Hardware

Pannen und Lesefehler bei Card Readern und Speicherkarten beheben

Wenn eine Speicherkarte beispielsweise von einer Digitalkamera nicht gelesen werden kann, herrscht Alarmstufe Rot für Ihre unwiederbringlichen Daten. Doch in vielen Fällen ist nicht das Speichermedium der Auslöser für die Panne, oft liegt es an Problemen rund um die Kartenlesegeräte. Damit Sie nicht ruckzuck Opfer von fiesen Datenverlusten werden, finden Sie hier wirksame Soforthilfe-Maßnahmen.

Card Reader sind sehr verbreitet, aber keineswegs sicher in der Anwendung

Die digitale Erfassung von Bilddaten ist ein Mega-Trend, der insbesondere auf die verwendeten Speichermedien großen Einfluss hat. Um die Speichermedien der aktuellen Digitalkameras möglichst einfach am PC und Notebook zu verwenden, sind spezielle Speicherkartenlesegeräte, "Card Reader", unabdingbar.

Denn kompakte Speicherkarten wurden zwar nicht als mobiler Speicher (Wechselspeicher) für den Einsatz am PC entwickelt, sind aber heute in vielen Formen und Kapazitäten für das Speichern von Daten auf mobilen Geräten wie Kamera, Smartphone und Notebook allgegenwärtig. Mit den folgenden sieben Maßnahmen verhindern Sie Datenverlust Ihrer Speicherkarten und stellen die Lesefähigkeit des Card Readers sicher.

1. Ruhe bewahren und keine Schreibzugriffe vornehmen

Ihre wichtigste Maßnahme gegen Card-Reader-Pannen ist – Ruhe bewahren. Denn hektische Betriebsamkeit und die falschen Maßnahmen sind der sichere Weg in den totalen Verlust der Daten auf einer "unlesbaren" Speicherkarte. Ganz wichtig: Kann eine Speicherkarte mit wichtigen Daten nicht gelesen werden und die Ursache ist unbekannt, dann prüfen Sie das Lesegerät erst mit einer anderen Speicherkarte, auf der keine wichtigen Daten sind, oder die leer und nur formatiert ist.

Erst, wenn dieser Test funktioniert, legen Sie die Speicherkarte mit den wichtigen Daten wieder ein. Goldene Regel: Solange die Ursache der Panne unklar ist, niemals Schreibzugriffe auf die Speicherkarte durchführen, also Dateien kopieren, verschieben oder löschen oder gar die Speicherkarte formatieren.

2. Card-Reader-Anschluss prüfen

Prüfen Sie dann bei einem externen Kartenleser zuerst, ob er Betriebsbereitschaft signalisiert (LED-Anzeige) und per USB-Kabel mit dem Rechner oder einem USB-Hub verbunden ist. Manche Lesegeräte und USB-Hubs bringen eine eigene Spannungsversorgung mit (Steckernetzteil), die dann ebenfalls zu prüfen ist. Das ist bei einem Steckernetzteil meist recht einfach: Ist es warm, ist es an, ist es kalt, ist es aus.

3. Klassentreiber oder spezifischer Treiber erforderlich?

Wie bei allen USB-Geräten spielt auch bei Card Readern eine große Rolle, wann der Anschluss ans PC-System vorgenommen wird. Denn das "Plug&Play"-Grundprinzip des USB funktioniert nur, wenn der Treiber zum Gerät bereits vor dem Geräteanschluss vorhanden ist. Bei Geräten wie Card Readern braucht aber vor dem Anschluss kein spezifischer Treiber installiert zu werden, denn Windows verfügt über einen passenden Klassentreiber, sozusagen einen Passepartout zu allen USB-Laufwerken.

Das funktioniert aber nur so lange, wie keine spezifische Geräteeigenschaft des Card Readers den Leistungsumfang des Klassentreibers überfordert. Denn dann wird der Card Reader nicht oder nicht vollständig unterstützt und im Windows-Gerätemanager als "Unknown multimedia device" oder "Unbekanntes Massenspeichergerät" (mass storage device) aufgeführt. Insbesondere, wenn in einem Gerät USB-Hub, Kartenlesegerät und möglicherweise weitere Funktionen vereint sind, wird für den Betrieb möglicherweise ein spezifischer Gerätetreiber benötigt.

Ein wichtiger Hinweis: Lag dem Gerät eine CD bei? Ist das der Fall, installieren Sie den Treiber gemäß Herstellerangabe, starten Windows neu und schließen Ihren Card Reader dann erst an. Dabei verbessert sich die Erkennung des Card Readers unter Windows meist, wenn sich bereits eine formatierte Speicherkarte im Lesegerät befindet und Windows einen aktiven Laufwerksbuchstaben zuweisen kann.

4. Kompatibilität zwischen PC, Card Reader und Speichermedium

Wenn die Speicherkarte mit einem Card Reader nicht gelesen werden kann, bedeutet das keinesfalls automatisch, dass sie defekt ist. Möglicherweise stimmt einfach die Kompatibilität nicht. Wenn ein Card Reader z. B. SD-Karten (maximal 4 GB) unterstützt, heißt das noch lange nicht, dass er auch die neueren SD-HC-Karten unterstützt, die eine höhere, maximale Kapazität von bis zu 32 GB unterstützen.

