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Mehr Kündigungsmöglichkeiten bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Lesezeit: 2 Minuten Die sexuelle Belästigung von Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go. Hierauf müssen Sie als Arbeitgeber reagieren. Erfahren Sie erst spät von einem solchen Vorfall, beseitigt das das Recht zur fristlosen Kündigung nicht.

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Mehr Kündigungsmöglichkeiten bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

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Ein Unternehmen hatte einem Abteilungsleiter im Januar 2015 gekündigt. Nach Ausspruch der Kündigung erfuhr die Unternehmensleitung von einem Vorfall aus dem Frühjahr 2014. Dieser lag also gut ein Jahr vor der Kündigung. Der langjährig beschäftigte Abteilungsleiter hatte im Frühjahr 2014 eine Mitarbeiterin sexuell belästigt. Er befand sich mit ihr in einem Raum, dessen Tür er schloss. Anschließend drängte er die Mitarbeiterin an die Wand und umarmte sie. Mit seinen Armen streichelte er ihren Rücken bis hinab zum Po.

Im Frühjahr 2014 hatte die Mitarbeiterin diesen Vorfall ihren Arbeitgeber nicht gemeldet. Sie hatte sich lediglich ihrer direkten Vorgesetzten offenbart, diese aber gebeten, den Vorfall geheim zu halten.

Als der Arbeitgeber hiervon erfuhr, kündigte er während des laufenden Kündigungsschutzprozesses ein 2. Mal und zwar fristlos. In 2. Instanz hatte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hierüber zu entscheiden. Es bestätigte die fristlose Kündigung (LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 10. November 2015, 2 Sa 235/15).

Grundsatz: fristlose Kündigung innerhalb von 2 Wochen

Grundsätzlich müssen Sie eine fristlose Kündigung innerhalb von 2 Wochen aussprechen, nachdem Sie von den die Kündigung rechtfertigenden Tatsachen erfahren haben; § 626 Abs. 2 BGB. In diesem Fall war entscheidend, dass der Arbeitgeber zwar erst weit nach Ablauf dieser 2 Wochen-Frist die Kündigung ausgesprochen hat. Die Richter am LAG hielten dies jedoch für unproblematisch. Denn er habe auch erst während des laufenden Kündigungsschutzverfahrens von dem Vorfall erfahren. Dass die direkte Vorgesetzte der Mitarbeiterin bereits lange vorher von ihr informiert worden war, änderte nach Ansicht der Richter am LAG nichts an der Rechtmäßigkeit der Kündigung. Denn dem Arbeitgeber könne dieses Wissen der direkten Vorgesetzten nicht zugerechnet werden. Sie hatte schließlich nicht die Erlaubnis des Opfers, die Geschäftsleitung zu informieren.

Das bedeutet für Sie: Mitarbeitern, die Kollegen sexuell belästigen, können Sie in Ihrem Unternehmen nicht gebrauchen. Erfreulich ist, dass das LAG hier kein Problem mit der Zweiwochenfrist des § 626 Abs. 2 BGB hatte und insbesondere das Wissen der zur Geheimhaltung verdonnerten Vorgesetzten nicht dem Arbeitgeber zugerechnet hat. Kündigen Sie in solchen Fällen konsequent und setzen Sie damit ein wichtiges Signal für alle Mitarbeiter. Von allen menschlichen und rechtlichen Aspekten einmal abgesehen, ist ein solches Verhalten auch gut für die Mitarbeiterbindung und daher im Interesse Ihres Unternehmens.

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