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Was Teamleiter von Team-Gurus wie Klopp und Löw lernen können

Lesezeit: 5 Minuten Ihre Teams gewinnen oft durch vorbildlichen Teamgeist. Denn Sie bilden Teams wie sonst kein anderer. Könnten Unternehmen mit ähnlichem Teamgeist Wettbewerber überholen? Kann man das lernen? Ja und Ja!

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Was Teamleiter von Team-Gurus wie Klopp und Löw lernen können

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Exzellente Teamleiter schaffen oft unglaubliches. Finanziell benachteiligte Mannschaften, ohne echte Superstars, wie die Ronaldos oder Messis dieser Welt, werden plötzlich auf höchstem Niveau konkurrenzfähig. Neben aller fachlichen und technischen Kompetenz – die Grundlage dieses Wunders ist grandioser Teamgeist.

Jogi Löw und Jürgen Klopp machen allen anderen auf diesem Gebiet etwas vor. Sie bilden Teams wie sonst kaum einer ihrer Kollegen. Da stellen sich doch gleich ein paar Fragen: Können Unternehmen mit ähnlichem Teamgeist stärkere Wettbewerber überholen? Und können Teamleiter und Topmanager das lernen? Zwei Mal ein großes Ja!

Wo stehen Sie mit Ihrem eigenen Team? Ok, gelegentlich gibt es Meinungsverschiedenheiten, mancher kann mit dem einem Kollegen besser, mit einem anderen schlechter, jedes Teammitglied macht seinen Job…also alles ganz gut? Naja, damit sind Sie noch weit entfernt, von dem was diese Team-Zauberer auf dem Fußballrasen erreichen. Wollen Sie das auch? Lesen hier die entscheidenden Elemente, die Klopp und Co. zu den wirksamsten Team-Gestaltern der aktuellen Fußballwelt machen.

Kann man diese beiden eigentlich in den gleichen Topf werfen? Der eine pflegt einen auffällig kumpelhaften Umgang mit seinen Leuten. Ist das sein Erfolgsgeheimnis? Der andere wirkt etwas distanzierter. Man sagt ihm nach, er würde alle Spieler mit dem vertraulichen "Du" ansprechen, während er von ihnen das formale "Sie" erwartet. Aber macht das einen Unterschied?

Tatsächlich Nein: Früher sagte man noch "du A…" sagt sich schneller als "Sie A…". Aber das stimmt nicht. Kompetente Führungskräfte wissen, Autorität ist keine Frage der Anrede. Mies behandelte Mitarbeiter empfinden eine miese Beziehung zu ihrem Vorgesetzten, unabhängig von der Höflichkeitsform der Anrede. Im Zweifel genügt es, wenn sie sich das Schimpfwort nur denken. So weit darf es aber eben gar nicht erst kommen. Und genau hier liegt das erste Geheimnis.

Beide – Löw und Klopp – setzen auf ein extrem gutes Verhältnis. Und das gilt nicht nur für die Mannschaft: auch für Funktionäre, alle anderen Mitarbeiter bis zum ehrenamtlichen Helfer der Jugendmannschaften. Gegenseitiger Respekt und Teamgeist sind für alle Spieler absolute Pflicht. So kann Klopp sich z.B. fürchterlich aufregen, wenn einer seiner Spieler respektlos gegenüber einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle auftritt.

Fazit: dem Wert "Team" wird von beiden allerhöchste Bedeutung eingeräumt. Wer gegen diese Priorität verstößt, muss bei beiden, und sei die Beziehung bisher auch noch so Kumpelhaft, mit schwerwiegenden Folgen rechnen. "Arschlöcher können wir hier nicht gebrauchen, da kann einer noch so überragend kicken", so Klopp in einem Interview.

Ähnlich zeigt sich Löw, beim Rausschmiss von Ballack. Hier fordert einer, der zweifellos als Leistungsträger einzuordnen ist, eine Sonderbehandlung, wie eine Primadonna. Jeder weiß, welche Priorität Löw bei der Wahl zwischen Spitzenleistung und Teamgeist getroffen hat. Hat sich das ausgezahlt?

