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Übergewichtige haben bei der Jobsuche die schlechteren Karten

Übergewichtige haben bei der Jobsuche die schlechteren Karten
geschrieben von Julia Poluliakh

Was lange spekuliert wurde, konnte mit einer Studie belegt werden. Wer zu viel auf den Rippen hat, der muss im Job und bei der Jobsuche mit vielen Problemen rechnen. Gehören Sie zu der gar nicht mal kleinen Personengruppe, die diverse Kilos zu viel mit sich herumtragen muss?

Dann haben Sie nicht nur unter dem Aspekt des eigenen Wohlfühlens und der Gesundheit einen mehr oder minder gewichtigen Nachteil, sondern auch gesellschaftlich. Insbesondere im Berufsleben kann das berüchtigte Hüftgold zum Problem werden.

Natürlich hat man eigentlich schon immer davon gehört, dass Übergewichtige bei der Arbeitssuche oder auch im Berufsalltag mit besonderen Stolpersteinen zu kämpfen haben. Hat man jedoch bei Verantwortlichen nachgefragt, dann wurde das fast immer dementiert. Die Realität schien aber immer eine andere Sprache zu sprechen.

An der Universität Tübingen hat man sich genau um dieses Thema gekümmert und eine Studie ins Leben gerufen. Diese Studie zeigt, dass übergewichtige Menschen mitunter deutlich herabgewertet werden und bei Personalentscheidern schlechte Karten haben. Es stimmt also doch, was immer vermutet wurde.

Die Ergebnisse der Studie

Im Rahmen der genannten Studie wurden insgesamt 127 Personalentscheider befragt. Konkret sollten diese Entscheider anhand von Bewerbungsfotos Urteile über verschiedene Bewerber abgeben. Auf den Fotos waren Männer und Frauen abgebildet, allesamt im ähnlichen Alter. Einige davon waren übergewichtig, andere wiederum im normalen Gewichtsbereich angesiedelt. Um möglichst wenig ablenkende Faktoren zu haben, trugen alle Muster-Bewerber ein weißes T-Shirt und eine Jeans.

Die Personalentscheider hatten nun die Aufgabe, den Bewerbern vorgegebene Berufe zuzuordnen und zudem zu beurteilen, welche Chancen die jeweiligen Kandidaten auf eine Stelle als Ausbildungsleiter hätten. Das Ergebnis war eindeutig und erschütternd. In fast allen Fällen schnitten die übergewichtigen Muster-Bewerber sehr viel schlechter ab als die normalgewichtigen Kandidaten. Es wurde ihnen fast immer jene Berufe mit eher geringem Ansehen zugesprochen, und so gut wie nie die Chance auf den Abteilungsleiter-Posten.

Frauen haben das größte Problem

Das Ergebnis ist völlig klar, das Potenzial der Übergewichtigen wurde völlig unterschätzt. Denn die Auswahl der Personen war ja rein vom optischen Reiz geprägt, keiner der Entscheider hatte eine Ahnung davon, welch hohe Qualifikationen wirklich hinter dem Bewerber lauern.

Dass Übergewicht und Qualifikation in keinem Zusammenhang stehen, beweist die Realität. Greift man zu den Daten von repräsentativen Umfragen zur Berufsverteilung in Deutschland, zeigt sich schnell, dass sehr wohl übergewichtige Frauen und Männer hoch qualifiziert sind und entsprechende Berufe mit hohem Prestige ausüben.

Verglichen mit der Studie, in der eingeschätzt werden sollte, wie groß der Anteil der Übergewichtigen mit hoher Stellung in Deutschland ist, waren die Unterschiede eklatant. Die Anzahl der übergewichtigen Männer liegt rund fünfmal höher als bei der Umfrage, bei den Frauen ist sie sogar achtmal höher. Und nur 6% der adipösen Frauen wurden überhaupt zugetraut, Chancen auf eine Abteilungsleiter-Stellung zu haben.

