Businesstipps

Dr. Armin Ziegler: Die deutsche Energieversorgung wird die Achilles-Ferse unserer Volkswirtschaft

Lesezeit: 2 Minuten Trendforscher Dr. Armin Ziegler über die deutsche Energieversorgung, Energiepreise und die daraus resultierenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

2 min Lesezeit

Dr. Armin Ziegler: Die deutsche Energieversorgung wird die Achilles-Ferse unserer Volkswirtschaft

Lesezeit: 2 Minuten
Anstoß zu diesem Beitrag ist ein Artikel in BUSINESS WEEK (5.4.2004), der die Frage nach dem verlässlichem Zugriff auf die zweifellos noch beträchtlichen Ölreserven Saudi Arabiens aufwirft. Deren Ölgesellschaft Aramco gibt über die verlässlichen Ölreserven nur eigene Schätzungen an. Letzte internationale Expertenberechnungen stammen aus dem Jahr 1993.

Im Februar 2004 warnte der amerikanische Energie-Investmentbanker Mathew R. Simmons, dass das bisherige Wunder der relativ einfachen und billigen Erölförderung in Saudi Arabien sich dem Ende nähert. Absehbar würde es schwieriger, zusätzlich hohe Investitionen erfordern und damit teurer.

Der Hintergrund ist die Befürchtung, dass der rasch stark steigende Ölimport-Bedarf vor allem der USA und Chinas das Angebot übersteigt bzw. ob gerade Saudi Arabien, das Land mit den höchsten Reserven, die Förderung im genügenden Umfang steigern kann. Daran bestehen große Zweifel, da dafür die Bereitschaft für hohe eigene Investitionen notwendig ist und auch nicht fest steht, ob die hochgetrieben Ölförderung weiter die bisherige Qualität hat.

Weltwirtschaftlich ist bedeutend, ob sich die Lösung noch über einen Preis finden lässt, der die weitere wirtschaftliche Entwicklung nicht hemmt, oder ob es eine Energiekrise gibt, die sich zu einer Krise der Weltwirtschaft entwickeln kann. Das ist offen.

Es ist keine Frage mehr, ob Energie teurer wird. Sie wird es, wenn auch unter Schwankungen. Auch ist eindeutig, dass die Wirtschaftsregionen der Welt davon unterschiedlich betroffen werden.

Was heißt das für den Wirtschaftsstandort Deutschland?
1. Es ist kurz- bis mittelfristig eine Preisfrage, die aber auch wesentlich von der Währungsrelation Dollar zu Euro abhängt. (Ich meine, dass wir bald wieder einen stärkeren Dollar sehen werden, spätestens nach den amerikanischen Präsidentenwahlen.)

2. Wir gehören zu den Volkswirtschaften, die von Energieverteuerungen und Energiekrisen am meisten betroffen werden, da wir stark abnehmende eigene Energie-Ressourcen haben. Die so genannten Alternativenergien können das nicht wandeln.

3. Alle auf heutigen Energiepreisen aufbauenden Kalkulationen sind instabil. Erhöhungen von Energiepreisen treten nicht erst bei Versorgungsengpässen ein, sondern schon dann, wenn sie absehbar sind oder befürchtet werden.

4. In wirklichen Krisen zählen heute aufgebaute Liefernetzwerke schnell sehr viel weniger.

5. Die Spekulation auf dem Energie-Sektor wird nicht lange auf sich warten lassen. Damit werden auch Übertreibungen verbunden sein.

6. Unserer heutigen rotgrünen Regierung und weitgehend auch der Opposition ist die labile Energieversorgung nicht bewusst.

Was sollte vorbeugend getan werden?
1. Die Situation muss politisch bewusst gemacht werden, denn mit der Vorsorge für die Eventualität einer Energiekrise ist die Wirtschaft allein überfordert.

2. Die notwendigen weiteren Energiesparmaßnahmen sind ohne öffentliche Förderung nicht zu erreichen. Hier liegt aber auch für Unternehmen noch immer ein Innovationspotential.

3. Die Rückkehr zur Atomenergie ist für den Standort Deutschland eine Überlebensfrage! (Im Grunde müsste das eine Hauptforderung der Industriegewerkschaften sein.) Atomenergie kann sicher sein! Seien es kleinere Einheiten oder die Verlagerung der Atomanlagen tief unter die Erde.

4. Im Privatbereich ist die Förderung des Einbaus von Sonnenenergie-Anlagen sinnvoll. Aber das erfordert sehr viel mehr Bewusstmachen der Notwendigkeit.

5. Das Auto der Zukunft wird andere Antriebe haben. Es wird viel daran gearbeitet. Das reicht aber nicht, bei einer abrupten Krise Zusammenbrüche ganzer Industriezweige zu verhindern. Die Entwicklungsförderung u.a. der Brennstoffzelle ist eine Chefsache!

6. Es muss zu einer hohen staatlichen und privatwirtschaftlichen Vorratshaltung von Öl kommen. Die Einsicht dafür müsste erreichbar sein. Mahner sind hier gefragt. Das ist schon deshalb notwendig, um Abfederungen nicht auszuschließender abrupter Krisen durch politische und militärische Veränderungen zu ermöglichen.

7. Irgendwann in der hier angenommenen Entwicklung der Energiepreise wird auch die deutsche Kohle wieder interessant.

Zum Autor: Dr. Armin Ziegler ist renommierter Trendforscher und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft, www.zukunftsprotokoll.de.

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Bitte warten...

PPS: Ihnen hat der Beitrag besonders gut gefallen?

Unterstützen Sie unser Ratgeberportal: