Apps für die Flugplanung und Flugnavigation per iPad

Flugplanung: Navigation mit dem iPad auf einer ICAO-Karte mit virtuellem HSI

Zur Flugplanung gehören viele Arbeitsschritte: Flugwetter und NOTAMs einholen, Route planen, Beladungsplan erstellen, Treibstoffverbrauch berechnen und die benötigten Anflugkarten heraussuchen. Während des Fluges sind bei der Flugnavigation die Flugstrecke und Flughöhe zu überwachen und bei Bedarf anzupassen. Apps und elektronische Karten erleichtern Ihnen als Pilot diese Arbeit und sparen Zeit.

Wie Sie Apps für iPad und iPhone bei der Flugplanung unterstützen können

Während Flüge vor einigen Jahren noch manuell oder mit einem PC geplant werden mussten, reicht heute die Leistung eines Tablets oder sogar Smartphones dafür aus. Es gibt solche Apps für iPhone, iPad und Android-Geräte.

Dabei zeigen die leistungsfähigeren Apps nicht mehr nur einfach die Karte an und erlauben das Festlegen der Flugstrecke anhand von Wegpunkten, sondern unterstützen praktisch alle Arbeiten für die Flugplanung:

  • Das Wetter lässt sich per Internet abrufen und GAFOR-Einstufungen (Sky-Map in Verbindung mit PC-Met), Stationsmeldungen (Air Nav Pro), Wettersymbole (PocketFMS) oder Niederschlagsradar (Sky-Map) auf der Karte einblenden. Die Wetterdaten lassen sich per Mobilfunk später sogar teilweise während des Fluges aktualisieren.
  • Wichtige Benachrichtigungen für die gewählte Flugstrecke lassen sich als NOTAM (Notice to Airmen) abrufen (PocketFMS und Sky-Map).
  • Die Anflugkarten aus der AIP sind optional elektronisch gespeichert und mit einem Browser einsehbar (Sky-Map).
  • Der Beladungsplan, also Weight & Balance, lässt sich für das jeweilige Flugzeug, Besatzung, Passiere und Gepäck berechnen.
  • Die Flugstrecke lässt sich in Abhängigkeit von Wetter und Lufträumen auf der elektronischen Karte planen und teilweise direkt über den Touchscreen markieren (PocketFMS und Sky-Map) oder als Wegpunkte eingeben (Air Nav Pro).
  • Die App berechnet Zeitdauer des Fluges und benötigten Treibstoff in Abhängigkeit der gemeldeten Windrichtung, Windstärke und gewählten Flughöhe (Sky-Map).
  • Ein Höhenprofil zeigt an, ob die gewählte Flughöhe ausreicht, um während des Fluges ausreichend Bodenfreiheit zu haben. Dazu werden im Fall von Sky-Map auch die Lufträume eingeblendet, wodurch drohende Luftraumverletzungen direkt erkennbar sind.

Dabei bietet die elektronische Karte der Flugplanungs-Programme Vorteile gegenüber der Programmierung einer Route mit einem GARMIN GPS. Es sind alle Pflichtmeldepunkte enthalten und müssen nicht mühsam selbst eingegeben werden. Dazu lassen sich auch Segelfluggelände, Städte oder Landschaftsmarken buchstäblich auf Fingerdruck in die Route einbeziehen.

Wie die Apps bei der Flugnavigation unterstützen

Neben der Flugplanung können Sie die Apps auch für die Flugnavigation gebrauchen. Während des Fluges stehen Ihnen mit einem iPad oder Android-Tablet ständig alle wichtigen Informationen zur Verfügung. Die Route ist gut sichtbar auf der Karte eingezeichnet, die Position des Flugzeugs über ein Symbol jederzeit klar erkennbar (Moving Map). Dazu werden Flugrichtung, Geschwindigkeit und Höhe angezeigt.

Theoretisch ist das auch alles mit einem Smartphone machbar, das Display eines iPhone ist dafür jedoch zu klein. Wird die betreffende App jedoch zusätzlich auf einem iPhone installiert, kann dieses unterwegs zur Anzeige des Wetters oder von NOTAMs, für Treibstoffberechnungen oder die Anzeige einer Anflugkarte genutzt werden.

Da die Position des Flugzeugs direkt in der Karte sichtbar ist, lässt sich das Umfliegen von Lufträumen und Schlechtwettergebieten wesentlich einfacher als mit Karte und GPS bewältigen. Dazu erhalten Sie bei einigen Apps optional eine farbcodierte Terrainanzeige (PocketFMS und Sky-Map) sowie eine Höhenwarnung (Sky-Map). Zumindest haben Sie meist ein Höhenprofil zur Verfügung.

