierig wäre ein undifferenziertes Loben unter dem Motto: "Du hast dein Bestes getan." Kinder wissen ganz genau, wo sie eben nicht ihr Bestes getan haben und es hilft ihnen nicht weiter, das zu ignorieren. Auch Schimpfen und Strafen würde die schlechte Atmosphäre nur verschlimmern. Das Zeugnis sollte aber nicht Anlass zur Familienkrise werden.

Das Zeugnis sachlich besprechen
Vor allen Dingen sollten Eltern sich Zeit nehmen. Setzen Sie Sich mit Ihrem Kind zusammen und besprechen Sie jede einzelne Schulnote. Beginnen Sie unbedingt mit einem Erfolg. Auf welchem Gebiet hat das Kind seine Schulnoten verbessern können, wo dokumentiert das Zeugnis Stärken.

Die Grundschullehrerin eines unserer Kinder lud die gesamte Elternschaft ihrer Klasse zum Zeugnistag ein. Während die Erwachsenen im hinteren Teil der Klasse bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen saßen, wurde jedes Kind einzeln aufgerufen, sein Zeugnis abzuholen. Zu jedem Zeugnis gab es einen Kommentar: "Wir freuen uns immer besonders, wenn du ein Gedicht aufsagst, weil du das einfach wunderbar kannst."

Jedes Kind ging auf seinen Platz zurück wie ein König, denn es wusste, dass es etwas Besonderes geleistet hatte. Das ist mir sehr stark im Bewusstsein geblieben. Es war kein Schönreden, sondern das Hervorheben einer besonderen Fähigkeit. Auf solch einer Basis kann man auch berechtigte Kritik leichter ertragen und sachlich über Verbesserungsvorschläge reden.

Zeugnis als Basis für individuelle Förderung
Besprechen Sie mit ihren Kindern dann die Defizite. Woran hat es gelegen? Wie könnte man eine Verbesserung der Schulnoten erreichen. Verstehen Sie das Zeugnis einfach als wichtigen Hinweis, wo etwas passieren muss. Lassen Sie das Kind erzählen. Über Schwierigkeiten mit dem Lehrer, mit den Mitschülern. Dabei sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind nicht beim Jammern stehen bleibt. Es ist jetzt wichtig, eine Strategie zu überlegen.

Würde eine Begleitung bei den Hausaufgaben helfen? Könnte ein Gespräch mit dem Lehrer etwas bringen? Muss etwas Nachhilfe ins Auge gefasst werden? Hören Sie auf Ihre Kinder, lassen Sie auch verrückte Gedanken zu. Und machen Sie einen konkreten Plan, denn Aussagen wie: "Ich will im nächsten Schuljahr mehr tun" sind zwar ernst gemeint, führen aber nicht weiter, wenn man sich nicht gleichzeitig überlegt, welche Schritte erfolgen können, um die Schulnoten und damit das nächste Zeugnis zu verbessern.

Gesprächsergebnisse sollte man am besten kurz schriftlich festhalten, damit man nach den Ferien darauf zurück kommen kann. Mit ein wenig Optimismus, dass mit diesen Maßnahmen vermutlich das nächste Zeugnis besser ausfallen wird, kann man die angespannte Situation etwas lockern.

Mit dem Zeugnis einen Schlusspunkt setzen
Wenn alles besprochen ist, setzen Sie einen Schlusspunkt. Zunächst können Sie noch einmal auf den Gesprächsanfang zurück kommen. Sprechen Sie Ihre Anerkennung für gute Schulnoten ruhig noch einmal aus. Legen Sie das Zeugnis und das Blatt mit den guten Vorsätzen in eine Mappe und legen sie beides beiseite, denn jetzt sind Ferien. Eine Umarmung könnte signalisieren, dass ein Zeugnis mit nicht so erfreulichen Noten nichts an der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind ändert und dass Liebe von Schulnoten unabhängig ist.

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Dieser Artikel wurde noch nicht bewertet!
Please wait...

Über Ihren Experten

Benedikta Buddeberg