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Unterschiede bei der Bewerbung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Lesezeit: 4 Minuten Deutschland, Österreich und die Schweiz – kurz „DACH-Region“ genannt – haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken, seine Jobsuche nicht auf eines der Länder zu beschränken, sondern auf die gesamte DACH-Region auszuweiten. Bei einer Bewerbung in Österreich oder der Schweiz gilt es jedoch, einige kleine, aber feine Unterschiede zu kennen und zu beachten, sonst gibt es schnell Minuspunkte und die Bewerbung wird nicht weiter beachtet.

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Unterschiede bei der Bewerbung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Unterschiede bei der Bewerbung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

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Die Bewerbung in der Schweiz

Wenn Sie sich in der Schweiz für eine Stelle bewerben, gibt es einige Unterschiede zur deutschen Bewerbung.

Das Wichtigste ist:

  • Bescheidenheit! Viele Schweizer empfinden das Auftreten der Deutschen als arrogant. Während Sie in einer deutschen Bewerbung Ihre Stärken deutlich herausstellen sollten und gern ein wenig dicker auftragen dürfen, ist genau hier bei den Schweizern Zurückhaltung angesagt. Wenn Sie zum Beispiel angeben, dass Sie fließend Französisch sprechen, kann plötzlich das Bewerbungsgespräch auf Französisch abgehalten werden. Seien Sie also bei Ihren Angaben unbedingt ehrlich und eher zurückhaltend.
  • Akademische Titel werden in der Schweiz nicht dem Namen vorangestellt, außer Sie haben einen Doktortitel, den dürfen Sie auch in der Schweiz dem Namen voranstellen. Alle anderen Akademischen Grade wie Master oder Diplom lassen Sie unbedingt weg, andernfalls wirkt das negativ.
  • Vollständige Bewerbungsunterlagen sind in der Schweiz ein unbedingtes Muss. Auch bei Initiativbewerbungen (schweizerisch: Spontanbewerbung) senden Sie immer eine vollständige Bewerbungsmappe (schweizerisch: Bewerbungsdossier) ab.
  • Die Qualität der Bewerbungsunterlagen ist den Schweizern sehr wichtig! Das heißt, Sie wählen eine hochwertige Mappe aus, das Papier sollte mindestens 100g/m2 schwer sein und Ihr Bewerbungsfoto ist professionell vom Fotografen erstellt worden.
  • Der Lebenslauf wird achronisch erstellt, also das Aktuellste kommt zuerst! Außerdem lassen Sie unbedingt am Ende Datum und Unterschrift weg, dies ist ein deutlicher Unterschied zum deutschen Lebenslauf. Das Schweizer Notensystem hat wie in Deutschland Notenstufen von 1 bis 6, allerdings bedeutet in der Schweiz die Note 1 das Schlechteste und die Note 6 das Beste. Die Notengebung ist also diametral zur Deutschen, daher ist es ratsam, Ihre Noten im Lebenslauf zu erläutern, zum Beispiel so: Englisch  1 (sehr gut)
  • Am Ende des Lebenslaufs darf der Abschnitt „Referenzen“ auf keinen Fall fehlen. Dies ist im Schweizer Lebenslauf der wichtigste Abschnitt. Wenn Sie Ihre Referenzen vertraulich behandeln müssen, können Sie „Auf Anfrage“ schreiben. Ansonsten gilt es, Name, Funktion im Unternehmen, Stellung zu Ihnen (Vorgesetzter), Telefonnummer und E-Mail-Adresse anzuführen. Vorher sollten Sie jedoch Ihre „Referenzpersonen“ darüber informieren und um Erlaubnis bitten.
  • Wortunterschiede gibt es auch einige zu beachten:
    • Anlagen heißen in der Schweiz Beilagen
    • Staatsangehörigkeit heißt Nationalität
    • Familienstand ist Zivilstand
    • Bewerbungsmappe wird genannt Bewerbungsdossier
    • Bewerbungsschreiben heißt Begleitschreiben oder Motivationsschreiben
    • Wichtig: In der Schweiz gibt es kein „ß“ mehr, das heißt, Sie müssen in allen schriftlichen Texten das „ß“ durch „ss“ ersetzen, also zum Beispiel so: Freundliche Grüsse
    • Umlaute (ä,ö,ü) hingegen benutzen die Schweizer genauso wie die Deutschen, also schreiben Sie bitte nicht „Gruesse“, das wäre peinlich und falsch und gibt Minuspunkte.
    • Bei der Anrede und Grußformel wird weder ein Komma, noch ein anderes Satzzeichen verwendet, in der nächsten Zeile wird groß weitergeschrieben, also so:

