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Bildungsurlaub – Anspruch, Anträge und Kursfindung

Lesezeit: 4 Minuten Immer häufiger wird lebenslanges Lernen als Voraussetzung genannt um seine Attraktivität am Arbeitsmarkt zu steigern. Entscheiden sie sich für eine Weiterbildung, können Bildungsinteressierte zahlreiche Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen. Eine davon ist der Bildungsurlaub. Bei den meisten herrscht Verunsicherung ob und wie viel Bildungsurlaub ihnen zusteht. Wir schaffen Klarheit und zeigen unter anderem, wer Anspruch auf den Bildungsurlaub hat und was in Bezug auf die Kurswahl beachtet werden sollte.

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Bildungsurlaub – Anspruch, Anträge und Kursfindung

Bildungsurlaub – Anspruch, Anträge und Kursfindung

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Unterschiedliche Regelungen auf Landesebene

Möchte man sich beruflich oder persönlich weiterentwickeln, kann man aus vielen Weiterbildungsangeboten wählen. Doch wie lassen sich Weiterbildung und Berufstätigkeit miteinander in Einklang bringen? Für genau solche Situationen ist der Bildungsurlaub gedacht. Während dieser Zeit muss der Arbeitgeber seinen Angestellten bezahlten Urlaub gewähren. Das heißt, dass man die Möglichkeit bekommt, einen Kurs oder ein Seminar zu besuchen, ohne dass man hierfür seine regulären Urlaubstage einsetzen muss. Stattdessen bekommen Arbeitnehmer zusätzliche Freitage, an denen sie sich fortbilden können. Dabei muss die Weiterbildung nicht unbedingt in Zusammenhang mit dem Beruf stehen.

Ob und wie viele Tage man Anspruch auf Bildungsurlaub hat, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. In 14 der 16 Bundesländer gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Fortbildungsurlaub. Einzige Ausnahme sind Bayern und Sachsen. Unter welchen Umständen man trotzdem bezahlten Urlaub für eine Weiterbildung nehmen kann, lässt sich den gültigen Tarif- und Arbeitsverträgen entnehmen.

Anhand der nachfolgenden Auflistung können Sie sehen, wie viele Tage Bildungsurlaub Ihnen in Ihrem Bundesland zustehen:

  • Baden-Württemberg: 5 Arbeitstage pro Kalenderjahr
  • Berlin: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Brandenburg: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Bremen: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Hamburg: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Hessen : 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Mecklenburg-Vorpommern: 5 Arbeitstage pro Kalenderjahr
  • Niedersachen: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Nordrhein-Westfalen: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Rheinland-Pfalz: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Saarland: 6 Arbeitstage pro Kalenderjahr
  • Sachsen-Anhalt: 14 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Schleswig-Holstein: 10 Arbeitstage pro zwei Kalenderjahre
  • Thüringen: 5 Arbeitstage pro Kalenderjahr

Als ausschlaggebend gilt normalerweise das Bundesland, in welchem man arbeitet – und nicht das, in dem sich der Wohnsitz befindet. Wichtig: Für Arbeitnehmer in Teilzeit reduziert sich der Anspruch auf Bildungsurlaub je nach ihrer Wochenarbeitszeit. Für Beamte und Auszubildende gelten außerdem gesonderte Regelungen.

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Um seinen rechtlichen Anspruch auf Bildungsurlaub geltend machen zu können, muss man bei seinem Arbeitgeber fest angestellt sein. Studenten, Hausfrauen und Rentner haben keinen Anspruch auf Bildungsurlaub. Diese Regelung ist unabhängig vom Bundesland. Ansonsten gilt, dass man sich rechtzeitig über alles Wichtige informieren sollte, so dass man den Antrag auf Bildungsurlaub fristgerecht stellen kann.

Darüber hinaus muss man sich darüber informieren, ob der ausgewählte Kurs für den Bildungsurlaub anerkannt wird. In der Regel kann man Sprachkurse besuchen, einen Computerkurs absolvieren, sich für einen Kurs zur Digitalisierung am Arbeitsplatz anmelden oder sich für einen Kurs zu einem aktuellen oder politischen Thema einschreiben. Auch Rhetorikkurse, Entspannungstrainings oder Kurse zum Thema Stressmanagement sind möglich. Inwieweit das ausgesuchte Seminar für die Beantragung von Bildungsurlaub zulässig ist, kann man direkt beim Weiterbildungsanbieter erfragen.