Angesichts der Teamleistung und des Erfolges der deutschen Nationalelf in der letzten Europameisterschaft, kann man sicher sagen, dass sich diese konsequente Prioritätensetzung durchaus bewährt. Geht das auch im Business? Wenn Sie zu den besten Teamleitern Ihrer Branche gehören wollen, sollten Sie diesen Pfad kompromisslos folgen. Wer nicht im Team spielt muss raus!

Aber wiederspricht diese Kompromisslosigkeit nicht gerade der oben geforderten positiven Beziehung zwischen Mitarbeiter und Teamchef? Absolut nicht! Berechenbare, konsequente Reaktionen fördern das Vertrauen mehr, als falsche Kompromisse. Es gilt, nicht nur im Sport, die Erfolgs-Regel der Hidden Champions: autoritär bei den Werten, partizipativ im Umgang!

Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen unseren Teamgurus und ihren Männern ausgezeichnet. Auch wenn es jeder von beiden auf seine Art macht. Beide betonen immer wieder: in unserem Team wird viel kommuniziert. Immer offen, immer gleichberechtigt, immer auf Augenhöhe. Das ist eine Grundregel für jedes Team.

Ein Boss der aus Gewohnheit oder aufgrund seiner Dominanz, seinen Leuten öfter über den Mund fährt, zerstört Vertrauen. Dummerweise wissen diese dominanten Teamleiter nichts von ihrer Schwäche. Sie handeln i.d.R. sogar entgegen besserem Wissen, ohne es zu merken. Das ist so, weil sich in so einem Regime niemand traut, dem Chef eine offene Rückmeldung zu geben.

Meinungsäußerungen und gute Einfälle werden zurückgehalten. Das Klima ist schlecht. Und der Chef spürt nur das mangelnde Engagement. Aber offenes Feedback ist Grundbedingung, wenn man Qualität erreichen will. Ein Tipp an alle Teamleiter: Fordern Sie regelmäßig offenes Feedback von Ihren Leuten, hören Sie zu und halten Sie dabei Ihren Mund!  Reden Sie offen über alles, ohne jedes Tabu. Nur so schaffen Sie Vertrauen und Teamgeist auf Nationalmannschaftsniveau.

Ein Überblick über den Weg in die Teamleiter-Elite:

  • Lieben Sie jeden Mitarbeiter. Bauen Sie gute Beziehungen zu allen Seiten auf.
  • Geben Sie dem Wert „Teamgeist“ erste Priorität.
  • Reden Sie jeden Tag darüber, was Teamgeist in Ihrer Abteilung bedeutet
  • Ahnden Sie jeden Verstoß, ohne Ausnahme. Wer nicht im Team spielen will muss raus.
  • Priorität 2 ist das Streben nach Leistung, Engagement und Qualität
  • Geben Sie immer schonungsloses Feedback.
  • Fordern Sie immer Engagement, aber werden Sie dabei nie persönlich.
  • Behandeln Sie Leistung antizyklisch. Bei guter Leistung treibe Sie an, bei schlechter Leistung fangen Sie auf. Reden Sie bei schwierigen Themen wie mit Ihrem besten Freund.
  • Bleiben Sie dabei immer ehrlich und immer fair.
  • Behandeln Sie jeden Mitarbeiter immer mit höchstem Respekt.
  • Reden Sie nie als Respektsperson, sondern sorgen Sie für Augenhöhe.
  • Sorgen Sie dafür, dass jeder immer über alles offen reden kann. Keine Tabuthemen.
  • Thematisieren Sie regelmäßig mit allen ganz offen, was gut läuft und was schlecht.
  • Hinterfragen Sie immer wieder kritisch Ihre Leistung als Teamleiter. Holen Sie aktiv Feedback ein.

Gleichzeitig ist die Bereitschaft, harte Entscheidungen zu treffen, für Teamleiter unverzichtbar. Beide, Klopp und Löw, sorgen jedoch bei jeder unangenehmen Entscheidung dafür, dass das Teammitglied den Sinn hinter der Entscheidung versteht. Das erzeugt Commitment! Überzeugend fand ich diesbezüglich die Interviews mit Nationalspielern bei der letzten EM.

