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Britta Schwalm: So sichern Sie sich gegen betriebliche Risiken richtig ab

Lesezeit: 5 Minuten Als Unternehmer tragen Sie zahlreiche Risiken. Die richtigen Versicherungen entscheiden deshalb nicht selten über Scheitern oder Erfolg Ihres Unternehmens. Rechtsanwältin Britta Schwalm erläutert, welche Risiken Sie als Selbstständiger/Unternehmer versichern sollten und können, und was Sie beim Abschluss Ihrer Versicherungen auf jeden Fall beachten müssen.

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Britta Schwalm: So sichern Sie sich gegen betriebliche Risiken richtig ab

Britta Schwalm: So sichern Sie sich gegen betriebliche Risiken richtig ab

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Streben Sie den Versicherungsschutz an, der zu Ihrem Betrieb passt Ihre betrieblichen Versicherungen sollten genau auf die Bedürfnisse Ihres Betriebs zugeschnitten sein. Sind Sie unterversichert, kann Sie das Ihre Existenz kosten. Haben Sie dagegen Versicherungen abgeschlossen, die Sie gar nicht brauchen, verschwenden Sie unnötig Geld.

Bevor Sie sich voreilig für die eine oder andere Versicherung entscheiden, sollten Sie prüfen, welche Gefahren Ihrem Unternehmen tatsächlich seine Existenz kosten können, z.B.: Haftpflichtschäden- Schäden an Betriebsgebäude und -grundstück, Verlust oder Beschädigung des Warenbestands, Schäden an Ihrer Betriebseinrichtung, Elektronik, Datenträgern- finanzielle Schäden durch Betriebsunterbrechung, Schäden an Firmenfahrzeugen kostspielige Gerichtsverhandlungen, Haftpflichtversicherung.

Fügen Sie als Unternehmer jemandem während bzw. mit Ihrer betrieblichen Tätigkeit Schäden zu, müssen Sie dafür gerade stehen. Sind Sie Freiberufler, Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer GbR, haften Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen. Haben Sie Angestellte, haften Sie auch für die Schäden, die diese während der Ausübung ihrer betrieblichen Tätigkeit verursachen. Diese Haftpflicht kann für jeden Unternehmer deshalb existenzbedrohend sein. Für bestimmte Berufsgruppen wie beispielsweise Rechtsanwälte, Architekten oder Makler ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung sogar gesetzliche Pflicht.

Mehrere Haftpflichtversicherungen kommen für Ihr Unternehmen in Betracht:

– Betriebs- oder Berufshaftpflicht
– Betriebsstättenhaftpflicht
– Produkthaftpflicht
– Kfz-Haftpflicht
– Umwelthaftpflicht (Pflichtversicherung)

Versichert sind nur Tätigkeiten, die im Versicherungsvertrag beschrieben sind. Geben Sie deshalb Ihr Tätigkeitsgebiet bei Abschluss der Haftpflichtversicherung umfassend und präzise an. Bevor Sie den Versicherungsvertrag unterschreiben: Prüfen Sie genau, ob auch wirklich alle Schäden aufgeführt sind, die Sie versichert haben wollen.

Bearbeitungsschäden gehören mit in den Versicherungsvertrag

Eine Betriebshaftpflichtversicherung umfasst in der Regel keine Bearbeitungsschäden. Das bedeutet: Schäden an Sachen, mit oder in denen Sie arbeiten, sind nicht von vornherein mitversichert. Achten Sie deshalb immer darauf, dass Bearbeitungsschäden ausdrücklich mit in die Versicherung aufgenommen werden.

Auch Schäden an gemieteten Sachen sollten Sie mitversichern

Die Betriebshaftpflichtversicherung ersetzt normalerweise auch keine Schäden, die bei der betrieblichen Tätigkeit an von Ihnen gemieteten, gepachteten oder geliehenen Sachen entstehen. Arbeiten Sie also mit hochwertigen Gegenständen wie beispielsweise teuren Maschinen, die nicht Ihnen gehören, müssen Sie auch hierfür einen zusätzlichen Versicherungsschutz vereinbaren.

Produkthaftpflichtversicherung – Wichtig für Hersteller

Auch für Schäden, die Ihre Produkte anrichten, müssen Sie gerade stehen. Sind Sie also Hersteller, Lieferant, Lizenznehmer oder Importeur von Waren, sollten Sie als Ergänzung zur Betriebshaftpflicht- eine Produkthaftpflichtversicherung abschließen. Sie springt im vereinbarten Umfang für die entsprechenden Schadenersatzansprüche, die an Sie gestellt werden, ein.

