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Zukunft des Pop: The Beat goes on

Lesezeit: 2 Minuten Popmusik spielt auf den Jahrmärkten der Lebensstile nicht mehr die erste Geige. Aber es bleibt die Sehnsucht nach neuen, alten Helden. Der Popnachdenker Diedrich Diederichsen äußerte am Ausgang der 90er Jahre, in denen irgendwie alles Pop geworden war, dass er schlicht nicht wüsste, wie es mit der Popkultur "am Ende jenes schwarzen Lochs namens Neue Mitte" weitergehen würde. Sicher allerdings war sich Diederichsen darin, "dass es weitergehen wird". Und wie es weitergeht!

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Zukunft des Pop: The Beat goes on

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Nur eben nicht mehr in die eine Richtung. Denn die Popkultur ist schon lange keine Erzählung der Moderne mehr. Kein heroisches Streben zum Ende des Horizonts und zu immer neuen Welten.

Nach der Zukunft von Pop zu fragen, führt in diesen Tagen gleichsam auf die Festplatte eines Apple iPod – einem tragbaren, ziemlich modernen und ziemlich schicken Abspielgerät, auf dem bis zu 7.000 Musikstücke im Daten-komprimierten MP3-Format archiviert werden können – und zurück in die Vinylschallplatten und Weltanschauungen scheinbar vergangener Dekaden. Und: All die Phänomene, in denen man gegenwärtig meint, das Blut, den Schweiß und die Tränen der Pophistorie zu schmecken, sind längst nicht mehr eindeutig lesbar. Es kommt zum Zeichensalat auf den Aufnahmebändern der Poparchive.

Populäre Zukunftsmärkte: Retro und die Neue Aufrichtigkeit

Was zum Beispiel sind die zerschlissenen Converse-Sneakers, mit denen nach den unheimlich angesagten New Yorker Rockband "The Strokes" nun auch die Neue-Deutsche-Welle-Wiedergängerin Nena über all die öffentlichen Bühnen schlurft? Äußerster Ausdruck von Authentizität? Oder doch nur kunstvoller Abguss einer anderen Epoche, eines vergangenen Lebensgefühls?

Längst scheint für die knöchelhohen Leinentreter eine Vitrine im Museum der Popkultur reserviert. Nur dass das Museum der Popkultur eben wieder der Alltag, wieder die Popkultur selbst ist.

Thomas Gross sprach unlängst in "Die Zeit" davon, dass den Strokes "das Neue in den Schoß gefallen sei, weil sie keine Angst vor dem Alten hatten." Einer, dem das Neue in den Schoß gefallen war, weil er keine Angst vor dem Altern hatte, ist gerade gestorben: Country-Urgestein Johnny Cash, der mit seinen unfassbar intensiven Coverversionen von U2- oder Depeche-Mode-Songs der Popmusik in den vergangenen beiden Jahren viel von einer verloren gegangenen Konsistenz zurückgegeben hat.

In Deutschland war es derweil Herbert Grönemeyer, der die Nachfrage, ja die Notwendigkeit nach konsistenten Künstlerbiografien nachhaltig unter Beweis gestellt hat. Grönemeyer vertonte das wirkliche, große Leiden (den Krebstod seiner Frau). Grönemeyer stellte die wirklich große Frage (die Frage nach dem "Mensch"). Und er erhielt die vielleicht gar nicht mal so überraschende Antwort, dass es auch im Radio-Mainstream das Bedürfnis nach den alten Versprechen der Popmusik gab. Und das eben nicht nur Glamour, sondern vor allem Aufrichtigkeit versprach.

Letzteres taugt wohl auch als Begründung für den Erfolg der charmant vorgetragenen Konsumkritik einer Judith Holofernes und ihrer Band "Wir sind Helden", um nur einige der "Superstar"-Mechanismen gegenläufige Beispiele zu nennen.

Kann man mit einer Band wie "The Strokes", kann man mit einem Comeback wie dem von Herbert Grönemeyer also von einer neuen Wildheit, einer neuen Echtheit sprechen? Popmusik ist keineswegs tot.

Sie riecht, um eine Sentenz von Frank Zappa aufzugreifen, nicht einmal komisch. Nur hat sie sich nach dem großen Knall im Neuen Markt und der Neuen Mitte ein wenig rarer gemacht auf den Allgemeinplätzen unserer Populärkultur. Sie spielt auf den Jahrmärkten der Lebensstile nicht mehr die erste Geige.

Darin, das zu verstehen und – mehr noch – dies zu akzeptieren, liegt wohl die Zukunft der Unterhaltungsindustrie. All die Supersternchen hingegen taugen nur noch für die jeweilige Gegenwart.

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