Welche Weiterbildung ist die richtige für mich?

Je größer das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten ist, umso schneller fühlt man sich überfordert. Um die richtige Weiterbildung zu finden, sollte man sich fragen, wo man beruflich aktuell steht und wo man hin möchte. Es gibt zum Beispiel Seminare und Kurse, die bei denen man einen anerkannten Abschluss erhält. Man kann in der nächsten Bewerbung aber auch mit einem Zertifikat aus einem EDV- oder einem Rhetorik-Kurs punkten. Unterschieden werden muss prinzipiell in Weiterbildungen, bei denen man Hard Skills erwirbt, und in Angebote, bei denen die Soft Skills wie etwa Führungsqualitäten gefördert werden.

Wohin kann man sich wenden, um individuell passende Bildungsangebote zu finden? Bei Kursnet eine passende Weiterbildung finden ist ganz einfach. Die Datenbank der Arbeitsagentur ermöglicht eine regionale Suche anhand einschlägiger Suchbegriffe. Als größte Aus- und Weiterbildungsdatenbank ist sie für viele eine große Hilfe.

In 3 einfachen Schritten zum Bildungsurlaub

Laut Statistik nehmen nur wenige Arbeitgeber Bildungsurlaub in Anspruch. Nur ein bis drei Prozent der Beschäftigten mit Anspruch auf Bildungsurlaub reichen auch tatsächlich einen Antrag ein. Viele scheuen den bürokratischen Aufwand. Dabei ist es gar nicht so schwer, einen Antrag auf Fortbildungsurlaub zu stellen. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie das geht.

  • Seminar aussuchen:

Bevor es mit der Antragstellung losgehen kann, müssen Sie natürlich wissen, ob und wie viel Bildungsurlaub Ihnen zusteht. Mit diesem Wissen im Hinterkopf können sie ein Seminar aussuchen, an welchem Sie gerne teilnehmen möchten. Wichtig ist, dass dieses im jeweiligen Bundesland im Rahmen des Bildungsurlaubs anerkannt wird.

Am besten beginnt man frühzeitig mit der Suche nach einem Weiterbildungsangebot. Schließlich ist die Beantragung des Urlaubs an bestimmte Fristen gekoppelt. Für Niedersachsen und Bremen gilt eine 4-Wochen-Frist vor Beginn der Weiterbildung, in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sind es 6 Wochen, für Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen muss der Antrag sogar 8 Wochen vorher gestellt werden.

  • Antrag stellen:

Wer sich für eine Weiterbildung anmeldet, erhält vom Bildungsanbieter Unterlagen, welche er zur Beantragung des Bildungsurlaubs braucht. In einigen Unternehmen gibt es offizielle Antragsformulare, die man nur ausfüllen braucht. Alternativ kann man auch ein formloses Schreiben aufsetzen. Dieses sollte die Bitte zur Freistellung zwecks Bildungsurlaubs sowie den Zeitraum beinhalten. Es empfiehlt sich, auch gleich die Weiterbildungsunterlagen einzureichen.

Steht Ihnen der Bildungsurlaub gesetzlich zu, darf der Arbeitgeber den Antrag nicht grundlos ablehnen. Möchte er die Freistellung nicht gewähren, muss er dies korrekt und nachvollziehbar begründen. Zulässiger Grund ist zum Beispiel ein Mitarbeiterengpass, wenn im gewählten Zeitraum zu viele Kollegen Urlaub eingereicht haben.

Wichtig: Die Ablehnung sollte man sich unbedingt schriftlich geben lassen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat oder Personalrat lässt sich dann prüfen, ob die Ablehnung rechtsmäßig ist.

  • Bildungsurlaub genießen

Stimmt der Arbeitgeber dem Bildungsurlaub zu, steht der Weiterbildung nichts mehr im Weg. Alle hierfür erforderlichen Unterlagen bekommt man rechtzeitig vom Seminaranbieter. Dort erhält man später auch eine Teilnahmebestätigung, welche man im Anschluss bei seinem Arbeitgeber einreichen muss.

Neben dem Bildungsurlaub gibt es noch viele weitere Fördermöglichkeiten für Weiterbildungen, die man in Anspruch nehmen kann – so etwa den Bildungsgutschein. Die zuständige Agentur für Arbeit berät Interessierte individuell über alle Möglichkeiten.

Bildnachweis: NDABCREATIVITY / stock.adobe.com

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