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Die 3 häufigsten Fehler beim Blickkontakt mit dem Publikum

Lesezeit: 3 Minuten Blickkontakt ist wichtig, das ist jedem klar, der schon einmal eine Rede gehalten hat. Doch worauf ist vor allem bei einem größeren Publikum zu achten? Welche 3 Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden? Das alles erfahren Sie in dem folgenden Fachartikel von Rüdiger Vogel, Rhetoriktrainer und Vortragscoach.

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Die 3 häufigsten Fehler beim Blickkontakt mit dem Publikum

Die 3 häufigsten Fehler beim Blickkontakt mit dem Publikum

Lesezeit: 3 Minuten

Eine der essenziellen Rhetorikregeln lautet: Stellen Sie Blickkontakt mit Ihren Zuhörern her. Blickkontakt ist tatsächlich eines der machtvollsten, non-verbalen Mittel, um Emotionen zu transportieren und Aufmerksamkeit zu fesseln. Aber so einfach dieser Ratschlag klingt, so schwer ist er umzusetzen – das weiß jeder, der zum ersten Mal vor einem größeren Publikum spricht. Es kann beängstigend und ablenkend sein, einzelne Zuhörer direkt anzuschauen, vor allem, wenn aus ihrer Mimik nicht klar abzulesen ist, ob ihnen der Vortrag gefällt oder nicht.

Zur Bewältigung dieser „Angst vor dem Blickkontakt“ tauchen in Rhetorikkreisen immer wieder ein paar gut gemeinte Ratschläge auf. Diese helfen zwar tatsächlich, die Herausforderung der visuellen Kommunikation zu umgehen. Gleichzeitig führen sie aber fatalerweise dazu, dass der Vortrag selbst enorm an Qualität einbüßt. Es lohnt sich, diese Mythen aufzudecken und stattdessen ein paar wirksame Tipps vorzustellen, wie wirksamer Blickkontakt tatsächlich ausschaut.

Bleiben Sie natürlich – mehr erwartet niemand von Ihnen

Ein hartnäckiges Gerücht lautet, dass der Redner seinen kompletten Vortrag über Augenkontakt mit dem Publikum halten soll. Ohne jede Unterbrechung. Eine der zugrunde liegenden Theorien könnte die sein, dass nur ein kontinuierlicher Blickkontakt Aufrichtigkeit und Transparenz kommuniziert, während ein abgewandter Blick für eine verborgene Agenda spricht.

Dieser Ratschlag ist aus den verschiedensten Gründen unsinnig. Zum einen wirkt konstanter Blickkontakt immer artifiziell, im Zwiegespräch wie vor Publikum. Die Verbindung unserer Kognition und Augen bedingt, dass wir etwa bei intensivem Nachdenken, hoher Konzentration, dem Versuch, uns an etwas zu erinnern oder etwas besonders formvollendet zu formulieren, von unserem Partner weg – und zu einem neutralen Ort hinschauen, um uns voll fokussieren zu können. Jeder Mensch kennt dieses Phänomen – schon deshalb erwartet das Publikum keinen kontinuierlichen Blickkontakt.

Des Weiteren macht dieser Anspruch es unmöglich, sich zwischendurch bei seinen Notizen oder dem Redeskript zu vergewissern. Natürlich ist ein frei vorgetragener Vortrag das Non-plus-Ultra – aber wenn ein wiederholter Blick in die mitgebrachten Unterlagen Sicherheit verleiht, ist das besser als eine bruchstückhafte, weil halb vergessene Rede. Das gleiche gilt für die Hinwendung zur Leinwand, für das Trinken zwischendurch oder andere völlig nachvollziehbare Gründe, den Blick vom Publikum abzuwenden. Die Alternative sind meist völlig konfus aussehende Verrenkungen, die einer Slapstickkomödie, aber keinem Vortrag würdig sind.

