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Bewerbungen: Das Stellengesuch als Alternative?

Vielfach wird als Alternative zur Bewerbung das Stellengesuch angesehen. Doch wie gut sind die Erfolgsaussichten eines Stellengesuchs tatsächlich? Kommt dieser Weg für Sie in Frage? Lesen Sie es in diesem Artikel.

Experten schätzen schon die Chancen, über den klassischen Versand von Bewerbungen auf Stellenanzeigen oder auch Initiativbewerbungen mit einer Erfolgsquote von maximal 25 % als nicht besonders hoch ein. Noch schlechteren Chancen werden jedoch eigenen Stellengesuchen eingeräumt. Die Erfolgsquote liegt hier bei maximal 10 %, eher noch darunter.

Bewerbungen: Gründe, warum Stellengesuche oft wenig Beachtung finden

  • Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, ein eigenes Stellengesuch zu schalten: in Tages- oder Wochenzeitungen (gebührenpflichtig), unter Jobbörsen wie Stepstone oder Monster können eigene Lebensläufe hinterlegt werden, die Arbeitsagenturen geben Lebensläufe nach Einverständnis des Bewerbers in anonymisierter Form zur Einsichtnahme für Arbeitgeber frei und auch freie Portale wie etwa markt.de bieten die Möglichkeit, kostenfrei ein Stellengesuch einzustellen.
    Die meisten Online-Angebote zur Schaltung von Stellengesuchen sind kostenfrei. Allerdings hat kaum ein Personalverantwortlicher die Zeit, sämtliche Print- und Online-Medien nach geeigneten Kandidaten zu durchforsten. Es kommt in der Praxis sehr selten vor, dass Bewerber und Arbeitgeber durch ein Stellengesuch zueinander finden, sodass die Erfolgsaussichten sehr gering sind
  • Das Verhältnis von Stellenangeboten und Stellengesuchen auf einigen Online-Portalen zeigt das deutliche Missverhältnis zwischen beiden Alternativen. Oft steht einer Vielzahl von Stellenanzeigen mehr als das zehnfache an Stellengesuchen gegenüber.

Bewerbungen: Vorbehalte von Arbeitgebern gegenüber Stellengesuchen
Die Vorurteile gegenüber Stellengesuchen, auch in seriösen Printmedien und Online-Portalen, resultieren aus den verschiedensten Gründen. Selbst wenn eine Anzeige sich durch seine Größe und farbliche Gestaltung von anderen Stellengesuchen abhebt, besteht aufgrund des begrenzten Platzes kaum die Möglichkeit, die eigene Person angemessen darzustellen.

Meist finden sich in Stellengesuchen nur sehr globale Informationen wie Altersangabe, Geschlecht, Berufsbezeichnung, besondere Kenntnisse (Fremdsprachen, EDV etc.) und persönliche Präferenzen wie Region, Branche, Tätigkeitsfeld. Eine individuelle Darstellung der eigenen Stärken, die den Inserenten angenehm von mehreren tausend Bewerbern, die über die gleichen Qualifikationen verfügen, abhebt, ist angesichts des begrenzten Platzangebotes kaum möglich.

Hinzu kommt, dass manche Stellengesuche noch nicht einmal ein Minimum an Aussagekraft beinhalten. Sätze wie "Junger Mann sucht Arbeit", verbunden mit der Angabe einer Telefon- oder Mobilnummer verleiten einen Personaler sicherlich nicht dazu, Kontakt zu dem Inserenten aufzunehmen, da weder Aussagen zur Qualifikation noch zur Art der gesuchten Tätigkeit getroffen werden.

Gerade auf Online-Portalen, die nicht nur ausschließlich für die Stellensuche, sondern auch für andere Bereiche offen sind wie etwa An- und Verkauf von Büchern, Briefmarken, Antiquitäten, Haustieren etc., finden sich vielfach Stellengesuche, die an schlechtem Stil und der Anzahl der Fehler in einem recht kurzen Text kaum noch zu überbieten sind. Zwei Negativ-Beispiele sind:

  • "Ich suche Arbeit – egal was – bitte alles anbieten. Wer hat da was?"
  • "Ich suche Arbeit. Art der Arbeit egal, gute Bezahlung ist am wichtigsten."  

Durch solche Inserate wird das Vertrauen der Arbeitgeber, die Online-Portale nach potenziell geeigneten Kandidaten durchstöbern, nicht gerade gestärkt. Des Weiteren haben nur die wenigsten Arbeitgeber und Personalverantwortlichen die Zeit, aus der bereits angesprochenen Fülle der Stellengesuche passende Kandidaten herauszufiltern.  

Unseriöse Angebote als Antwort auf ein Stellengesuch 
Abgesehen von der geringen Rücklaufquote auf Stellengesuche müssen selbst Inserenten, die ein seriöses, gut geschriebenes Gesuch veröffentlicht haben, feststellen, dass sich meist nur die "üblichen Verdächtigen" melden – Strukturvertrieb, Kaltakquise, Verkauf von Lifestyle-Produkten und Finanzdienstleistungen u. ä. (auch wenn das Angebot gar nicht zum bisherigen Werdegang des Inserenten und zur gesuchten Position passt).

Oft schließen Bewerber, die ein Stellengesuch schalten, bestimmte Branchen, Art von Arbeitsverhältnissen usw. aus, etwa durch Hinweise wie "Kein Strukturvertrieb, keine Zeitarbeit, keine Versicherungen."  

Auch wenn der Inserent explizit angibt, ausschließlich an einer Vollzeitstelle interessiert zu sein, so gibt es dennoch eine Reihe von "Interessenten", die versuchen, dem Kandidaten 400 €-Jobs, ehrenamtliche Tätigkeiten oder Jobs in den Bereichen anzubieten, die der Bewerber bereits in seinem Gesuch ausgeschlossen hat.

Auch lässt der Stil der Antworten oft zu wünschen übrig. Wenn eine Bewerberin, die bereits als Sachautorin, Publizistin oder Journalistin tätig war, ein Stellengesuch schaltet, sind auch schon Antworten vorgekommen wie diese: "Schauen Sie doch mal über Ihren Tellerrand! Werden Sie Kinderbuchautorin!"  

Fazit zum Thema: Bewerbung oder Stellengesuch? 
Vor dem Hintergrund der Vielzahl der in Print- und Online-Medien kursierenden Stellengesuche und der mangelnden Zeit, die Arbeitgeber haben, um alle – auch die seriösen – zu sichten, ist die Schaltung eines eigenen Gesuchs wenig sinnvoll. Hinzu kommt, dass unseriöse Firmen die scheinbare Notlage des Inserenten auszunutzen versuchen und deshalb ebenso fragwürdige Jobofferten versenden.

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Alexandra Döll