Alternativ zur Karte oder in einem Fenster lassen sich auch verschiedene Instrumente zur Orientierung oder zum Einhalten des geplanten Flugwegs darstellen. Zur Auswahl stehen hier etwa ADF, Geschwindigkeit über Grund, Höhenmesser, HSI, Kompass und VOR. Eingeschränkt kann dies auch bei einem Ausfall der eigentlichen Bordinstrumente helfen.

Die Darstellung reicht selbst bis hin zum Glass Cockpit mit Geschwindigkeit über Grund und Höhe, künstlichem Horizont und synthetischer 3D-Darstellung der Umgebung in Flugrichtung. Dabei werden auch Flugplätze eingeblendet, die sich dann direkt anvisieren lassen.

Wie sicher ist das Fliegen nach einer App?

Die Informationen der Flugnavigationsprogramme erhöhen die Sicherheit beim Fliegen, wenn sie nicht ausschließlich als Informationsquelle verwendet werden und der Pilot die Bedienung der Programme beherrscht und nicht damit mehr als mit dem Fliegen beschäftigt ist. Dies gilt auch für die Flugplanung. Überprüfen Sie stets die Angaben.

Zudem sollten die Grenzen der Systeme bekannt sein und berücksichtigt werden. Die Hersteller verlangen vor jedem Programmaufruf nicht umsonst die Bestätigung, dass Sie die App auf Ihr eigenes Risiko nutzen und den Entwickler nicht für Schäden haftbar machen können.

Die Positionsanzeige beruht auf dem GPS-System, dessen Empfang beeinträchtigt und dessen Signal verfälscht sein kann. Dazu kann ein Fehler im Programm, ein leerer Akku oder eine sonstige Störung zu einem Funktionsausfall führen.

Das synthetische 3D-Bild sollte zudem nicht dazu verführen, als VFR-Pilot im Blindflug zu fliegen oder sich ohne entsprechende Ausbildung ins Gebirge zu wagen, dazu womöglich noch bei marginaler Sicht.

Was Sie für ein Glascockpit mit Anzeige der synthetischen 3D-Umgebung brauchen

Die 3D-Darstellung ist kaum mehr als ein optisches Gimmick, solange die Daten dafür nicht von einem Zusatzgerät kommen, das fest mit dem Flugzeug verbunden ist. Sonst zeigt die 3D-Darstellung die Lage des iPads im Raum an, die aber nicht zwingend die des Flugzeugs ist.

Daher sollte für ein Glascockpit auf iPad-Basis ein Zusatzgerät wie das AHRS-G mini installiert sein. Es überträgt per Bluetooth die Daten für die Fluglage und bei Wahl der Ausführung, mit Anschluss an Staurohr und statischem Druck, auch die Geschwindigkeit durch die Luft und barometrische Höhe. Die Kosten für das AHRS-G mini mit Druckanschluss liegen bei rund 900 EUR.

Welche Kosten für die Apps und Karten entstehen

Die Kosten für die Apps sind geringer. Es gibt mit Air Pro eine kostenlose Light-Version und auch die Flugplanungs-Programme iPilot und Air Nav Pro sind mit 29,99 EUR bzw. 49 EUR laut Anbieter "nicht teurer als ein gutes Abendessen".

Der Preis einer App sagt aber nichts über die Gesamtkosten aus. So ist etwa PocketFMS kostenlos, aber die App lässt sich nur mit einer jährlichen Mitgliedschaft zum Preis von 159 EUR nutzen.

Auch bei anderen Apps entstehen Folgekosten für den Kauf von Karten, die Datenupdates, Wetterdaten oder Pflichtmeldepunkte. Für iPilot werden zum Beispiel 19,90 EUR zusätzlich pro Jahr für das Datenupdate abgerechnet, 19,90 EUR für die Wetterdaten und 9,90 EUR für die Pflichtmeldepunkte. Das sind rund 50 EUR zusätzliche Kosten jedes Jahr, die bei PocketFMS in der Mitgliedschaft enthalten sind.

Air Nav Pro ist mit 49 EUR ein günstiges und sehr leistungsfähiges Programm zur Flugplanung und Flugnavigation, es entstehen jedoch auch hier weitere Kosten wie 59 EUR jährlich für die ICAO-Karte von Deutschland oder 49 EUR für die optionalen 3D-Daten. Dazu bietet Air Nav Pro keinen Support an. Zu PocketFMS und Sky-Map erhalten Sie einen Hotline-Support und können auf Messen am Stand Fragen zur Anwendung stellen.