Interessantes Gegenteil: Bei der Einstufung der normalgewichtigen Musterbewerber gab es keinen merklichen Unterschied zwischen Mann und Frau. Hier scheint es den Entscheidern also offensichtlich leichter gefallen zu sein, „politisch korrekt“, also gleichberechtigt, zu entscheiden.

Auswege aus der Diskriminierung

Gehören Sie zu den Betroffenen, dann haben Sie möglicherweise ähnliche Erfahrungen gemacht und sehr viele Hürden auf dem Weg zum Job nehmen müssen. Vielleicht sind Sie auch aktuell noch auf der Arbeitssuche und stellen fest, dass Ihnen keine Chance gegeben wird.

Der eigentlich einzige logische Ausweg aus dieser Problematik beim Bewerbungsverfahren ist der Verzicht auf das Bewerbungsfoto. Schon vor einiger Zeit war ein solches Vorhaben als neuer Standard in der Diskussion, um eben damit Einstufungen aufgrund von Äußerlichkeiten zu unterbinden. Und betrachtet man die aktuelle Studie, dann zeigt sich schließlich auch ganz deutlich, wie nötig ein solcher Schritt wäre.

n Deutschland hat sich auf diesem Sektor bislang noch nichts weiter getan, in Teilen der USA ist man da deutlich weiter. Dort ist es schon seit einiger Zeit üblich, den Bewerbungen keine Fotos mehr beizulegen, um die Entscheidung für den nächsten Bewerber nicht vom Äußeren beeinflussen zu lassen. Es zählen letztlich nur noch die Kenntnisse im Beruf und um die sollte es schließlich auch in erster Instanz beim Auswahlverfahren für neue Mitarbeiter gehen.

Einen kleinen Positiv-Trend gibt es auch in Deutschland. Dieser setzt nicht bei den Bewerbern an, sondern bei den Entscheidern und deren Objektivität. Eine objektive Entscheidung zu treffen ist nicht etwa nur von der persönlichen Einstellung des Entscheiders abhängig, so etwas kann man auch lernen.

Aus diesem Grund gibt es Seminare für diese Personengruppe, in denen das objektive Beurteilen und Entscheiden gelernt werden kann. Wenn Sie letztlich an solch einen Entscheider geraten, dann haben Sie deutlich bessere Karten als bisher. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie entsprechend gute Referenzen vorweisen können.

Die unkonventionelle Art

Die neuen Entwicklungen bei den Entscheidern werden nur mit Verzögerung eine Wirkung zeigen. Fakt ist und bleibt vorerst, dass sich eher wenig bis gar nichts ändern wird. Es liegt also letztlich an Ihnen selbst, etwas aus der aktuell mehr als schwierigen Lage zu machen. Und hier kann Ihnen letztlich nur durchaus empfohlen werden, als Pionier tätig zu werden.

Das heißt im Klartext: Verzichten Sie auf ein Bild in Ihrer nächsten Bewerbung. Und damit Ihnen gar nicht erst Schlampigkeit oder Vergessenheit unterstellt werden kann, fügen Sie auch eine entsprechende Bemerkung bei. Teilen Sie (möglichst wortgewandt formuliert) mit, dass Sie bewusst auf ein Bild verzichten, um der Chancengleichheit eine faire Chance zu geben und dass Sie auf entsprechendes Verständnis hoffen.

Natürlich wird man sich auf Entscheider-Seite denken können, dass etwas mit dem Äußeren nicht so ideal gelaufen ist. Andernfalls käme wohl kaum jemand auf die Idee, zu solchen Mitteln zu greifen. Der Schritt des Weglassens bleibt jedoch innovativ und macht Sie daher noch einmal interessanter. Die Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch könnten damit durchaus steigen und der Traumjob damit auch etwas näher rücken. Lassen Sie es doch einfach einmal darauf ankommen.

Bildnachweis: ronstik / stock.adobe.com

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Julia Poluliakh