Jeder der nicht in der Startaufstellung war oder trotz hohem Einsatz vom Platz geholt wurde äußerte sich später ähnlich: "Wenn der Trainer diese Entscheidung für richtig hält, dann ist es das Beste für unser Team und dann halte ich das auch für richtig." Solche Mitarbeiter wünscht man sich, nicht wahr?

Unsere Vorbild-Teamkünstler schaffen also die Gratwanderung, zwischen offener Kommunikation in vertrauensvoller Atmosphäre und Tacheles reden. Dieses Gleichgewicht ist natürlich im Alltag schwer zu finden. Und noch schwerer ist es, diesen Umgang für jede noch so unangenehme Situation aufrecht zu erhalten.

Das Geheimnis ist die innere Haltung. Wir Menschen handeln aufgrund von Emotionen, und deshalb leider nicht immer so, wie wir selbst es für richtig halten würden. Der Trick ist daher, mit der richtigen Emotion an die Sache heran zu gehen. Spitzen-Teamleiter lieben jedes einzelne Teammitglied, wie ein Mitglied ihrer Familie. Das ist nicht immer leicht.

Weder Teammitglieder noch Familie kann man sich aussuchen. Doch diese Liebe führt automatisch immer zum richtigen Verhalten. Der sehr emotionale Jürgen Klopp gibt sogar zu er habe sich in Dortmund "neu verliebt". Entsprechend sichtbar ist seine persönliche Betroffenheit, wenn ein geliebter Spieler wie z.B. Götze die Truppe verlässt.

Diese tiefe Zuneigung führt dazu, sich für den Menschen zu interessieren, ihm zuzuhören, jeden einzelnen Mitarbeiter zu fördern. Klopp weiß über alle seine Spieler, wo sie herkommen, wo sie hin wollen, wie ihre Familie aussieht und was sie privat lieben.

Ein weiterer unverzichtbarer Wert für ein Hochleistungsteam ist die Leidenschaft für Leistung. Fehlt das Streben nach Qualität, dann fehlt die Basis für Spitzenleistung. Die Folge ist Frust, bei vielen Teammitgliedern, weil ja das Ergebnis immer unbefriedigend ist. Nur wenn alle die bestmögliche Leistung und Spitzenergebnisse anstreben, also alle am gleichen Strang ziehen, kommt das Team zusammen. Der beste Klebstoff fürs Team ist der gemeinsame Stolz auf die Erfolge.

Wahrscheinlich ist jeder Bundesliga-Trainer in der Lage, hohes Engagement einzufordern. Aber oft leidet dabei die Beziehung. Die große Hürde ist dabei, Minderleistung nicht persönlich zu nehmen. Team-Experten schaffen es, Kritik deutlich vorzubringen, ohne verletzend zu werden. Im Gegenteil, Spitzen-Teamleiter verhalten sich antizyklisch.

Sie reden liebevoll, wie mit ihrem besten Freund, wenn die Leistung mies war. Sie geben Feuer, wenn gerade alles gut läuft. Jedem, der das nicht kann, empfehle ich ein gutes Kommunikationstraining. Gerade das führen schwieriger Gespräche ist eine Kernkompetenz von Teamleitern der Spitzenklasse.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Weder in dieser Analyse, noch in einem anderen der hunderte Presseartikel über diese Team-Gurus werden Teamentwicklungs-Trainings erwähnt. Ganz sicher machen beide mit Ihren Teams solche speziellen Team-Trainings, bei denen Teamentwicklungsexperten und Psychologen die Spieler spannende Team-Herausforderungen lösen lassen.

Das ist sicher auch sinnvoll. Bei so einer Veranstaltung werden unter kompetenter Beobachtung störende Verhaltensweisen sichtbar. Außerdem können neue hilfreiche Verhaltensweisen außerhalb vom Alltag eingeübt werden.

Eine gute Sache also. Aber diese Teamworkshops sind eben nicht entscheidend für den Teamerfolg unserer beiden Vorbilder. Einmal im Jahr einen Teamworkshop buchen, um das Gewissen zu beruhigen, macht noch kein gutes Team. Entscheidend ist der Alltag. Und so ist es auch bei Ihnen!

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