Sky-Map erscheint mit einem Anschaffungspreis von 199,99 EUR für das Apple iPad zunächst als das teuerste Programm. Hinzu kommen noch bei Wahl der deutschen ICAO-Karte weitere 95 EUR, stattdessen ist auch die Jeppesen-Karte installierbar. Für den Abruf der Wetterdaten verursacht PC-Met rund 50 EUR weitere Kosten jährlich. Dazu können noch die Anflugkarten und AIP-Daten elektronisch erworben werden.

Die Gesamtkosten der Apps über einen längeren Zeitraum

Der Anschaffungspreis ist aber kein gutes Auswahlkriterium. Zumindest sollten die jährlichen Kosten in den Folgejahren nicht unberücksichtigt bleiben. So zahlen Sie etwa für das kostenlos angebotene PocketFMS in 6 Jahren Mitgliedsbeiträge von insgesamt 954 EUR.

Die Gesamtkosten bei Sky-Map sind trotz des höheren Anschaffungspreises von rund 200 EUR bei sechs Kartenkäufen á 95 EUR mit 770 EUR rund 180 EUR günstiger. Da für das Wetter der PC-Met-Zugang zusätzlich benötigt wird, liegen die Gesamtkosten hier insgesamt bei etwas über 1.000 EUR und damit im Rahmen der Gesamtkosten von PocketFMS.

Entscheidend kann bei der Auswahl sein, dass Sie bei Sky-Map die gewohnten ICAO- oder Jeppesen-Karten nutzen können und optional die Anflugkarten, die zu PocketFMS nicht angeboten werden. Der Funktionsumfang von Sky-Map ist zudem größer als der von PocketFMS, ebenso die Bedienerfreundlichkeit und Schnelligkeit des Kartenaufbaus.

Air Nav Pro ist vom Preis her die günstigste Wahl, denn wenn Sie jedes Jahr nur die ICAO-Karte kaufen, entstehen in sechs Jahren Gesamtkosten von lediglich 400 EUR. Die Rechnung sieht aber schnell anders aus, wenn Sie jährlich die 3D-Daten dazu erwerben und so auch wieder bei rund 1.000 EUR liegen.

Zudem haben Sie bei Air Nav Pro bis auf eine Liste von Fragen und Antworten im Internet keinen Support und es stehen nur eingeschränkt Anflugkarten zur Verfügung, die zudem recht kompliziert zu installieren sind und nicht automatisch eingeblendet werden.

Welche App die Richtige ist, entscheiden Ihre Vorlieben und Anforderungen

Die Wahl der richtigen App sollten Sie abhängig von Ihren Vorlieben treffen. Nach Auskunft von PocketFMS bevorzugen die Nutzer deren eigene Karte gegenüber der ICAO-Karte. Ist es umgekehrt oder bevorzugen Sie Jeppesen, treffen Sie mit Sky-Map die bessere Wahl.

Ebenso ist es bei den Wetterdaten. Reichen Ihnen Stationsmeldungen, sind Sie mit Air Nav Pro bereits sehr gut bedient. PocketFMS zeigt Wetterprognosen an und blendet zusätzlich Wettersymbole ein, die allerdings die Ablesbarkeit der Karte stark beeinträchtigen können. Sind Sie GAFOR-Einstufungen gewohnt und PC-Met, ist Sky-Map in dieser Hinsicht die beste Wahl. Hier erhalten Sie auch das Niederschlagsradar als Overlay.

Vorbildlich ist bei Sky-Map zudem das Einblenden der Anflugkarten. Sind Sie daran interessiert und bereit, zusätzlich Geld für die Anflugkarten auszugeben, ist diese Funktion schon allein Grund genug, sich für Sky-Map zu entscheiden.

Als Alternative können Sie zwar auch Anflugkarten als PDF-Dateien kaufen oder selbst einscannen, doch bei den PDFs erhalten Sie Ihre Position in der Platzrunde nicht angezeigt und werden durch den Wechsel zwischen Apps abgelenkt.

Weitere Informationen zu den genannten Apps

Zu den einzelnen Apps werden bei Experto.de noch Praxistests des Autors erscheinen, in denen Sie die Unterschiede bei weiteren Funktionen und die Stärken und Schwächen der jeweiligen App entnehmen können. Hier finden Sie zunächst in alphabetischer Reihenfolge die Webseiten der Hersteller zu den hier vorgestellten Apps:

Veröffentlicht am 9. Mai 2012