Beispielsweise können alte Card Reader, die noch für USB 1.0/1.1 gebaut wurden, nicht mit den neueren SDHC-Speicherkarten umgehen. Wenn diese Inkompatibilität fehlinterpretiert wird und Schreibzugriffe vorgenommen werden, ist es mindestens teilweise um den Inhalt der Speicherkarte geschehen.

5. CF-Karten sind "intelligent" – und Intelligenz ist nicht automatisch förderlich

Versuche in der Redaktion haben immer wieder gezeigt, dass sich manche Speicherkarten nicht in allen Lesegeräten auslesen lassen, auch wenn theoretisch alles passt. Grund hierfür ist häufig, dass die oft verwendeten Compact-Flash-SD-Speicherkarten einen aktiven Baustein an Bord haben, einen Controller-Chip für die interne Verwaltung der Daten.

Bei ungünstigen Kombinationen von Card Reader und Speicherkarten-Controller-Chip oder auch bei Speicherkarten mit gefälschten oder manipulierten Controller-Chips kommt es dazu, dass kein Lesevorgang möglich ist. Abhilfe schafft in dem Fall nur die Gegenprobe mit einem anderen Card Reader. Hilfreich hierbei sind oftmals auch Notebooks, die mit einem internen Card Reader ausgestattet sind.

6. Ein Firmware-Update kann die Lesbarkeit neuer Formate herstellen

Der Controller-Chip auf der Speicherkarte bei den SD-Karten ist aber eine Ausnahme, denn das verteuert ja die Produktionskosten der Speicherkarten erheblich. Die andern Kartentypen bringen daher keine "Intelligenz" mit und sind daher für die Verwaltung der Daten auf die "Intelligenz" des Betriebsprogramms des Kartenlesers angewiesen.

Kommt es also zu Leseproblemen, sollten Sie bei Kartenlesegeräten von Markenherstellern wie HAMA prüfen, ob ein Firmware-Update für das Gerät angeboten wird. Damit wird ein älterer Kartenleser möglicherweise fit für das Lesen auch neuer Kartenformate.

7. Vorsicht: Windows versteckt Kartenlaufwerke

Windows 7 führt mit einer speziellen Eigenart manchen Card-Reader-Nutzer erst mal hinters Licht. Die Laufwerke im Card Reader, die kein Speichermedium enthalten, werden standardmäßig nicht im Windows-Explorer bzw. bei COMPUTER angezeigt. Ein erfahrener Windows-Anwender wundert sich folglich, wo denn die Laufwerke nun geblieben sind, und vermutet fälschlich, dass die Geräteerkennung nicht funktioniert hat.

Lösung: Öffnen Sie den Windows-Explorer und rufen EXTRAS/ORDNEROPTIONEN auf. Wählen Sie das Register ANSICHT. Blättern Sie in der Liste ERWEITERTE EINSTELLUNGEN nach unten, bis Sie auf das Schaltkästchen LEERE LAUFWERKE IM ORDNER COMPUTER AUBLENDEN sehen, dort setzen Sie ein Häkchen und bestätigen mit OK.

Wenn nach den beschriebenen Maßnahmen der Card Reader immer noch nicht funktioniert oder die Speicherkarte lesbar ist, sollten Sie davon ausgehen, dass der Card Reader defekt ist. Insbesondere bei Multicard-Readern ("24-in-1") kommt es vor, dass Kontakte durch häufige oder falsche Nutzung abgenutzt oder beschädigt sind. Eine zuverlässige Reparatur ist hierbei nicht möglich, nur die Neuanschaffung eines Card Readers ist sinnvoll. Prüfen Sie dabei genau, welche Formate und Betriebssysteme von dem Card Reader unterstützt werden.

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Über Ihren Experten

Rudolf Ring

Rudolf Ring

Rudolf Ring gehört zu den frühen Einsteigern in die Informationstechnologie in Deutschland und hat ab den 80er Jahren die Vorzüge so ziemlich jeden Computertyps irgendwann persönlich in Erfahrung gebracht. Nach Bundeswehr, Studium und freien Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung leitete der Computer-Experte die PC-Werkstatt eines mittelständischen IT-Unternehmens.

Als selbstständiger Journalist und Autor verfasste er seit Anfang der neunziger Jahre bis heute unter anderem für PC-Anwender-Handbuch, PC-Hardware-Profi und PC-Pannenhelfer mehrere hundert Beiträge, hinzu kommen Bücher und Studien. Vom ersten IBM-PC 1981 bis zu den neuesten Mobilgeräten reicht sein Interessengebiet.

Schwerpunkt seiner aktuellen Beiträge sind die klassischen Themen PC-Hardware und -Pannenhilfe, hinzu kommen Home-Entertainment und Mobile Computing. Dem Informationsdienst „Einfach Android“ steht Rudolf Ring als Chefredakteur vor.