Wichtig ist einfach, das Publikum die meiste Zeit direkt anzuschauen, mindestens zu etwa einem Drittel der Redezeit. Dabei kann es beispielsweise helfen, seine Redenotizen in groß und fett geschriebenen Stichworten zu notieren, um sich nicht zu lange mit Lesen aufhalten zu müssen. Auch eine vorab durchgetestete technische Anlage hält weniger vom Direktkontakt mit dem Publikum ab, als ein plötzlich ausfallender Beamer oder langes Herumprobieren am Laptop während der Präsentation.

Menschen spüren einfach, ob sie angeschaut werden

Die beiden anderen „Strategien“ schlagen genau die entgegengesetzte Richtung ein, indem sie das Risiko jeglichen direkten Augenkontaktes schlichtweg zu umgehen versuchen. Die eine schlägt vor, knapp über die Köpfe des Publikums hinweg an die hintere Wand des Raumes zu schauen. Die Idee dahinter ist wohl, dass sich so jeder Zuhörer auf eine vage Art und Weise „gemeint“ fühlt beziehungsweise den Eindruck hat, der Redner schaue eben gerade jemand anders als ihn an – ohne dass der Redner sich der Intensität eines direkten Auge-in-Auge Momentes tatsächlich aussetzen muss.

Die traurige Tatsache ist, dass dieser Trick absolut nicht funktioniert. Der unmittelbare Augenkontakt hat eine magische, fast archaische Qualität, die sich schlicht nicht imitieren lässt. Menschen spüren intuitiv, ob es hergestellt ist oder nicht, selbst wenn sie es nicht selbst sind, die gerade in den Genuss kommen. Die Konsequenz: Der Sprecher erscheint bestenfalls distanziert und leicht abwesend, schlimmstenfalls arrogant und desinteressiert, beides absolut tödliche Eindrücke im rhetorischen Kontext.

Ähnlich paradox stellt sich der alternative Vorschlag dar, auf den Oberkopf oder die Stirn eines Zuhörers zu fokussieren, in der stillen Hoffnung, diese Blickrichtung könne für Blickkontakt gehalten werden. Auch hier: Es funktioniert einfach nicht. Dafür verwirrt es und wird oft unbewusst als unangenehm und etwas unheimlich empfunden – eine katastrophale emotionale Reaktion, die sich auf den Inhalt des gesamten Vortrages übertragen wird, ohne dass dem Zuhörer überhaupt vollständig klar wird, warum.

Augen auf – und durch!

Es ist in jedem Fall besser, sich dem Augenkontakt auszusetzen, auch wenn dabei die eigene Unsicherheit und Unerfahrenheit zu Tage tritt. In den meisten Fällen sind diese bereits in dem Moment verziehen, in dem die harte Arbeit, die Selbstüberwindung und der aufrichtige Wille zur Kommunikation zu Tage treten. Wichtig ist es, mit seinem Publikum in Verbindung zu treten. Ist diese Verbindung erst einmal hergestellt, werden kleine Vortragsfehler gerne verziehen.

Direkter Augenkontakt ist eine unabdingbare Bedingung für diesen Brückenschlag. Was dabei hilft, sind erstens eine exzellente Vorbereitung, die im Moment des Vortrages dazu beiträgt, die generelle Nervosität abzubauen und zweitens persönliche Offenheit: Wer zu seiner Unsicherheit steht und diese verbalisiert, schafft ein Klima der Vertrautheit, das vieles einfacher macht. Es gibt keinen Trick, um sich an der harten Schule vorbei zu schlängeln, die diese intensive Form der non-verbalen Kommunikation darstellt. Es gibt nur eines: Augen auf – und durch. Wieder und wieder und wieder.

Eine der besten Möglichkeiten Blickkontakt und alle weitere Aspekte der so wichtigen Körpersprache zu üben und zu trainieren ist natürlich ein Rhetorikkurs, hier weitere Infos und Termine: http://www.rhetorikkurs.com/

Bildnachweis: Robert Kneschke / stock.adobe.com

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