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Steuerfalle Berliner Testament

Lesezeit: 2 Minuten Das gemeinschaftliche Ehegattentestament ist fast so beliebt wie die Ehe selbst. Die meisten verheirateten Paare greifen daher bei der Formulierung des letzten Willens zum sogenannten Berliner Testament. An die Erbschaftsteuer denken dabei die wenigsten – ein Fehler, der sich vermeiden und auch reparieren lässt.

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Steuerfalle Berliner Testament

Steuerfalle Berliner Testament

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Die Vorteile des klassischen Ehegattentestaments

Beim Berliner Testament setzen sich die Ehegatten gegenseitig zum alleinigen Vollerben ein. Schlusserben nach dem Tod des Letztversterbenden werden regelmäßig die gemeinsamen Kinder. Eine solche Regelung ist in vielen Konstellationen zweckmäßig. Insbesondere verhindert sie im ersten Erbfall eine streitanfällige Erbengemeinschaft. Der überlebende Partner kann als Alleinerbe frei über den Nachlass verfügen, also zum Beispiel allein über den Verbleib von Vermögenswerten wie dem Familienheim entscheiden.

Vor allem für junge Familien mit minderjährigen Kindern und überschaubarem Vermögen macht diese Testamentsform Sinn.

Verschenkte Freibeträge bei der Erbschaftsteuer

Dass die Kinder beim ersten Erbfall enterbt werden, ist aber nicht ganz unproblematisch. Die dadurch entstehenden Pflichtteilsprobleme sind vielen Erblassern bewusst. Daher fügen sie sogenannte Pflichtteilsstrafklauseln in ihr Testament ein. Wer sich dem Willen der Eltern widersetzt und schon beim ersten Erbfall seinen Pflichtteil fordert, setzt dann seine Erbenstellung für den zweiten Erbfall aufs Spiel.

Übersehen wird aber regelmäßig die steuerliche Dimension der Alleinerbenstellung des Ehegatten. Erbt nur dieser, können die erbschaftsteuerlichen Freibeträge der Kinder im ersten Erbfall nicht genutzt werden. Diese betragen derzeit immerhin 400.000 Euro je Kind. Zwar hat auch der Ehegatte einen persönlichen Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro sowie zusätzlich einen Versorgungsfreibetrag. Bei größeren Nachlässen, zum Beispiel mit Immobilien in hochpreisigen Ballungsräumen, reichen diese Beträge heute jedoch häufig nicht mehr aus.

Notfallmaßnahmen im Erbfall

In vielen Fällen schlägt das Finanzamt sogar doppelt zu. Beim zweiten Erbfall fällt den Kindern nämlich das komplette Elternvermögen auf einen Schlag zu, so dass die Freibeträge womöglich erneut nicht ausreichen.

Verstirbt ein Elternteil mit einem Ehegattentestament, sollte sich daher der Überlebende mit den Kindern zusammensetzen und überlegen, ob wie die steuerlichen Folgen eines solchen Berliner Testaments entschärft werden können. Je nach familiärer Konstellation und Vermögensverhältnissen kann es geboten sein, dass die Kinder Pflichtteilsansprüche geltend machen oder der Alleinerbe gegebenenfalls sogar das Erbe ausschlägt. Dabei wird stets das Ziel verfolgt, die Erbschaft auf möglichst viele Köpfe (also Freibeträge) zu verteilen.

Steueroptimierung schon bei der Testamentserrichtung

Besser als solche Rettungsmaßnahmen im Erbfall ist natürlich die steueroptimierte Gestaltung bereits im Ehegattentestament. Der Königsweg ist dabei der des Vermächtnisses für die Kinder im ersten Erbfall. Die Nachkommen werden auf diese Weise wirtschaftlich bereits am Nachlass beteiligt. Im Gegensatz zur Erbeinsetzung entsteht bei der Vermächtnislösung jedoch keine Erbengemeinschaft. Der überlebende Ehegatte muss sich also grundsätzlich weiter nicht reinreden lassen.

Die Vermächtnisse der Kinder können sich dabei entweder an den zur Verfügung stehenden Freibeträgen für die Erbschaftsteuer orientieren oder aber flexibel gewählt werden. Bei einem sogenannten „Supervermächtnis“ kann dann der überlebende Ehegatte bestimmen, welches der Kinder wann welche Zuwendung bekommt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Versorgungsinteressen des Längerlebenden nicht der Steueroptimierung geopfert werden.

Bildnachweis: pusteflower9024 / Adobe Stock

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