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Innen hui, außen oft pfui: Die Tücken der Zitrusfrüchte

Innen hui, außen oft pfui: Die Tücken der Zitrusfrüchte
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geschrieben von Stephan Pelzl

Im Winter erobern sie die Obsttheken beutelweise: Zitrusfrüchte. Vor allem Orangen, Mandarinen und Clementinen sind dann nicht nur besonders süß und saftig, sondern auch noch preiswert – und voller Vitamin C, das man gerade in der kalten Jahreszeit gut gebrauchen kann. Doch Vorsicht: Auf den Schalen der Gesundmacherfrüchte tummeln sich gerne gar nicht so gesunde Substanzen.

Der falsche Glanz der Zitrusfrüchte

Sie sollen schön glänzen und bloß keine hässlichen Stellen haben. Und lange halten. So wünscht sich das der Handel. Denn viele Verbraucher greifen lieber zur optisch makellosen Mandarine als zur matten. Der Preis des schönen Scheins: Das Äußere ist mit allerlei Stoffen beackert.

Die Schale der Zitrusfrüchte hat es in und auf sich

Bei Untersuchungen der Lebensmittelkontrollbehörden werden bei 60 bis 80% aller konventionell erzeugten Zitrusfrüchte regelmäßig Rückstände von Pflanzenschutz- und Konservierungsmitteln auf und in der Schale festgestellt. Selbst wenn man die Schale nicht verwendet, kommen doch die Hände zwangsläufig mit ihr in Kontakt.

Wie Zitrusfrüchte „behandelt“ werden

Zitrusfrüchte dürfen nach der Ernte „nachbehandelt“ werden. Das kann völlig harmlos sein, oder auch nicht. Die wichtigsten Methoden sind:

  • „Entgrünen“: Damit Zitrusfrüchte nachreifen, grüne Stellen der Schale verschwinden und sie eine kräftigere Farbe erhalten, werden sie mit Ethen (auch Ethylen genannt) „begast“. Ethen ist gesundheitlich unbedenklich. Es ist ein natürliches Pflanzenhormon und kommt in vielen Früchten vor (besonders in Äpfeln).
  • Wachsen: Um Zitrusfrüchte länger haltbar zu machen und vor dem Austrocknen zu schützen, werden sie mit einer Wachsschicht überzogen. Man erkennt sie an einer intensiv leuchtenden Farbe und dem starken Glanz. Sie müssen dann als „gewachst“ gekennzeichnet werden.
  • Konservieren: Die Schale darf nach der Ernte mit diesen Konservierungsstoffen behandelt werden: Biphenyl/Diphenyl (E 230), Orthophenylphenol (E 231), Natriumorthophenylphenol (E 232) und Thiabendazol (E 233). Diese Früchte müssen die Angabe „mit Konservierungsstoff“ oder „konserviert“ erhalten. Bei Thiabendazol muss dieser Stoff außerdem zusätzlich erwähnt werden.
  • Wichtig: Die Schalen mit Konservierungsmitteln behandelter Zitrusfrüchte sind weder für den Verzehr noch für die Dekoration geeignet. Abwaschen bringt hier kaum etwas, weil die Konservierungsmittel schwer oder gar nicht wasserlöslich sind. Solche Zitrusfrüchte sollten zudem im normalen Hausmüll und nicht in der Bio-Tonne landen.

„Unbehandelt“ sagt bei Zitrusfrüchten wenig

Ich kaufe halt einfach „unbehandelte“ Zitrusfrüchte, werden Sie vielleicht sagen. Das bringt Ihnen leider nicht viel. „Unbehandelt“ ist kein lebensmittelrechtlich festgeschriebener Begriff. Meist bedeutet er „nach der Ernte unbehandelt“, also ohne Nachbehandlung mit Wachs und Konservierungsmitteln. Davor können die Früchte durchaus mit Pflanzenschutzmitteln, Konservierungsmitteln, Wachs und Ethen traktiert worden sein.

Bei Untersuchungen lassen sich regelmäßig bei 25 bis 50 % der „unbehandelten“ Zitrusfrüchte Konservierungsmittel auf der Schale nachweisen. Außerdem dürfen Zitrusfrüchte nach der Ernte mit Zuckerester von Fettsäuren (E 473) und Zuckerglyceride (E 474) überzogen werden, was sie glänzend macht. Beide Stoffe müssen (bis zu einer bestimmten Höchstmenge) überhaupt nicht angegeben werden.

So gehen Sie mit konventionell angebauten Zitrusfrüchten um

  • Vor der Verarbeitung oder dem Verzehr immer mit warmem Wasser gründlich waschen.
  • Nicht jedoch alle gerade gekauften Früchte waschen, falls sie erst in den nächsten Tagen zum Einsatz kommen sollen. Beim Waschen entstehen oft Druckstellen, was die Haltbarkeit der Früchte verringert.
  • Nach dem Waschen die Früchte mit Küchenpapier (nicht mit dem Geschirrhandtuch!) trocken reiben.
  • Anschließend die Hände waschen.
  • Beim Auspressen Küchenpapier zum Schutz der Hände verwenden.

Sicherer: Zitrusfrüchte aus biologischem Anbau

Da oft nicht klar gekennzeichnet ist, ob und wie Zitrusfrüchte behandelt wurden, lohnt sich der Kauf von Früchten aus biologischer Produktion. Die sind sogar ein Muss, wenn Sie die Schale verwenden möchten.

  • Weder während des Anbaus noch nach der Ernte werden Bio-Zitrusfrüchte mit chemischen Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden), Konservierungsmitteln oder Wachsen behandelt und auch nicht mit Ethen begast. Lediglich der Staub wird nach der Ernte mit Wasser abgewaschen.
  • Sie haben daher meist eine deutlich mattere Schale, eine ungleichmäßige Färbung und gerne ein paar Flecken.
  • Aber: Zitrusfrüchte aus biologischem Anbau halten sich nicht so lange wie ihre konventionellen Kollegen. Ihre Schale ist deutlich empfindlicher gegen Stoßstellen.

Bildnachweis: pilipphoto / stock.adobe.com

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