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Das Seniorendorf – Viel Raum für Eigeninitiative

Lesezeit: 3 Minuten Wer rüstig ist, kann in den zu Seniorendörfern umgestalteten alten Ortskernen seine beruflichen (handwerklichen, kaufmännischen) Fähigkeiten bereits während der laufenden Sanierungsarbeiten und anschließend im Hausmeister-Service einbringen. Tante-Emma-Läden, Schlosserei und Schreinerei, Gemüseanbau und die Erzeugung von Eiern, Geflügel, Fisch usw. können in kleinen Gemeinschaftsprojekten organisiert werden, zur sinnvollen Beschäftigung vieler und zum Nutzen aller.

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Das Seniorendorf – Viel Raum für Eigeninitiative

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Alter ist nicht nur eine Phase des Abschiednehmens
Das Alter hat heute viele Gesichter. Je älter die Deutschen werden, so Prof. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, um so facettenreicher stelle sich das Bild der Ruheständler dar.

Mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben veränderten sich zwar soziale Rollen und Positionen. Das Alter sei aber nicht nur eine Phase des Abschiednehmens, sondern berge auch viele Chancen in sich, in der persönlichen Lebensgestaltung etwas Neues zu wagen oder sich – frei von beruflicher Beanspruchung – stärker für das Gemeinwesen zu engagieren.

Nach wie vor tritt die Bevölkerungsgruppe der Senioren in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch zu wenig in Erscheinung, wird zum Teil auch bewusst an den Rand gedrängt oder zieht sich selbst – häufig als Folge von Altersarmut – aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Der Wissenschaftsjournalist und Moderator Ranga Yogeshwar beurteilt das Miteinander der Generationen in Deutschland, etwa im Vergleich zu den Verhältnissen in seinem Herkunftsland Indien, daher sehr kritisch. Alte würden nach wie vor weggeschoben, führten ein Schattendasein in der Anonymität urbaner Wohnquartiere oder würden in Altenheimen separiert.

Neuorientierung der gesamten Sozialpolitik
Andreas Kruse fordert daher eine Neuorientierung der gesamten Sozialpolitik. Es sei dringlich, optimistisch stimmende Altersbilder zu kommunizieren und das Problem der "intragenerationellen Gerechtigkeit", sprich: des Ausgleichs zwischen den sehr unterschiedlichen Alterseinkommen, auf die Tagesordnung zu setzen. In diesen Zusammenhang gehörten auch neue Modelle des Miteinanderlebens der Generationen wie Mehrgenerationenhäuser oder Gemeinschafts-Siedlungen.

Seniorendörfer werden kontrovers diskutiert
Letztere werden seit kurzem unter der Bezeichnung "Seniorendörfer" kontrovers diskutiert. Das Hauptargument der Gegner dieses für Deutschland neuen Konzepts, Seniorendörfer mit ihren an suburbane Schlafquartiere erinnernden Strukturen wirkten der Integration der Alten ja gerade entgegen, ist allerdings nicht stichhaltig.

Denn Seniorendörfer können bestehenden und gewachsenen Siedlungsstrukturen problemlos implantiert werden. Sie müssen nicht unter unsinnigem zusätzlichen Flächenverbrauch als Neubausiedlungen am Stadtrand aus dem Boden gestampft werden, während in den Ortskernen Leerstand und Verfall unübersehbar um sich greifen.

Seniorendörfer gibt es vielfach schon. Nur heißen sie nicht so. Doch in vielen Dörfern und Kleinstädten abgelegener Regionen sind die Jungen weggezogen. Die Alten bleiben zurück. Kleine Landwirtschaften, Handelsfirmen und Handwerksbetriebe finden keine Nachfolger. Sanierungsbedürftige Immobilien bleiben unverkäuflich. Leerstehender Wohnraum wird erst durch die fehlende Nutzung zum Sanierungsfall. Erhebliche Werte gehen unwiederbringlich verloren.

Alte Ortskerne für Seniorendörfer sanieren
Was läge da näher, als die zwangsläufig zu Seniorendörfern degenerierten Ortskerne altengerecht zu sanieren und den Zuzug weiterer Senioren mit attraktiven Angeboten von preiswertem Wohnraum, gemeinschaftlicher Alltagsorganisation und funktionierendem Dorfleben gezielt zu fördern. Wer rüstig ist, kann seine beruflichen (handwerklichen, kaufmännischen) Fähigkeiten bereits während der laufenden Sanierungsarbeiten und anschließend im Hausmeister-Service einbringen.

Tante-Emma-Läden, Schlosserei und Schreinerei, Gemüseanbau und die Erzeugung von Eiern, Geflügel, Fisch usw. können in kleinen Gemeinschaftsprojekten organisiert werden, zur sinnvollen Beschäftigung vieler und zum Nutzen aller. Solche Seniorendorf-Projekte können durchaus von den "jungen Alten" selbst initiiert und auf den Weg gebracht werden. Sie bieten unendliche Möglichkeiten zu kreativer Selbstverwirklichung im frei gewählten Dienst an der Gemeinschaft.

Seniorendörfer brauchen Unterstützung
Doch wird es bei realistischer Betrachtungsweise doch immer einer gewissen professionellen Unterstützung bedürfen, um solche Projekte auf kommunale Entwicklungskonzepte abzustimmen, Fördermittel und Sponsorengelder einzuwerben, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, Ehrenamtliche zu schulen, Konfliktpotenziale zu verringern und bei Auseinandersetzungen schlichtend einzugreifen sowie trotz der unausweichlichen Fluktuation der Bewohner die Nachhaltigkeit zu sichern.

Und selbstverständlich gehören Gesundheits- und Pflegedienste in die Hände von Fachpersonal. Letztlich werden auch die "jungen Alten" einmal so richtig alt, d. h. pflegebedürftig und vielleicht dement. Auch für diesen Fall muss Vorsorge getroffen werden, möglichst ohne den alten Menschen abrupt aus der gewohnten Umgebung herauszureißen.

Wie sich den Erfahrungsberichten vieler Initiatoren von Gemeinschaftsprojekten entnehmen lässt, sind auf dem Wege zur Realisierung mancherlei Hürden zu nehmen. Viele Fehler könnten vermieden werden, wenn nicht jede Gründerinitiative bei null anfangen und versuchen würde, das Rad neu zu erfinden.

Ein zentrales Problem alternativer Formen gemeinschaftlichen Wohnens im Alter scheint offensichtlich zu sein, bei aller Gemeinschaftseuphorie für ausreichende Distanz zu sorgen (Gerade hier ist übrigens das Modell Seniorendorf mit seinen abgeschlossenen Wohneinheiten gegenüber Generationenhäusern, Groß-Lebensgemeinschaften in Schlössern oder auf Gutshöfen usw. klar im Vorteil!).

Professionelle Beratung von Gründer-Initiativen wäre also bereits in einem frühen Stadium wünschenswert. Hier gibt es bislang allerdings nur wenige Angebote, darunter z. B. das Forum für gemeinschaftliches Wohnen (FDW) in Hannover oder das Kuratorium Deutsche Altershilfe.

Im Rahmen des Forschungsprojektes "LoVe – Lokale Verantwortungsgemeinschaften in kleinen Lebenskreisen" des Netzwerkes "Soziales neu gestalten (SONG)" hat das KDA eine Befragung zur Umsetzung von Quartierskonzepten durchgeführt, um die bereits vorliegenden Erfahrungen zu sammeln und systematisch auszuwerten.

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