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Sprachliche Varietäten im Italienischen: Kennen Sie sich aus?

Lesezeit: 2 Minuten An Überraschungen fehlt es nie, wenn es darum geht, immer neue Varietäten im Italienischen kennenzulernen. Das hängt größtenteils davon ab, dass Italien bis etwas Mitte 1800 aus verschiedenen kleinen Staaten unter verschiedenen herrschenden Häusern bestand (etwa wie die deutschen Territorialstaaten im Mittelalter), wobei sich Elemente der jeweiligen Sprachen in die lokalen Mundarten eingeschlichen haben und in einiger Hinsicht weiterhin bestehen. Lernen Sie hier weitere Varietäten des Italienischen kennen!

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Sprachliche Varietäten im Italienischen: Kennen Sie sich aus?

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Wenn Sie z.B. in Venetien sind, das lange dem habsburgischen Kaiserreich angehörten, werden Sie oft jemand sagen hören:

  • Vado a bermi una sgnapa = Ich gehe einen Schnaps trinken.
  • Molto buona questa sgnapa = Sehr gut, dieser Schnaps.

Ja: Sie haben richtig erraten: Das deutsche Wort hat sich in der in dieser Gegend gesprochenen italienischen Varietät erhalten!

Und wenn man eine absolute Verneinung ausdrückt:

  • Non ho visto nessuno, non c’era nessuno, kein = Ich habe niemanden gesehen, es war niemand da.
  • Non ha voluto assolutamente ascoltarmi, kein = Sie hat mir absolut nicht zuhören wollen.

Sie haben nicht falsch gelesen: Die Nachkommen der Untertanen Franz-Josephs gebrauchen immer noch „kein“ (ungebeugt, fast als Adverb), um einer negativen Situation Nachdruck zu geben.

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Italienische Varietäten in Piemont

Wenn ein Nordwestitaliener aus Piemont äußern will, dass er sich richtig ordentlich blamiert hat, wird er wahrscheinlich sagen:

  • Mi sono fatto una tampa/mina = Ich habe einen Bock geschossen / mir eine Blöße gegeben.

Immer noch in Piemont bezeichnet man mit gelda („Geld“) ein inoffizielles, manchmal ungesetzliches und nicht geschuldetes Trinkgeld (also genauer gesagt Schmiergeld), das man jemandem gibt, damit etwas (ein Verfahren, ein Prozess, u.ä.) beschleunigt/verlangsamt oder überhaupt (nicht) gemacht wird, oder die Wendung nimmt, die man sich wünscht:

  • Hanno dato la gelda al medico per trovare rapidamente un posto all’ospizio per la nonna = Sie haben dem Arzt (Trink-/Bestechungs-)geld gegeben, um schnell eine Stelle im Altersheim für die Großmutter zu finden.
  • Se vuoi che il processo venga insabbiato, devi pagare una gelda = Wenn Du willst, dass der Prozess versandet, musst du Bestechungs/-Schmiergeld zahlen.

Der berühmte italienische Schriftsteller Riccardo Bacchelli aus Bologna (Emilia-Romagna) gebraucht in seinem Roman Il Mulino del Po („die Po-Mühle“) das Wort bietolone (Dummkopf, Tölpel):

  • Non hai capito perché sei un bietolone = Du hast das nicht verstanden, weil Du ein Trottel bist.

Italienische Varietäten am Lago Maggiore

Wenn Sie eine Bäckerei im Raum von Lago Maggiore betreten und ein Brötchen kaufen möchten, dann versteht man Sie am besten, wenn Sie sagen:

  • Vorrei una micca / micchetta = Ich hätte gern ein Brötchen.

In demselben geographischen Raum werden Kinder als bocia bezeichnet, eine Bezeichnung, die auch jungen Soldaten gilt. Kurios ist der Ursprung des Wortes: aus boccia („Kugel“), weil einst Kindern der Kopf kahl geschoren wurde und Soldaten immer noch wird.

Weitere Varietäten im Italienischen

Ein Sizilianer, der zu einem anderen fetuso sagt, meint eigentlich, dass der andere „schlimm“ / „schlecht“ ist. Komisch ist aber zu bemerken, dass wortwörtlich fetuso „stinkend“ heißt und auf das durchaus italienische fetore (Gestank) zurück führt.

Wollen Sie eine halbmondige Brioche essen? Dann müssen Sie in Norditalien um ein croissant bitten, aber in Rom versteht man Sie nur, wenn Sie cornetto („Hörnchen“) sagen!

Wenn Sie im Mailänder Raum eine schöne, schicke, elegante Frau sehen, die sich gern zur Schau stellt und in den Vordergrund spielt, da können Sie sagen: che scialona! Bemerkenswert ist es, dass dieses Wort in Hochitalienisch einen verschwenderischen Menschen weiblichen Geschlechts angibt.

Und um diesen Artikel zu beenden, sagen wir Ihnen, dass, wenn Sie sich an einen Mailänder Stadtpolizisten wenden wollen, Sie einen ghisa suchen müssen. Faszinierend genug ist auch die Geschichte dieses Wortes: ghisa ist das Gusseisen, und da die Hüte der Mailander Stadtpolizisten gussfarbig sind…

Italien: kleines Land aber sprachlich reich!

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