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So zahlen Sie nur auf tatsächliche Einnahmen Steuern

Lesezeit: 10 Minuten Der Streit über die Kasse zwischen Ihnen und dem Betriebsprüfer entbrennt schnell, wenn Sie keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Welche das sind, lesen Sie hier.

10 min Lesezeit
So zahlen Sie nur auf tatsächliche Einnahmen Steuern

So zahlen Sie nur auf tatsächliche Einnahmen Steuern

Lesezeit: 10 Minuten

Der Streit um die Führung einer Kasse ist ein absoluter Klassiker bei Auseinandersetzungen zwischen Unternehmer und Betriebsprüfer. Je bedeutender der Anteil bar abgewickelter Geschäfte an den Gesamtumsätzen ist, umso streitanfälliger ist dieser Punkt. Gelingt es dem Prüfer, formelle Fehler bei der Kassenführung nachzuweisen, sind Tür und Tor dafür geöffnet, dass – wird bei Ihnen die Kasse geprüft – der Prüfer Einnahmen hinzuschätzt, die Sie vielleicht gar nicht hatten.

Empfindliche Steuernachzahlungen sind die Folge. Lesen Sie daher, welche Maßnahmen Sie treffen sollten, um für den Fall einer Betriebsprüfung gewappnet zu sein und dem Prüfer keine Möglichkeit zu geben, Ihre Einnahmen zu schätzen.

So sichern Sie sich bei Bargeschäften optimal ab

Bargeschäfte sind ein beliebtes Prüfungsfeld im Rahmen von Betriebsprüfungen. Im Gegensatz zu Einzahlungen auf dem Bankkonto werden Bareinnahmen nicht von dritter Seite registriert und dokumentiert.

Das müssen Sie – führen Sie Bargeschäfte aus – selbst machen. Tun Sie das in einer Weise, mit der Sie das Finanzamt davon überzeugen, dass Sie auch wirklich alle Einnahmen ordnungsgemäß erfasst haben und versteuern. Grundsätzlich sind Sie verpflichtet, jeden Geschäftsvorfall einzeln aufzuzeichnen. Jede Bareinnahme muss also dokumentiert werden.

Wenn Sie eine einfache Registrierkasse haben, die das nicht von sich aus macht, dürfen Sie bestimmte Erleichterungen in Anspruch nehmen. Gesetzliche Vorgaben, wie Sie Ihre Kasse genau zu führen haben, gibt es nicht. Grundsätzlich können Sie Ihre Kasse auch in Form einer geordneten Belegablage führen, also indem Sie alle Einnahmen- und Ausgabenbelege beispielsweise zeitlich geordnet ablegen. Sie können sich auch eines beliebigen PC-Systems bedienen.

Das bestätigt der Bundesfinanzhof in einer neueren Entscheidung (Urteil vom 16.12.2014, Az. X R 29/13, Rz. 18). Er bringt darin klar zum Ausdruck, dass Sie in der Wahl Ihres Aufzeichnungsmittels frei sind. Sie können Ihre Bareinnahmen manuell oder mithilfe technischer Hilfsmittel aufzeichnen.

Wichtig für Sie ist dabei zu wissen: Wenn Sie sich für ein modernes Kassensystem entschieden haben, müssen Sie die Möglichkeiten, die dieses System bietet, auch den Prüfern des Finanzamts zur Verfügung stellen. Wenn also alle Geldein- und -ausgänge von Ihrer Kasse registriert werden, darf auch das Finanzamt auf Anforderung Einblick in diese Aufzeichnungen nehmen, und zwar in der Form, in der die Daten gespeichert werden: Ausdrucke der elektronischen Daten reichen nicht aus.

Warum Sie Ihre Geschäftskasse besonders sorgfältig führen sollten

Gehört Ihr Betrieb zu denen, die ausschließlich, überwiegend oder größere Barumsätze tätigen, müssen Sie eine Geschäftskasse führen. Dabei kommt der Ordnungsmäßigkeit der Kassenführung für Ihre Buchführung und Ihre Gewinnermittlung eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Die Betriebsprüfungen der letzten Zeit haben insbesondere sogenannte „bargeldintensive Branchen“ im Blickpunkt. Bargeldintensive Branchen sind z. B.:

  • Bäcker,
  • Metzger,
  • Gastwirte.
  • Sonstige Einzelhändler
  • Friseure, Handwerker
  • Taxiunternehmer
  • Apotheker

Gelingt es dem Prüfer, die Ordnungsmäßigkeit Ihrer Kassenführung zu widerlegen, erleichtert ihm das, Zuschätzungen zu Ihren Betriebseinnahmen vorzunehmen. Die Höhe der Zuschätzung wird er dann aufgrund weiterer Prüfungsergebnisse oder Kalkulationen bestimmen.

