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Die unterschiedlichen Arten des Franchising

Lesezeit: 4 Minuten Franchising ist eine lukrative Alternative, sich selbstständig zu machen. Doch hierbei kommt es darauf an, für welche Art des Franchising man sich entscheidet. Welche Arten von Franchising es überhaupt gibt und was damit verbunden ist, erfahren Sie hier.

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Die unterschiedlichen Arten des Franchising

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Das System des Franchising hat seinen Ursprung im Mittelalter und stammt aus dem französischen. Aus der Not, Händler zu unterstützen, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein lukratives und durchaus erfolgreiches System, das sich einer immer größeren Beliebtheit bei Existenzgründern erfreut.

Grundsätzlich unterscheidet man Franchising heute nach diesen Kriterien:

  • Arten des Franchising 
  • Franchising mit unterschiedlichen Schwerpunkten
  • Sonderformen des Franchising
  • Franchising hinsichtlich des Zusammenwirkens des Franchisegebers und des Franchisenehmers

Die Sonderformen des Franchising
Neben den bekannten und gängigen Formen des Franchising, die hier bereits genannt wurden, gibt es auch die Möglichkeit von "Sonderfranchising", die sich von dem gängigen Franchising wie folgt unterscheiden:

Das Master-Franchising
Bei dieser Form des Franchisings tritt der Unternehmer nicht nur als Franchise-Nehmer, sondern auch als Franchise-Geber auf. Als Franchising-Nehmer erwirbt er eine Franchise von einem ausländischen Unternehmen, das sich auf dem deutschen Markt etablieren will. Der Unternehmer erhalt mit der Franchise eine Region oder das ganze Land, in dem er dieses Franchise-System als Vertriebssystem aufbauen und etablieren soll. Damit wird er vom Franchise-Nehmer zum Franchise-Geber. Er vergibt auf eigene Rechnung Lizenzen an Franchise-Nehmer.

Arten des Franchising
Wer sich für das Geschäftsmodell des Franchising entschieden hat, steht vor der Frage: "Welche Form des Franchisings wähle ich?". Beim Franchising unterscheidet man folgende Arten:

1. Das Voll-Franchise
Voll-Franchise ist wohl die gängigste Form des Franchising. Man spricht hier vom sogenannten Regelfall des Franchising. Der Franchise-Nehmer erwirbt zwar über den Franchise-Geber in Form einer Lizenz die Geschäftsidee und das Konzept des Franchise-Gebers, führt den Betrieb aber rechtlich wie auch wirtschaftlich selbstständig (Beispiel: McDonald).

2. Shop-in-Shops – Franchise
Diese Form des Franchising findet man häufig im Einzelhandel wieder. Hierbei handelt es sich meist um kleine Shops, die in größeren Warenhäusern angesiedelt sind. Sie verfügen über ein festgelegtes Sortiment welches sie anbieten dürfen. Der Vorteil eines solchen Franchising liegt darin, dass man nicht nur Franchise-Nehmer sondern auch Franchise-Geber sein kann, indem man in diesen Warenhausketten je einen eigenen Shop-im-Shop betreiben kann (Beispiel: Bäckereien, Metzgereien usw.).

3. Corporate-Franchise (Groß-Franchising oder auch Investitions- Franchising)
Bei dieser Art des Franchising ist der Franchise-Nehmer im Regelfall eine Gesellschaft, die nicht selbst im Unternehmen tätig ist, aber dafür einen Geschäftsführer einsetzt. Diese Form des Franchisings kommt nur für Personen in Betracht, die über ein entsprechendes Kapital verfügen, da hier der Kapitalaufwand gegenüber dem "normalen" Franchising sehr hoch ist. Im Regelfall muss der Franchise-Nehmer hier mit einem Investitionsaufwand von mehr als 500.000,00 € rechnen. Ein typisches Investitions-Franchise-Unternehmen ist beispielsweise Obi.

4. Mini-Franchise (Abteilungs-Franchise)
Diese Form des Franchisings ist eher unbekannt und nicht so gängig. Sie ist nur für bereits auf dem Markt bestehende Unternehmer interessant, die ein neues Arbeitsgebiet erschließen wollen über das sie noch nicht verfügen. Hier bildet der Unternehmer eine neue eigene Abteilung, für die ein Franchise-Vertrag abgeschlossen wird.

5. Conversion-Franchise
Conversion-Franchising beschreibt einmal die Veränderung von Filialen des Franchise-Gebers in eigenständige Franchise-Nehmer-Unternehmen. Allerdings wird auch die Aufnahme vormals unabhängiger Betriebe (gleiche Branche) in ein Franchise-System mit Conversion-Franchise definiert.