      Sehr geehrte Frau Maier

      Ihre Anzeige in der NZZ habe ich…
    • In der Grußformel schreiben Sie nicht mehr „Mit freundlichen Grüßen“. Das gilt in der Schweiz als veraltet. Stattdessen schreiben Sie modern: Freundliche Grüsse
  • Das Anschreiben umfasst maximal 1 Seite
  • Der Lebenslauf darf maximal 3 Seiten lang sein
  • In der Schweiz gibt es vier Amtssprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch). Verfassen Sie Ihre Bewerbung unbedingt in der jeweils in der Region geltenden Sprache (Zürich = Deutsch; Genf = Französisch) oder in der Sprache, in der die Stellenanzeige verfasst wurde. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie im Unternehmen an und erfragen Sie, in welcher Sprache die Unterlagen erwünscht werden und fragen Sie bei dieser Gelegenheit nach dem Namen der Ansprechperson für das Bewerbungsdossier. Vermeiden Sie im deutschsprachigen Raum unbedingt beim Vorstellungsgespräch Ihre Gegenüber auf schwyzerdütsch anzusprechen. Das empfinden die Schweizer eher als Beleidigung, denn als ein positives Bemühen Ihrerseits.

Die Bewerbung in Österreich

Die Bewerbung in Österreich unterscheidet sich nicht wesentlich von der deutschen Bewerbung. Allerdings gibt es auch in Österreich einige wenige feine Unterschiede, die Sie unbedingt beachten sollten.

Genau wie in der Schweiz halten die Österreicher die meisten Deutschen für viel zu arrogant. Daher gilt auch in Österreich unbedingt Zurückhaltung und Bescheidenheit!

  • Bescheidenheit! Tragen Sie nicht zu dick auf. Was in Deutschland fast unumgänglich ist, um sich von der Konkurrenz abzuheben, gilt in Österreich als arrogant und bringt Ihnen Minuspunkte ein. Also zurückhaltend und ehrlich bleiben, sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Bewerbung.
  • Förmliches Verhalten! Machen Sie bitte nicht den Fehler, zu schnell einen vertrauten Ton anzuschlagen. Das gilt als sehr unhöflich. Bleiben Sie solange förmlich, bis Ihnen ein vertrauterer Umgangston angeboten wird.
  • Akademische Titel sind den Österreichern extrem wichtig. Es sind ehrenvolle Auszeichnungen und gehören zur Persönlichkeit unbedingt dazu. Die Persönlichkeit und den Charakter einer Person kennenzulernen und zu würdigen, ist in Österreich vielleicht der wichtigste Unterschied zu Deutschland. Also finden Sie vorab unbedingt heraus, welche akademischen Titel Ihr Ansprechpartner hat und führen Sie diese jedes Mal vor dem Namen an! Also zum Beispiel: Sehr geehrter Herr Diplom-Kaufmann Meier, … Auch beim späteren Vorstellungsgespräch müssen Sie Ihr Gegenüber immer mit dem akademischen Titel ansprechen. Darauf legen die Österreicher sehr viel wert.
  • Das Anschreiben besteht aus maximal 1 Seite und sollte enden mit:

    „Mit freundlichen Grüßen“ und einer handschriftlichen Unterschrift.
  • Der Lebenslauf umfasst maximal 2 Seiten, ist tabellarisch und chronologisch: Angaben zur Person, Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand, Staatsangehörigkeit, Ausbildungsdaten: Schule – Studium – Beruf, bisherige Berufserfahrungen, besondere Fähigkeiten und Kenntnisse (Sprachen,…), Angaben zur Persönlichkeit (Hobbys, außerberufliche Tätigkeiten: gern etwas ausführlicher, weil die Österreicher viel Wert auf die Persönlichkeit und den Charakter legen und sich hiervon gern ein Bild machen möchten). Ansonsten darf der Lebenslauf keine Lücken aufweisen und selbstverständlich sind Sorgfalt und Ordentlichkeit Pflicht. Der Lebenslauf endet wie im Deutschen mit Datum und Unterschrift.
  • Unterlagen wie Zeugniskopien, Empfehlungsschreiben, Nachweise werden zum Schluss in chronologisch absteigender Ordnung (Aktuellstes zuerst) angefügt.
  • Das Bewerbungsfoto ist bitte auch qualitativ hochwertig und vom professionellen Fotografen erstellt worden.

Wenn Sie sich in der Schweiz oder in Österreich bewerben, dann ist es immer eine gute Idee, sich vor dem ersten Gespräch mit Land und Leuten vertraut zu machen. Beide Länder haben so viel mehr zu bieten als nur Skivergnügen im Winter. Lernen Sie also vorher unbedingt einige Besonderheiten der Gegend kennen, aber hüten Sie sich davor, im Gespräch besserwisserisch herüberzukommen. Diesen Ruf genießen die Deutschen nämlich leider auch in beiden Ländern und das bringt keine Sympathiepunkte ein.

Bildnachweis: contrastwerkstatt / stock.adobe.com

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