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Den Produktivitäts-Killer Mobbing beseitigen

Lesezeit: 3 Minuten Firmen rationalisieren Prozesse und Abläufe, um Kosten zu sparen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein wesentlicher Produktivitäts-Killer wird häufig übersehen: Mobbing. Von vielen Führungskräften übersehen oder ignoriert, behindert er die Produktivität vieler Unternehmen.

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Den Produktivitäts-Killer Mobbing beseitigen

Den Produktivitäts-Killer Mobbing beseitigen

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Nach Schätzungen der ÖTV entsteht pro Jahr ein volkswirtschaftlicher Schaden von etwa 15 Milliarden Euro durch Mobbing. Andere Quellen sprechen von noch höheren Beträgen, wenn sämtliche Folgekosten aufaddiert werden. Dazu gehören die Kosten für medizinische und psychologische Betreuung, Kuraufenthalte und Frühverrentung. Wie lange können sich Firmen eine derartige Ressourcenverschwendung noch erlauben?

Es gibt in jedem Unternehmen einen Krankenstand, der meist kalkulierbar ist. Zuverlässige statistische Daten sind in jeder Personalabteilung vorhanden.

„Penny-wise and pound-foolish“

Dieses englische Sprichwort trifft den Kern der Sache. Deshalb darf im Interesse der Überlebensfähigkeit eines Unternehmens keinem Mitarbeiter und keiner Führungskraft das Recht oder die Chance eingeräumt werden, andere zu mobben. Mobber sind die Opposition im eigenen Unternehmen. Mobber arbeiten für das Ziel der Konkurrenz. Mobber sind Heckenschützen im eigenen Unternehmen, die rechtzeitig ausgeschaltet werden müssen.

Die Kosten von Mobbing

Tritt allerdings eine Mobbingsituation auf, so ist nicht nur der direkt Betroffene zu betrachten, sondern auch die Auswirkungen auf das betriebliche Umfeld. Die Mehrbelastung durch den Ausfall eines einzelnen Mitarbeiters muss von den Kollegen aufgefangen werden. Mobbing, bzw. der Grund dafür, ist dann ein intensives Gesprächsthema im Kollegenkreis, das Betriebsklima wird negativ beeinflusst und die Produktivität sinkt.

Man geht davon aus, dass ungefähr 30 Prozent der Kollegen des Gemobbten sich nur noch mit reduzierter Arbeitskraft einsetzen. Die besten und kreativsten Mitarbeiter machen sich ihre Gedanken über die unangenehme Situation und sind eher absprungbereit, die Fluktuation mit allen damit verbundenen Folgekosten steigt. Eine weitere Untersuchung zeigt, dass ungefähr 60 Prozent von freiwilligen Firmenwechseln auf Unbehagen oder Schikane am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Die Kosten im Umfeld eines Mobbing-Falles sind also um ein Vielfaches höher, als es den meisten Firmen bewusst ist.

Beispiel für Produktivitätsverluste durch Mobbing

Rechnen wir doch einmal am Beispiel eines fiktiven Unternehmens durch, was Mobbing einen Firmenchef im Ernstfall kosten kann. Ausgangspunkt ist ein Unternehmen mit 300 Beschäftigten, das einen Umsatz von 30 Millionen Euro bei 220 Arbeitstagen im Jahr erwirtschaftet. Vor dem Auftreten des Mobbings lag der Krankenstand im Unternehmen bei vier Prozent, das heißt die durchschnittlich anwesenden 288 Mitarbeiter erzielten 136 364 Euro Umsatz pro Arbeitstag oder rund 473 Euro pro Kopf.

Steigt der Krankenstand im Unternehmen durch Mobbing von vier Prozent (d. h. vorher waren durchschnittlich zwölf Personen krank) um nur zwei Prozent auf 18 Personen an, entfallen pro Tag 2 838 Euro Umsatz (und damit 624 360 Euro im Jahr) oder müssen durch Zusatzkräfte bzw. Überstunden finanziert werden. Allein dadurch sind zwei Prozent des Umsatzes gefährdet. Die Auswirkungen auf den Gewinn wären auf Grund der mit dem Personaleinsatz verbundenen Kosten deutlich höher.

Angenommen es wechseln im Rahmen der normalen Fluktuation jährlich nicht mehr nur 45 Personen (15 Prozent der Belegschaft) das Unternehmen, sondern es kündigen wegen der Mobbingatmosphäre 60 Personen (20 Prozent) ihren Job. Je nach Qualifikationsniveau der zu ersetzenden Arbeitnehmer entstehen pro Person Suchkosten in Höhe von 5 000 bis 20.000 Euro. Für das Unternehmen addieren sich die 15 zusätzlichen Fluktuationsfälle auf eine Summe in Höhe von 75 000 bis 300 000 Euro.

Legt man in dem Modell-Unternehmen eine Pro-Kopf-Produktivität von etwa 100.000 Euro zugrunde, die sich auf Grund der inneren Emigration der Gemobbten um die Hälfte reduziert, entsteht im Unternehmen bei nur zehn solcher demotivierten Mitarbeiter ein Ausfall von 500.000 Euro. Zusammengerechnet muss das Unternehmen mit Mehrkosten zwischen einer Million und 1,2 Millionen Euro rechnen.

Besonders dann, wenn sich Firmen in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten von Mitarbeitern trennen wollen und dazu das ungeeignete Modell Mobbing einsetzen, kommen zusätzliche Kosten auf das Unternehmen zu, die gerade in solchen Situationen das mittelfristige Überleben des Unternehmens gefährden können.

Verlust von Produktivität: Ein hoher Preis für Mobbing

Jeder Kostenrechner im Unternehmen sollte an dieser Stelle hellhörig werden. Hier geht es nicht nur um verletzte Seelen, hier geht es um viel Geld. Wer Mobbing zulässt, sabotiert das eigene Unternehmen! Ein schneller Überblick über die Kosten von Mobbing lässt sich mit folgender kleiner „Milchmädchen Rechnung“ verschaffen:

  • Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen:___
  • x Prozentzahl der von Mobbing betroffenen Mitarbeiter:___
  • = Anzahl betroffener Mitarbeiter im Unternehmen:___
  • x geschätzte Kosten pro Mitarbeiter:_____€
  • x geschätzte Nebenkosten pro Mobbingfall:_____€
  • = Gesamtkosten durch Mobbing:_____€

Mobbing kann verhindert werden durch eine offene Kommunikationskultur in der jeder jederzeit mit seinen Führungskräften jedes Thema angstfrei besprechen kann. Warum haben eigentlich viele Unternehmen ( = Führungskräfte) damit ein Problem?

Bildnachweis: vectorfusionart / stock.adobe.com

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