Basis-Umwelthaftpflicht: Versichern Sie mögliche Umweltschäden gleich mit

Achten Sie darauf, dass Ihre Betriebshaftpflicht- ggf. auch eine Umwelthaftpflichtversicherung umfasst. Diese kommt beispielsweise für Schäden auf, die ein von Ihrem Unternehmen ausgehendes Feuer an Nachbargebäuden anrichtet. Wichtig ist eine Umwelthaftpflicht auch dann, wenn Ihr Betriebsgelände besondere Umweltrisiken in sich birgt, etwa weil sich ein Öltank darauf befindet. Handelt es sich dabei um größere Mengen (ab 1.000 Liter), reicht die Basis-Umwelthaftpflicht nicht. Sie müssen das Risiko, das von dem größeren Tank ausgeht, zusätzlich versichern. Sind Sie Heizungs-, Wasser- oder Gasinstallateur, und warten Sie umweltrelevante Anlagen, müssen Sie dann ebenfalls eine Zusatzversicherung vereinbaren, die höhere Schäden abdeckt.

Betriebsstättenrisiko – Auch dagegen sollten Sie sich versichern

Als Unternehmer haften Sie auch für Gefahren, die von Ihrem Betriebsort, das heißt vom Grundstück und dem Betriebsgebäude ausgehen. Besonders wenn viele Kunden bei Ihnen ein- und ausgehen, sollten Sie das Betriebsstättenrisiko mitversichern.

Kfz-Haftpflicht – Gesetzliche Pflicht für alle Fahrzeuge

Selbstverständlich müssen Sie für sämtliche Fahrzeuge, die zu Ihrem Unternehmen gehören, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen. Diese Versicherung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherung, die Fahrer und Fahrzeughalter vor den Ansprüchen der durch die jeweiligen Fahrzeuge geschädigten Verkehrsteilnehmer schützt.

Gebäudeversicherung

Gehört das Gebäude, in dem Sie Ihren Betrieb unterhalten, Ihnen, sollten Sie auf eine Gebäudeversicherung nicht verzichten. Versichert sind in der Regel das gesamte Haus vom Keller bis zum Dach und damit verbundene Teile wie beispielsweise Antennen. In vielen Fällen umfasst die Versicherung auch Grundstücksbestandteile wie Garagen, Nebengebäude oder Zubehör wie z.B. eine Waschanlage oder ein Brennstofflager. Im Schadensfall ersetzt Ihnen die Assekuranz den reinen Sachschaden, Folgeschäden, z.B. Kosten für Lösch- und Aufräumarbeiten undMehrkosten durch behördliche Auflagen, z.B. Abtragen des verunreinigten Bodens.

Bei der Gebäudeversicherung haben Sie die Möglichkeit – je nachdem, welche Gefahren Ihrer Betriebsstätte drohen -, den Vertrag über verschiedene „Gefahrenmodule“ abzuschließen:

Feuer

Ein Feuer kann schnell entstehen und großen Schaden anrichten. Eine Feuerversicherung gehört deshalb auf alle Fälle mit in das Paket Ihrer betrieblichen Gebäudeversicherungen. Diese Versicherung umfasst auch Schäden, die durch Blitzschlag, Explosionen oder abstürzende Flugkörper entstehen.

Leitungswasser

Ein Rohrbruch ist keine Seltenheit. Die Kosten, die ein derartiges Ereignis verursacht, sind oft hoch. Schließen Sie deshalb immer auch eine Gebäudeleitungswasserversicherung ab, die einspringt, wenn Wasser aus den fest verlegten Zu- oder Ableitungsrohren der Wasserversorgung, aus einer Dampfheizung oder einer defekten Sprinkleranlage Schäden am Gebäude anrichtet.

Sturm/Hagel

Diese Versicherung springt ein, wenn ein Sturm das Dach abdeckt oder einen Baum, Mast oder Ähnliches zum Umstürzen bringt und die Gebäudefassade beschädigt. Der Vertrag deckt je nach Versicherung aber erst Schäden ab, die durch eine gewisse Mindeststurmstärke verursacht wurden. Achten Sie bei Vertragsschluss darauf, dass diese nicht zu hoch liegt – eine Windstärke höher als 10 kommt in Deutschland kaum vor. Falls Sie es für erforderlich halten, können Sie den Vertrag auf Hagelschäden erweitern.

Elementarschäden

Die Hochwasserkatastrophen an Oder, Elbe und ihren Nebenflüssen haben es leider sehr deutlich gezeigt: Überschwemmungen können existenzbedrohende Schäden anrichten. Gegen diese so genannten Elementarrisiken – dazu gehören neben Überschwemmungen z.B. auch Lawinen und Erdbeben – können Sie Ihr Gebäude ebenfalls versichern. Allerdings ist eine seriöse Absicherung in den Risikogebieten immer teuer. Sie sollten deshalb vor Abschluss eines Vertrags Ihr konkretes Risiko und die Kosten genau abwägen.