Auch ein guter Steuerberater kann den Streit dann sinnvoll nur noch um die Höhe der Nachforderung führen, nicht mehr um die Nachforderung an sich.

Im Rahmen seiner Prüfung wird sich der Prüfer Ihre Kassenbelege und -aufzeichnungen ansehen und Ihr Kassenbuch prüfen. Er prüft die formelle und die sachliche Richtigkeit und Vollständigkeit Ihrer Belege und Aufzeichnungen. Wenn Sie eine EDV-gestützte Kasse führen, wird er sich zusätzlich die Programmierung Ihrer Kasse und die davon erzeugten Kassenberichte ansehen.

Ist er dazu selbst nicht in der Lage, wird er einen Kassensachverständigen hinzuziehen. Die Finanzämter haben Spezialisten, die in EDV-Kassen ausgebildet sind, in ihren Reihen.

Das bedeutet für Sie: Auch wenn Sie inhaltlich alles richtig gemacht, alle Ihre Bareinnahmen und -ausgaben also vollständig aufgezeichnet haben, schätzt der Prüfer Einnahmen hinzu, die Sie nie erzielt haben, weil Sie einen formalen Fehler gemacht haben. Wie Sie Ihr Kassenbuch formal richtig führen, lesen Sie im Folgenden. Das ist wichtig, denn jeder Euro, den der Prüfer hinzuschätzt, bedeutet für Sie:

  • höhere Einkommensteuer
  • höhere Umsatzsteuer
  • höhere Gewerbesteuer

Gegen eine pauschale Änderung Ihrer Besteuerungsgrundlagen, also Gewinn oder Umsatz, schützt Sie eine formal ordnungsgemäße Aufzeichnung Ihrer Geschäftsvorfälle (§ 158 Abgabenordnung).

Das versteht man unter einem Kassenbuch

Wenn Sie in einer Branche tätig sind, in der Sie viel mit Bargeschäften zu tun haben, werden Sie eine Geschäftskasse haben. Wichtig ist, dass Sie in einem Kassenbuch alle Ihre Geldein- und -ausgänge dokumentieren. Das Kassenbuch ist damit das buchmäßige Abbild Ihrer Geschäftskasse.

Führen Sie das Kassenbuch zeitnah und vollständig, am besten täglich nach Geschäftsschluss. Alles, was Sie bar einnehmen oder ausgeben, gehört als Dokumentation in Ihr Kassenbuch hinein. Unverzichtbar für ein Kassenbuch sind diese Angaben:

  • Bareinnahmen
  • Barausgaben
  • Privatentnahmen
  • Privateinlagen
  • Abhebungen vom Bankkonto zur Einlage in Ihre Kasse
  • Entnahmen aus Ihrer Kasse zur Einzahlung auf Ihr Bankkonto

Notieren Sie im Kassenbuch alle Bargeldbewegungen einzeln in ihrer zeitlichen Reihenfolge.

Wenn Sie sich verschrieben haben

Grundsätzlich dürfen Sie Eintragungen in Ihrem Kassenbuch nicht ändern. Schreiben Sie Ihr Kassenbuch also, wenn Sie es auf Papier führen, mit einem dokumentenechten Stift, z. B. einem entsprechenden Kugelschreiber. Ein Bleistift eignet sich also nicht dafür. Sollte Ihnen ein Fehler unterlaufen sein, korrigieren Sie ihn im Kassenbuch.

Praxis-Tipp

Es ist wichtig, dass bei einer Korrektur der ursprüngliche Eintrag lesbar bleibt. Sie dürfen Ihre Eintragungen im Kassenbuch also nicht überschreiben, überkleben, auslöschen, radieren oder mit Tipp-Ex übermalen. Streichen Sie den fehlerhaften Eintrag einfach durch, sodass er lesbar bleibt, und schreiben Sie den richtigen Eintrag darüber oder daneben.

Wenn Sie den Fehler erst einige Tage nach Ihrem ursprünglichen Eintrag bemerken, ist es sinnvoll, auch das Datum der Korrektur zu vermerken.

Das Kassenbuch müssen Sie in lesbarer Form 10 Jahre lang aufbewahren. Daraus folgt, dass Sie ein Kassenbuch nicht mithilfe eines Tabellenkalkulationsprogramms wie z. B. Microsoft Excel führen dürfen.

Bei einem solchen Programm sind nämlich jederzeit Änderungen, die nicht nachvollzogen werden können, möglich. Wenn Sie das Kassenbuch nach dem soeben beschriebenen Muster führen, wird der Kassenbestand nicht täglich ausgewiesen, sondern erst am Ende, wenn Sie den Saldo auf die nächste Seite übertragen.

Das birgt ein Risiko in sich: Es können rechnerische Kassenfehlbestände entstehen, die Sie zunächst nicht bemerken. Ein Kassenfehlbestand liegt vor, wenn in Ihrer Kasse tatsächlich weniger Geld vorhanden ist, als Sie errechnet haben.

Praxis-Tipp

In Ihrer Kasse muss jeden Tag exakt der Bargeldbestand vorhanden sein, den Sie rechnerisch ermitteln können. Ist das nicht der Fall, haben Sie sich bei Ihren Aufzeichnungen versehen. Einen negativen Kassenbestand kann es – anders als auf einem Bankkonto – niemals geben, denn Sie können nicht mehr Bargeld ausgeben, als in Ihrer Kasse vorhanden ist.

Betriebsprüfer sind findig. Ein beliebter Ansatzpunkt für die Prüfung der Kasse ist, negative rechnerische Kassenbestände aufzuspüren. Gelingt dem Prüfer das, weil Sie beispielsweise die Reihenfolge von Einnahmen und Ausgaben bei Ihren Aufzeichnungen nicht beachtet haben und Einnahmen erst zu spät erfassen, wird der Prüfer annehmen, dass Sie Einnahmen nicht erfasst haben.

Er erhöht Ihre Betriebseinnahmen dann um einen geschätzten Betrag, um Ihren Kassenfehlbestand auszugleichen. Auf diesen hinzugeschätzten Betrag zahlen Sie dann Steuern.

So führen Sie eine offene Ladenkasse

Die soeben dargestellte Art des Kassenbuchs eignet sich für Geschäftskassen, in denen nur wenig Bewegung ist.

Wenn Sie häufig auch kleinere Bargeschäfte tätigen, sollten Sie täglich einen Kassenbericht erstellen und Ihren Kassenbestand ermitteln. Wenn Sie das ohne technische Unterstützung machen, spricht man von einer offenen Ladenkasse. Ich empfehle Ihnen, Ihre Bareinnahmen und Barausgaben täglich zu ermitteln und mit Ihrem tatsächlichen Bargeldbestand zu vergleichen.

Das wird Kassensturz genannt und sollte zu Ihrem üblichen Abschluss Ihres Arbeitstages gehören. Wenn Sie das Kassenbuch erstellen, gehen Sie vom ausgezählten Kassenbestand bei Geschäftsschluss aus. Hierfür verwenden Sie einen Kassenbericht. Gehen Sie dabei von dem im Kassensturz ermittelten Bargeldbestand bei Geschäftsschluss aus.

Praxis-Tipp

Im Handel finden Sie hin und wieder auch Kassenberichtsmuster, die nicht diesem System entsprechen. Damit wird aus dem Kassenendbestand des Vortages der Bestand bei Geschäftsschluss berechnet. Verwenden Sie keinesfalls solche Berichte! Sie signalisieren dem Betriebsprüfer, dass Sie Ihre Kasse lediglich buchmäßig führen und nicht regelmäßig zählen.

Ihr Tagesendbestand muss tatsächlich ausgezählt werden. Eine reine Berechnung ist nicht zulässig, denn die Berechnung der Bareinnahmen ist für den Prüfer nicht sicher nachvollziehbar. Ein ordnungsgemäßer Kassenbericht stellt sicher, dass die Vollständigkeit der einzelnen Blätter des Berichts in irgendeiner Weise gesichert ist.

Es ist dafür aber nicht unbedingt erforderlich, dass Sie ein gebundenes Buch verwenden. Es reicht völlig aus, dass Sie die einzelnen Blätter lose und nicht nummeriert in zeitlicher Reihenfolge übersichtlich in einem Ordner ablegen. Wichtig ist dabei nur, dass Sie dann die Vollzähligkeit der Blätter anhand der Datumsfolge und des Übertrags der Endbestände auf den jeweils folgenden Tag prüfen und dass der Betriebsprüfer das auch leicht und schnell nachvollziehen kann.

