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Texten Sie sorgsam: Verstärker, die abschwächen…

Lesezeit: 2 Minuten Deutsche Sprache, vielseitige Sprache: So haben sich viele eher konkrete Begriffe inzwischen zu verstärkenden Ergänzern entwickelt, die eher abstrakt daher kommen. Denken Sie bloß an „echt gut“… Doch manche wirken gegenteilig …

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Ganze vier Monate?

Gemeint war das Gegenteil, nämlich „volle vier Monate“ lang dauerte ein bürokratischer Vorgang, der auch binnen vier Tagen hätte erledigt sein können. Wenn Sie „ganze“ anwenden, versteht Durchschnitts-Leser heutzutage darunter „oh, überraschend wenig!“. So hat sich die Semantik dieses Wortes im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gewandelt. Sie kennen das auch anderweitig, siehe die Antwort auf die Frage „Und, wie geht´s so?“: „Oh, ganz gut so weit…“. Sonst hieße das „sehr gut“ oder gar „ausgezeichnet“. „Ganz“ steht also maximal für mittelprächtig … Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa in der geflügelten Phrase „ganz oder gar nicht“

… bestimmt noch nicht?

Ja, damit schränken Sie ein! „Daran haben Sie bestimmt noch nicht gedacht?!“ drückt aus, dass Sie darüber unsicher sind, ob … Eine sichere Aussage wäre „Daran haben Sie noch nicht gedacht!!“ oder noch stärker „Daran haben Sie nicht gedacht!!!“. Merken Sie, je weniger Wörter vor der eigentlichen Aussage stehen, desto stärker wird sie. Das heißt, markiert wird, was weniger eindeutig ist. Abgesehen davon, Sie ahnen es, dass mich die Negation natürlich stört: Unser Gehirn tut sich schwer, sprachliche Negation zu verarbeiten – und denkt hier an „daran … gedacht“. Nochmals kontraproduktiv also! Alternative? Probieren Sie in solchen Fällen immer eine Frage: „Haben Sie (denn) (schon einmal) daran gedacht …?“, voila!

Doppelt gemoppelt?

Natürlich schwächt auch das „ab“ im erweiterten Wort „abschwächen“ der Überschrift dieses weiter ab – wirklich das Wort, weniger den Vorgang. Denn auch „aufschwätzen“ schwächt das Verb: Wozu bräuchten Sie sonst ein Affix?! Seien Sie also generell zurückhaltend damit, Ihre Verben zu erweitern. Vor allem bei Fremdwörtern, wie an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert: Bei „oktroyieren“ ist ein davor gestelltes „auf-„ widersinnig, bedeutet das Fremdwort doch eben „jemand etwas aufdrücken“. Dieses eine Beispiel mag für die vielen anderen stehen, auf die Sie in Alltags-Texten inzwischen leider immer häufiger treffen, oh weia! (Natürlich gibt es auch hier treffliche Ausnahmen, wenn nämlich durch Affixe eine neue Bedeutung entsteht: „ansparen“ meint „nach und nach ….“.)

Was bedeutet das für Ihre Texte?

Weniger ist oft mehr weiß schon der Volksmund … Statt „über die Stränge zu schlagen“ und damit kontraproduktiv die Bedeutung zu verändern, kehren Sie besser zur Grundform zurück bzw. lassen Sie ein Wort für sich wirken. Oder Sie tauschen das Wort aus, siehe oben „voll“ statt „ganz“! – Übrigens, ein Blick in den DUDEN kann Wunder wirken – der neue ist gerade erschienen, die 26. Auflage. Für den ersten Blick mag die Online-Version genügen, die gratis Kurz-Auskünfte bietet, unter www.duden.de.

Bildnachweis: Drobot Dean / stock.adobe.com

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