Glasbruch

Verfügt Ihr Gebäude über aufwändige Innenraum- oder Außenverglasungen, bzw. große Schaufenster, ist auch eine Glasbruchversicherung unter Umständen sinnvoll.

Betriebsinhaltsversicherung

Eine Betriebsinhaltsversicherung ist für Betriebe unverzichtbar, die einen großen Warenbestand oder teure Produktionsmaschinen oder sonstige Geräte haben. Je nachdem, wie Ihr Betrieb ausgestaltet ist, können Sie Ihre kaufmännische oder technische Betriebseinrichtung, Gebrauchsgegenstände der Mitarbeiter sowie die Vorräte und Waren versichern. Am besten, Sie erstellen eine Liste der Dinge, die Sie versichern möchten, listen deren Wert auf und wenden sich dann an einen Versicherungsvertreter oder -makler.

Gegen diese Schäden können Sie Ihren Betriebsinhalt versichern.

Folgende Gefahren können Sie mit einer Betriebsinhaltsversicherung abdecken:

Feuer, Leitungswasser, Verlust, Zerstörung oder Beschädigung der versicherten Sachen durch Einbruchdiebstahl, Vandalismus und/oder Raub.

Möglich, aber nicht in jedem Fall nötig, ist außerdem auch hier eine Versicherung gegen Glasbruch und gegen Sturm sowie Elementarrisiken. Die Versicherung ersetzt den direkten Schaden. Achten Sie bei Abschluss des Vertrags darauf, dass der Versicherungsschutz auch die Aufräum-, Feuerlösch-, Abbruch-, Bewegungs- und Schutzkosten umfasst. Arbeiten Sie und/oder Ihre Mitarbeiter mit hochwertigen elektronischen Geräten, ist neben der Betriebsinhaltsversicherung eine Elektronikversicherung wichtig.

Betriebsunterbrechungsversicherung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung ist für alle Unternehmen wichtig – in erster Linie aber für diejenigen mit Angestellten und hohen laufenden Kosten. Sie können diese Versicherung in Anspruch nehmen, wenn Ihr Betrieb z.B. wegen eines Feuer-, eines Leitungswasser- oder eines Sturmschadens eine Zwangspause einlegen muss, bzw. Sie nicht produzieren können.

Die BU ist deshalb auch meistens an die entsprechende Sachversicherung wie beispielsweise die Feuerversicherung gekoppelt.

Die Versicherung übernimmt bei Betriebsstopp die anfallenden Geschäftskosten wie Löhne, Miete und Zinsen sowie den entgangenen Gewinn und stellt Sie damit finanziell so, als ob die Betriebsunterbrechung nie eingetreten wäre.

Kfz-Versicherungen

Ihre Kfz-Haftpflicht deckt nur Schäden ab, die Ihre Firmenautos anderen zufügen. Um auch die Schäden an den Fahrzeugen Ihres Unternehmens selbst abzusichern, brauchen Sie eine Kaskoversicherung:

Mit der Teilkaskoversicherung können Sie sich gegen Schäden versichern, die entstehen durch Brand, Explosion, Diebstahl, Raub, Sturm, Hagel, Blitzschlag, Überschwemmung, Zusammenstoß mit Haarwild, Marderbiss, Bruchschäden an der Verglasung, Brand oder Schmorschäden der Kabel durch Kurzschluss.

Mit der Vollkaskoversicherung haben Sie die Möglichkeit, zusätzlich zu den oben genannten Risken außerdem Schäden durch Unfall (auch selbst verschuldet) und mutwillige Beschädigungen durch fremde Personen mitzuversichern.

Firmenrechtsschutzversicherung

Eine Firmenrechtsschutzversicherung sollten Sie immer abschließen. Je nach Art und Größe Ihres Betriebes, nach Anzahl Ihrer Mitarbeiter, usw. können aus den verschiedensten Gründen immer wieder kostspielige Gerichtsverfahren auf Sie zukommen. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt dann die Kosten für Ihren Anwalt, Ihre Gerichtskosten sowie – falls nötig – die Kosten der Gegenseite.

Bevor Sie eine Rechtsschutzversicherung abschließen, überlegen Sie sich genau, welche rechtlichen Schwierigkeiten möglicherweise auf Sie zukommen. Häufig können die Risiken in Kombipolicen zusammengefasst werden.

Bildnachweis: sebra / stock.adobe.com

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