Ich empfehle Ihnen, täglich ein Zählprotokoll Ihres Kassenbestandes zu erstellen und es Ihrem Kassenbericht beizufügen. Auf diese Weise sichern Sie sich optimal gegen Vorwürfe des Finanzamts ab, Sie würden Ihren Kassenbestand lediglich berechnen und nicht tatsächlich zählen.

Wenn Sie eine Registrierkasse führen, die Tagesabschlussbons (sogenannte Z-Bons) ausdrucken kann, ist es ausreichend, wenn Sie in Ihrem Kassenbuch täglich die Tageseinnahmen in einer Summe jeweils getrennt nach Ihren einzelnen Kassen aufzeichnen. Führen Sie also für jede Kasse ein Kassenbuch.

Definition: Tagesendsummenbons werden auch als Z-Bons bezeichnet. „Z“ kommt von „zero“ = null. Nach dem Ausdruck des Z-Bons werden alle Einzelbuchungen der Kasse gelöscht, also auf null gestellt, und sind daher im Nachhinein nicht mehr abrufbar.

Praxis-Tipp

Auch wenn Sie nur geringe Barumsätze tätigen und auf Ihrem Geschäftskonto nur wenige Bewegungen stattfinden, dürfen Sie beide Konten keinesfalls zu einem „Sammelkonto“ vereinigen. Bare und unbare Geldbewegungen müssen Sie zwingend getrennt voneinander buchen.

Stellen Sie sich ab 2017 auf verschärfte Aufzeichnungspflichten ein

Leider sind in den bargeldintensiven Branchen einzelne „schwarze Schafe“ unterwegs, die den Betriebsprüfern des Finanzamts durch Tricks und Kniffe ein Schnippchen schlagen wollen. Zu groß ist die Verlockung für einige, einfach ein paar Bareinnahmen unter den Tisch fallen zu lassen und damit Steuern zu sparen.

Darunter zu leiden haben – wie so oft – die steuerehrlichen Unternehmer, für die es besonders bitter ist, wenn bei ihnen Umsätze hinzugeschätzt werden, nur weil formale Vorgaben verletzt wurden.

Beachten Sie diese neuen Grundsätze für die Kassenführung

Seit dem 1.1.2017 gibt es für Sie neue Herausforderungen bei der Führung Ihrer Kasse zu meistern. Ab diesem Stichtag werden die formalen Anforderungen an Ihre Kassenbuchführung erheblich verschärft werden. Wie Sie damit sicher umgehen, sodass das Finanzamt keine Anhaltspunkte für eine Hinzuschätzung hat, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Das Bundesfinanzministerium hat in seiner sogenannten „Kassenrichtlinie“ (Schreiben vom 26.11.2010, Az. IV A 4 – S 0316/08/10004-07) festgelegt, dass alle steuerlich relevanten Daten einzeln aufzuzeichnen sind.

Und genau das wird der Dreh- und Angelpunkt künftiger Auseinandersetzungen zwischen Ihnen und dem Finanzamt sein. Welche Reichweite genau hat diese Einzelaufzeichnungspflicht für Ihre Aufzeichnung von Bargeschäften?

Bislang hielt es die Rechtsprechung für unzumutbar, auch Geschäfte von geringem Wert mit einer unbestimmten Vielzahl nicht bekannter und auch nicht feststellbarer Kunden einzeln aufzuzeichnen (BFH, Urteil vom 12.5. 1966, Az. 6 IV 472/60).

Diese Rechtsprechung gilt seit mittlerweile 50 Jahren für alle Bereiche des Einzelhandels und für andere Steuerpflichtige, die überwiegend Bareinnahmen erzielen. Die Ordnungsmäßigkeit Ihrer Aufzeichnungen durfte bislang nicht von einer Einzelaufzeichnung jedes Geschäftsvorfalls abhängig gemacht werden.

Viele Registrierkassen haben nur die Einzelbeträge festgehalten und am Ende des Geschäftstages die Summe dieser Beträge auf einem Z-Bon ausgegeben.

Anschließend konnte auf die Einzelbeträge nicht mehr zugegriffen werden. In der Praxis werden mehr und mehr hoch entwickelte elektronische Registrierkassen eingesetzt. Diese Kassen eröffnen weiter gehende Speichermöglichkeiten. Zunächst hat die Finanzverwaltung darauf verzichtet, die Kassenstreifen, also die jeweiligen Einzelbeträge, zu den aufbewahrungspflichtigen Unterlagen zu zählen (Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 9.1.1996, Az. IV A 8 – S 0310 – 5/95).