Arten des Franchisings unterschieden nach Schwerpunkten

1.  Das Dienstleistungs-Franchising
Bei dieser Art des Franchisings bietet der Franchise-Nehmer keine Produkte auf dem Markt an, sondern sein Wissen. Im Mittelpunkt stehen hier Service- und/ oder   Dienstleistungen, die der Franchise-Nehmer unter der Marke, dem Handelsnamen oder dem Geschäftszeichen des Franchise-Gebers auf dem Markt anbietet. Der Franchise-Nehmer verpflichtet sich hier, die festgelegten Normen, Vorgaben und Richtlinien des Franchise-Gebers einzuhalten. Typische Unternehmen von Dienstleistungs-Franchising sind beispielsweise Autovermietungen, Versicherungsagenturen oder Zeitarbeitsfirmen.

2. Vertriebs-Franchising
Bei dieser Art des Franchisings betreibt der Franchise-Nehmer ein Ladenlokal unter dem Namen des Franchise-Gebers. Die vom Franchise-Nehmer angebotenen Waren/ Güter werden vom Franchise-Geber festgelegt und entweder von ihm selbst oder von Dritten hergestellt. Hier stellt der Franchise-Geber dem Franchise-Nehmer sein gesamtes Konzept, Know How und seine Schutzrechte zur Verfügung, um den Verkauf des Franchise-Nehmers zu unterstützen (beispielswese Bekleidungsmärkte usw.)

3. Produkt-Franchising (Herstellungsfranchising):
Entgegengesetzt zum Vertriebs-Franchising, bei dem der Franchise-Nehmer die Waren/ Güter des Franchise-Gebers vertreibt, stellt hier der Franchise-Nehmer die Waren/ Güter selbst her. Diese vom Franchise-Nehmer hergestellten Waren/ Güter werden unter dem Warenzeichen des Franchise-Gebers vertrieben. Der Vorteil den der Franchise-Geber hier hat, liegt klar auf der Hand: Die Transportkosten werden sehr niedrig gehalten, da meist die Produktions- und Verkaufsstätten nah beieinander liegen (beispielsweise Getränkeabfüllung).

In der Praxis wird man oftmals eine Mischform dieser Franchising-Arten vorfinden, weil mit dem Anbieten von Dienstleistungen auch ein Vertrieb von Waren des Franchise-Gebers verbunden ist. Somit ist eine eindeutige Unterscheidung von Dienstleistungs- oder Vertriebs-Franchising nicht immer möglich.

Franchise-Nehmer von Mehrfachfranchisen
Diese Sonderform des Franchise ist bei uns noch relativ selten, in Frankreich findet man diese Franchise-Form relativ häufig. Bei dieser Sonderform tritt der Franchise-Nehmer in verschiedenen Franchise-Systemen auf (Beispiel: Ein Unternehmer ist Franchise-Nehmer im Franchise-System Baumarkt Obi, Fast-Food-Kette McDonald, Autovermietung EuropCar).

Mehrfach-Franchise
Diese Sonderform des Franchise ist ähnlich wie die des Franchise-Nehmers von Mehrfach-Franchisen, mit dem Unterschied, dass er keine Lizenzen in verschiedenen Franchise-Systemen erwirbt, sondern mehrere Franchise-Lizenzen in einem Franchise-System. Diese Art des Franchising birgt jedoch die Gefahr, dass ein Franchise-Nehmer regional zu "mächtig" wird. Dies kann sich negativ auswirken (Beispiel: Ein Franchise-Nehmer einer Obi-Lizenz erwirbt alle Franchisen-Lizenzen in Bayern).

Gebietsentwicklungsverträge – Area Development Agreements
Diese Art des "Franchisings" stammt ursprünglich aus den USA und ist dort auch weitverbreitet, während man diese hierzulande kaum kennt. Hierbei entwickelt ein   Unternehmer ein bestimmtes Gebiet als "Developer". Er baut eine vorgegeben Anzahl an Betrieben in einem Gebiet auf und schließt hier als Developer jeweils einen eigenen Franchise-Vertrag ab.

Franchising können auch nach dem Zusammenwirken von Franchise-Geber und Franchise-Nehmer getroffen werden. Bei dieser Art des Franchisings werden folgende Formen unterschieden:

1. Das Partnerschafts-Franchising
Bei dieser Art des Franchisings wird das Franchise-System sowohl vom Franchise-Geber wie auch vom Franchise-Nehmer weiterentwickelt. Beide Partner treten hier als gleichberechtigte Unternehmer dieses Systems auf. Ein solches Partner-Franchising ist eher unüblich und findet auch nur selten Anwendung. Die gängigste Form dieser Art des Franchising ist:

2. Das Subordinations-Franchising
Franchise-Geber und Franchise-Nehmer stehen in einem Über- und Unterordnungsverhältnis. Bezeichnend für diese Form des Franchising sind einseitige Vorschriften des Franchise-Gebers zum Absatzkonzept und Außenauftritt des Systems. Bei den meisten Franchise-Systemen handelt es sich um Subordinationsfranchising.

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