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Im Arbeitszeugnis ist kein Platz für Ironie

Lesezeit: 2 Minuten Nicht selten versuchen Arbeitgeber, ausscheidenden Mitarbeitern mit dem Arbeitszeugnis noch „einen mitzugeben“. Hier lesen Sie wo die Grenzen sind.

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Im Arbeitszeugnis ist kein Platz für Ironie

Im Arbeitszeugnis ist kein Platz für Ironie

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Nicht selten versuchen Arbeitgeber, ausscheidenden Mitarbeitern mit dem Arbeitszeugnis noch „einen mitzugeben“. Anders lässt sich kaum erklären, dass die Anzahl der Zeugnisstreitigkeiten vor den Arbeitsgerichten relativ hoch sind.

Dabei sollte es sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Arbeitszeugnisse grundsätzlich positiv und beschäftigungsfördernd zu formulieren sind.

Mit Entscheidung vom 14.11.2016 hat das Landesarbeitsgericht Hamm einem allzu ironisch formulierenden Arbeitgeber klar die Grenzen aufgezeigt (12 Ta 475/16). Arbeitszeugnisse sind halt nicht der richtige Ort für ironische Bemerkungen.

Das gilt allgemein für Zeugnisse

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitseinsatzes Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Sofern nicht bereits im Tarifvertrag regelt, kann er auch verlangen, dass das Zeugnis auf Leistung und Verhalten am Arbeitsplatz eingeht. Als Arbeitgeber müssen Sie das Zeugnis klar und verständlich formulieren.

Insbesondere zweideutige Formulierungen sind zu unterlassen. Das Zeugnis darf auch keine Formulierungen enthalten, die einen über den reinen Wortlaut ausgehenden Inhalt darstellen sollen.

Das war geschehen: Im Rahmen eines vorhergehenden Verfahrens vereinbarten Arbeitgeber und Arbeitnehmer per Vergleich, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein wohlwollendes, qualifiziertes Arbeitszeugnis erteilt.

Weiter wurde vereinbart, dass der Arbeitnehmer hierfür einen Entwurf vorlegen darf, von dem der Arbeitgeber nur aus wichtigem Grund abweichen konnte. Einen entsprechenden Entwurf überreichte der Arbeitnehmer.

Der Arbeitgeber ließ es sich nicht nehmen, den Zeugnistext an einigen Stellen zu ändern. Alle Formulierungen zur Leistungsbeurteilung steigerte er in dem endgültigen Zeugnistext durch Worte wie „selbstverständlich, extrem, äußerst“ usw.

Beispiel: Aus der vom Arbeitnehmer gewählten Formulierung „… seiner sehr guten Auffassungsgabe …“ machte der Arbeitgeber „… seiner extrem guten Auffassungsgabe …“.

Dies zog sich durch das gesamte Zeugnis. Der Arbeitnehmer war der Ansicht, dass diese deutlich sichtbaren Übersteigerungen das gesamte Zeugnis wertlos machten. Er bestand daher darauf, dass der Arbeitgeber – wie der Vergleich es vorsah – ihm ein seinem Entwurf entsprechendes Zeugnis ausstellt.

So entschieden die Richter: Recht hat er! Aufgrund der massiven Übersteigerungen an vielen Stellen im Zeugnis kann ein unvoreingenommene Leser schließen, dass diese Äußerungen nichts wert sind. Es würde der Schluss naheliegen, dass die extrem übersteigerten Darstellungen nicht ernst gemeint sind.

Besonders deutlich wurde dies durch das Zusammenspiel zweier Formulierungen am Ende des Zeugnisses. Einerseits fand sich dort die abschließende Leistungsbeurteilung „Wenn es eine bessere Note als „sehr gut“ geben würde, würden wir ihn damit beurteilen“.

Andererseits ließ sich in der üblichen Formel über das Bedauern des Ausscheidens aus dem Unternehmen lesen, dass der Arbeitgeber das Verlassen des Unternehmens „zur Kenntnis genommen“ habe. Hier falle auf, dass kein Ausdruck des Bedauerns über das Ausscheiden dargestellt werde. Bei einem mehr als sehr guten Mitarbeiter sei das aber zu erwarten.

Diese Ausrede half dem Arbeitgeber nicht

Der Arbeitgeber wollte sich zwar noch damit retten, dass seine Darstellungen lediglich um Synonyme oder Ergänzungen der von dem Arbeitnehmer gewählten Formulierungen seien. Die Richter stellten aber fest, dass er zur derartigen Änderungen an dem Entwurf des Arbeitnehmers nicht berechtigt war.

Der Vergleich sah vor, dass er Änderungen an dem Entwurf des Arbeitnehmers nur aus wichtigem Grund vornehmen durfte. Einen solchen wichtigen Grund für die Umformulierung zur Verwendung von Synonymen oder Ergänzungen konnte der Arbeitgeber jedoch nicht nennen.

Fazit: Auch, wenn es Ihnen im Einzelfall schwer fallen sollte: der Streit über Zeugnisformulierungen mit dem Arbeitnehmer lohnt sich in aller Regel nicht. Sparen Sie Zeit und Nerven, indem Sie nicht versuchen, dem ausgeschiedenen Mitarbeiter über das Zeugnis noch eins auszuwischen.

Bildnachweis: olly / stock.adobe.com

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