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Berufsbild Kulturpädagogik: Interview mit der Kulturpädagogin Karen Bentfeld

Lesezeit: 3 Minuten Das Interview gibt Einblick in den Alltag und Lebensraum von Kulturpädagogen. Die Künstlerin Karen Bentfeld beschreibt das Zusammenspiel von Kunst und Pädagogik.

3 min Lesezeit

Berufsbild Kulturpädagogik: Interview mit der Kulturpädagogin Karen Bentfeld

Lesezeit: 3 Minuten

 Interview mit der Kulturpädagogin Karen Bentfeld

Sie sind freie Kulturpädagogin. Welche Wege und welche Ausbildungen haben Sie dorthin gebracht?

Damals hatte ich immer die Vorstellung, weder Pädagogin noch Therapeutin zu werden, sondern Künstlerin, eine, die die Erfahrung von Kunst mit anderen teilt – in welcher Form auch immer; zusammen in einem Atelier, gemeinsam in einem Projekt… auf jeden Fall so, dass jeder seinen eigenen Zugang zur Kunst findet, kreativ sein kann, einfach Quatsch machen, zweckfreies Zeug. Dass man Dinge so darstellen kann, wie man sie sieht (und niemand sonst sieht sie so) und dadurch natürlich auch sich selbst den anderen zeigt.

Ich habe Diplom-Heilpädagogik mit Schwerpunkt Kunsttherapie in Köln studiert. Im Studium ging es viel um die Frage: Wo liegt die Grenze zwischen Therapie und Pädagogik?

Mich haben immer alle Kunstformen interessiert, wirklich alle. Das hat nicht nur Vorteile (Spezialisierung hat auch was für sich), aber immerhin bringt es, glaube ich, eine große Offenheit mit sich.

Neben dem Kunsttherapiestudium habe ich als Gasthörerin an der Sporthochschule in Köln die Fächer Spiel-Musik-Tanz und Elementarer Tanz belegt. Diese Jahre mit viel Körperarbeit waren sehr wichtig. Außerdem ist daraus eine Tanztheatergruppe entstanden, die ca. 5 Jahre aktiv war. Später habe ich in einer experimentellen Folkband gesungen und in einem Duoprojekt, bei dem wir Musik mit Performance verbunden haben. Und Theater gespielt habe ich.

Als Kunsttherapeutin habe ich in der Psychiatrie und mit Drogenabhängigen gearbeitet.

Nach der Geburt meines Sohnes und nachdem ich lange in einem anderen Bereich (Behinderten-Assistenz) gearbeitet hatte, machte ich eine Fortbildung an der Alanus-Kunsthochschule in Alfter (Kulturpädagogik für Künstler), um wieder den Anschluss zu meinem eigentlichen Arbeitsfeld zu knüpfen. In Alfter ging es viel um die Frage: Wo liegt die Grenze zwischen Kunst und Pädagogik?

Da ich diese Grenzfrage schon ohne abschließende Antwort an der Uni durchexerziert hatte, interessierte mich diese Unterscheidung weniger; allerdings bekam ich neue Inspiration und Lust auf schöne Projekte. Außerdem konnten wir in Alfter immer vom Kursraum aus auf die Pferdewiese gucken, das war extrem entspannend.

Wie sieht das Arbeitsfeld der freien Kulturpädagogen aus?

Ich habe an einer Jugendkunstschule in Düsseldorf (“Krea“) Kurse für Kinder zwischen ca. 4 und 10 Jahren gegeben. Da wurde viel mit Material experimentiert. Ich hatte die Rolle, den Kindern bei der Umsetzung ihrer eigenen Ideen zu helfen. Da das Angebot in der Krea Ton, Holz, Stein, Malen, Filzen, Kleben, Nähen u. v. m. umfasst, war das teilweise extrem arbeitsintensiv. Ich habe immer versucht, die Arbeitsprozesse der Kinder so miteinander zu verbinden, dass sie sich gegenseitig helfen können.

Dann hatte ich noch eine Kunst-AG im Ganztag einer Grundschule und habe Ferien-Kunstprojekte zu verschiedenen Themen angeboten.

Auffällig war, dass mein Auto immer randvoll mit Material war, das ich irgendwo gefunden habe. Ich würde sagen, zum Arbeitsfeld des freien Kulturpädagogen gehört es unbedingt, in Baumärkten in der Holzabfalltonne herum zu wühlen.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an der Arbeit als Kulturpädagogin?

Zu beobachten, wie jemand konzentriert und eifrig an seiner Sache arbeitet und völlig die Zeit vergisst. Oder der Moment, als ein 5-jähriger Junge mit glänzenden Augen seine Idee schilderte und beim Erzählen die Pinselstriche, die er vorhatte, in die Luft malte. Das war wie Ballett.

Und wenn 10 Kinder in einem Raum so geschäftig herumlaufen oder hochkonzentriert still sind, sich noch gegenseitig helfen und Anerkennung zollen, dann ist das eine sehr schöne, energiegeladene Stimmung.

Sie sind selber in vielen Feldern künstlerisch tätig. Sie sind Sängerin und arbeiten in einem Theaterensemble. Was ist Ihr Schwerpunkt?

Das wechselt, im Moment ist es Theater. Im Mai ist die Premiere von “Der König ohne Reich“ (Theater Agora in Sankt Vith, Belgien). Wir machen viel Musik in dem Stück, und mit dem Bühnenbild haben wir auch zu tun.

Wie ist das Verhältnis zwischen eigenem künstlerischen Tun und kulturpädagogischen Projekten?

Das inspiriert sich gegenseitig. Man muss in beiden Bereichen weiter kommen. Und sich die Frage stellen: Warum mache ich eigentlich diese Kunst? Was hat das mit mir zu tun? (Bei der eigenen Kunst) Und: Was will ich vermitteln? Wie kann ich das am besten vermitteln? (Bei der Pädagogik) Vielleicht ist die verbindende Frage für mich: Welche Geschichten möchte ich erzählen?

Was kann man in freien Projekten besonders gut umsetzen bzw. was ist Ihnen dort besonders wichtig?

Wichtig finde ich, den Kindern bzw. den Teilnehmern nicht etwas Fertiges vorzulegen, das sie nur noch ausmalen müssen, sondern die Möglichkeit zu geben, etwas Eigenes umzusetzen. Schön wäre dafür ein flexibler Zeitrahmen und nicht zu große Gruppen.

In freien Projekten habe ich die Chance, ein Thema, das mich persönlich interessiert, anderen auf so eine Art nahe zu bringen, dass der Funke überspringt, und dann ist es nicht mehr nur mein Thema, und das ist das Gute.

Was muss man mitbringen, um als freie Kulturpädagogin tätig zu sein?

Viel Zeit. Meistens wünscht man sich mehr Zeit. Und oft wird die Zeit, die man um die Projekte herum noch braucht, nicht bezahlt. Mit diesem Konflikt muss man als Kulturpädagogin umgehen können bzw. professioneller und ökonomischer werden, ohne dass man Dienst nach Vorschrift macht. Das geht ja gar nicht.

Dann braucht es Offenheit und die Bereitschaft, sich von den eigenen Zielen zu verabschieden, weil die Prozesse bei den Teilnehmern evtl. in eine ganz andere Richtung laufen.

Wichtig finde ich auch, gutes Feedback geben zu können, das die Teilnehmer berührt und weiterbringt. Nicht zu sagen, wie man etwas findet, sondern was man sieht. Dafür braucht man Aufmerksamkeit und Begeisterungsfähigkeit.

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