Es reichte aus, dass Sie diese Unterlagen aufbewahren:

  • vollständige Tagesendsummenbons als Buchungsbeleg
  • von der Kasse erstellte Ausgangsrechnungen, sofern Ihre Kasse dazu in der Lage ist
  • die zur Kasse gehörenden Organisationsunterlagen, das heißt die Bedienungsanleitung und sonstige Dokumentationen

Das ist der Standard, der bis heute in der Praxis vielfach anzutreffen ist. Für Kassensysteme, die seit vielen Jahren im Einsatz sind, reichte das bislang auch aus. Neue Kassensysteme mussten aber schon seit 2011 die neuen Anforderungen erfüllen. Und die Übergangsregelung für alte Kassen endet am 31.12.2016.

Was sich durch die elektronische Betriebsprüfung für Sie geändert hat

Die elektronische Betriebsprüfung macht allerdings einiges anders. Die Finanzverwaltung hat neue Prüfungsmöglichkeiten für sich entdeckt. Um diese Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können, verabschiedete sie sich von den Vorgaben der 50 Jahre alten Entscheidung des Bundesfinanzhofs.

Für Sie bedeutet das: Seit dem 1.1.2002 müssen Sie alle Unterlagen, die mithilfe eines Datenverarbeitungssystems erstellt wurden, für die Dauer der Aufbewahrungsfrist (für Buchführungsunterlagen sind das 10 Jahre)

  • jederzeit verfügbar,
  • unverzüglich lesbar und
  • maschinell auswertbar aufbewahren (§ 147 Abs. 2 Nr. 2 AO).

Das betrifft damit auch Ihre Kassendaten, sofern sie mit einem „Datenverarbeitungssystem“, also einer elektronischen Registrierkasse, erzeugt wurden. Eigentlich wäre damit bereits jetzt die Kassenbuchführung in der Form der Aufbewahrung Ihrer Z-Bons unzulässig.

Doch die Finanzverwaltung hatte ein Einsehen: Wenn Ihre Kasse bauartbedingt den Anforderungen der elektronischen Betriebsprüfung nicht oder nur teilweise genügt, dürfen Sie sie bis längstens 31.12.2016 in Ihrem Betrieb weiterhin einsetzen.

So argumentieren Sie bei einer Betriebsprüfung

Wie Sie im Rahmen einer Betriebsprüfung gegenüber dem Prüfer argumentieren, hängt davon ab, für welchen Zeitraum die Prüfung durchgeführt wird. Bis einschließlich 2010 ist zentrales Merkmal, das über Erfolg oder Misserfolg Ihrer Argumentation entscheidet, für jeden Geschäftstag lückenlos die Z-Bons Ihrer Kasse vorlegen zu können.

Damit haben Sie sehr gute Karten gegenüber dem Betriebsprüfer, der große Schwierigkeiten haben dürfte, Ihnen die Ordnungsmäßigkeit Ihrer Kassenführung abzusprechen. Er muss dann nämlich technische Manipulationen an Ihrer

  • Kasse oder
  • Geschäftsvorfälle, die Sie nicht erfasst haben,

konkret nachweisen. Nur so hat er dann eine Handhabe, Umsätze hinzuzuschätzen. Der Streit um die Ordnungsmäßigkeit Ihrer Kassenführung verlagert sich in der Praxis häufig auf die Frage, ob die von Ihnen vorgelegten Organisationsunterlagen Ihrer Kasse vollständig sind.

Das ist ein sehr problematischer Bereich, denn es ist völlig ungeklärt, um welche Unterlagen es sich dabei konkret handelt. Der Betriebsprüfer zitiert dann oft seine Verwaltungsvorschrift (Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 9.1. 1996, Az. IV A 8 – S 0310 – 5/95). Dann verlangt er von Ihnen diese Unterlagen:

  • Bedienungsanleitung
  • Programmieranleitung
  • Programmabrufe nach jeder Änderung (unter anderem der Artikelpreis)
  • Protokolle über die Einrichtung von Verkäufer-, Kellner- und Trainingsspeichern
  • alle weiteren Anweisungen zur Kassenprogrammierung, wie z. B. Anweisungen zum maschinellen Ausdrucken von Pro-forma-Rechnungen oder zum Unterdrücken von Daten und Speicherinhalten

Es ist in der Praxis schon vorgekommen, dass Kassenführungen als nicht ordnungsgemäß verworfen wurden, weil Änderungsprotokolle nicht vorgelegt werden konnten, zum Teil deswegen, weil gar keine Änderungen vorgenommen worden waren. Appellieren Sie dann an den gesunden Menschenverstand des Prüfers. Wie soll es Änderungsprotokolle geben, wenn keine Änderungen vorgenommen wurden?

