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Psychische Störungen – ein Dauerphänomen?

Psychische Störungen - ein Dauerphänomen?
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geschrieben von Dr. Gerhard Breitkreuz

Psychische Störungen nehmen im Erwerbsleben überproportional zu. Nicht der Arbeitsunfall, sondern die Depression oder die Angststörung werden die Fehlzeitenstatistik in den Betrieben maßgeblich beeinflussen. Erfahrungsgemäß werden die Zeiten der Rezession zu weiteren Rationalisierungsmaßnahmen wie der Arbeitsverdichtung genutzt, die dann die negativen Stresssymptome verstärken werden.

Psychische Störungen gehören mit ca.10 % der Arbeitsunfähigkeitstage zu den bedeutenden vier Erkrankungen. Depression und Angstneurosen lösen den Arbeitsunfall als Risikophänomen immer mehr ab. Erfahrungsgemäß werden Wirtschaftskrisen dazu genutzt, die Kostenschraube noch immer ein wenig weiter zu drehen.

Neben den allgemeinen mikrosoziologischen und sozialpsychologischen Bedingungen wie Familie und Bekanntschaftsnetze und makrosoziologischen, wie z.B. die Gesetzgebung für Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz, unterscheiden die Förderer des ganzheitlichen Modells – nach dem finnischen Forscher Illmarinen – folgende vier Faktoren:

  1. Menschen-, alters- und geschlechtergerechte Arbeitsbedingungen
  2. Kompetente Führungsorganisation (Personalentwicklung, Führung, Werte und Wertewandel in den Unternehmen)
  3. Professionelle Handlungskompetenz (Kompetenzentwicklung, Kompetenzaktivierung und Qualifizierung)
  4. Individuum (funktionelle Kapazität und Gesundheit)

Alle diese Faktoren sollten generell berücksichtigt werden, so dass der Krankheitsindikator „Psychische Störung“ nicht Überhand nimmt.

Aber auch die nationale Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) – ein Zusammenschluss des VDEK, der AOK und verschiedener Berufsgenossenschaften- rückt die Problematik der psychischen Gesundheit und der Gesundheitsförderung immer mehr in den Vordergrund. Sie konstatieren – nach der Auswertung zahlreicher evidenzbasierter Studien – dass dauerhaft nur dann weniger Stress in den Betrieben erreicht wird, wenn verbesserte Arbeitsverhältnisse durch folgende Maßnahmen erzeugt werden können:

  • Ungünstige Arbeitsabläufe umgestalten
  • Entscheidungs- und Handlungsspielräume erweitern
  • Mitarbeiter an Entscheidungsfindungs- und Problemlöseprozessen beteiligen
  • Kommunikation und Feedback verbessern
  • Soziale Unterstützung auf- und ausbauen
  • Weiterbilden und Qualifizieren

Jedem ist klar, dass kein Betonarbeiter zwölf Stunden am Tag körperlich belastet werden kann, ohne Schaden zu nehmen. Aber auch der belastete Informations- und Wissensarbeiter am Computer braucht Zeiten der psychischen Entspannung.
Moderne Anthropologen und Gehirnforscher sehen den Menschen der Neuzeit an einer psychischen Belastungsgrenze. Ich meine, dass die meisten Beschäftigten sich schon jetzt an der psychischen Belastungsgrenze befinden. Also Vorsicht: Das Überschreiten der Grenzbelastungen kann deutlich unproduktiver sein als so manch einer glaubt!

Das bedeutet, dass auch in den nächsten Jahren mit Arbeitsverdichtung an den Arbeitsplätzen und damit auch mit Stress und überhöhtem Krankheitsrisiko für psychische Störungen zu rechnen ist.
Darauf machen verschiedene nationale und internationale Studien und Initiativen aufmerksam und geben auch Handlungsrezepte.

Bildnachweis: Osterland / stock.adobe.com

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