Diese Frage sollte Ihnen der Prüfer beantworten, bevor er Ihre Steuerlast erhöht.

Für die Jahre 2011 bis 2016 ergibt sich in einem möglichen Streit um Ihre Kassenbuchführung eine weitere Facette.

Denn die Finanzverwaltung steht auf dem Standpunkt, dass Sie alle vom Hersteller angebotenen Software-Updates haben vornehmen müssen. Hat Ihr Hersteller also ein Update oder eine Speichererweiterung angeboten, durch die Sie Ihr Kassensystem in die Lage versetzen könnten, einzelne Geschäftsvorfälle zu speichern, müssen Sie dieses Update auch durchführen, so die Auffassung der Betriebsprüfer.

Sie sollten daher entweder die Updates durchführen oder sich vom Hersteller Ihres Kassensystems für den Fall einer Betriebsprüfung bescheinigen lassen, dass Ihre Kasse die neuen Anforderungen des Finanzamts auch mit Updates nicht erfüllen kann.

Darum sollten Sie Ihre Kassenführung auf Einzelaufzeichnungen umstellen

Ab dem 1.1.2017 soll es nach Auffassung der Finanzverwaltung nicht mehr ausreichen, dass Sie mit Ihrem alten Kassensystem arbeiten, das lediglich die Z-Bons ausdruckt, die Sie für Ihre Buchführung aufbewahren. Dann gilt uneingeschränkt der Grundsatz, dass Sie jede einzelne Kassenbewegung aufzeichnen und diese Aufzeichnungen aufbewahren müssen.

Damit zwingt die Finanzverwaltung Sie faktisch, Ihr Unternehmen technisch aufzurüsten, denn ab 2017 dürfen Sie nur noch elektronische Kassensysteme mit einem angeschlossenen Datenbank- oder Archivsystem benutzen.

Erfüllen Sie diesen technischen Standard nicht, müssen Sie sich darauf einstellen, dass Ihre Kassenführung bei der nächsten Außenprüfung verworfen wird. Empfindliche Steuernachzahlungen sind dann zwangsläufig die Folge. Mit der Einführung eines neuen Kassensystems im Unternehmen ist es aber noch nicht getan.

Denken Sie daran, dass Sie sämtliche Umprogrammierungen, das sind beispielsweise auch Preisänderungen einzelner Artikel, dokumentieren müssen. Diese Dokumentationen gehören zu den aufbewahrungspflichtigen Unterlagen, die der Betriebsprüfer sehen will.

Wenn Ihnen die Details Ihres Kassensystems nicht bekannt sind

Wenn Sie bereits eine Registrierkasse haben, aber nicht wissen, ob sie den aktuellen Anforderungen der Finanzverwaltung genügt, ist es schwierig für Sie, sich auf eine Betriebsprüfung vorzubereiten. Nehmen Sie dann mit dem Hersteller Ihres Kassensystems oder dem Handelsvertreter Kontakt auf.

Bitten Sie ihn, gemeinsam mit Ihnen vorsorglich eine Dokumentation über den Stand des Systems und möglicher Programmänderungen zu erstellen.

Praxis-Tipp

Wenn der Vertreter oder Techniker bei Ihnen vor Ort ist, können Sie auch gleich der Frage nachgehen, ob der Hersteller Software-Aktualisierungen anbietet, die Sie bislang noch nicht installiert haben. Lassen Sie sie installieren. Wenn es keine Aktualisierungen gibt, lassen Sie sich das schriftlich bestätigen.

Damit sind Sie im Fall einer Betriebsprüfung auf der sicheren Seite. Die Investitionen, die die Finanzverwaltung von Ihnen verlangt, sind nicht unerheblich. Steuernachzahlungen sind aber aller Voraussicht nach teurer. Nehmen Sie die neuen Pflichten zur Kassenführung daher nicht auf die leichte Schulter.

Bildnachweis: StudioLaMagica/ Adobe Stock

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