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Berufsbild Kulturpädagogik: Interview mit der Kulturpädagogin Britta Frechen

Lesezeit: 3 Minuten Im folgenden Interview mit der Kulturpädagogin Britta Frechen erhalten Sie Einblick in die Arbeit in einer Jugendkunstschule, in die Projektarbeit von Kulturpädagogen und die Erarbeitung eines Weiterbildungskonzepts.

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Berufsbild Kulturpädagogik: Interview mit der Kulturpädagogin Britta Frechen

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Interview mit der Kulturpädagogin Britta Frechen

Sie arbeiten in der Jugendkunstschule Köln. Ihre erste Ausbildung war Erzieherin. Welche Wege haben Sie genommen?
Meine Erzieherausbildung hatte den Schwerpunkt Erlebnis und Spielpädagogik. Und während der Ausbildung hat mich der kunstpädagogische Teil am meisten angesprochen, daher habe ich mich in diesem Bereich weiter gebildet. Und bin auf dem diesem Wege mit der Jugendkunstschule bzw. Kumbig in Kontakt gekommen.

Was sind Ihre Aufgabengebiete und Arbeitsschwerpunkte?
Im Laufe meiner Tätigkeit für die Jugendkunstschule habe ich sehr unterschiedliche Aufgaben wahrgenommen. Zur Zeit leite ich das Projekt "come-ix“, ein kunstpädagogisches Projekt im Übergang Schule/Beruf, das über zwei Jahre geht, bin in der kunstpädagogischen Weiterbildung als Dozentin tätig, konzipiere Projekte für Kindergärten und andere Institutionen und führe diese auch durch und gebe Kunst-Kurse für 2-6 Jährige – Basisarbeit, die für mich ganz wichtig ist, um Ideen, Konzepte und Methoden in der Praxis zu überprüfen.

An dieser Stelle habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es in der Arbeit mit den Kleinsten ganz besondere Anforderungen an den Kunstpädagogen gibt. Der Kunstpädagoge wandelt sich zum Kulturpädagogen, da er nämlich alle Bereiche der   kulturellen Bildung abdecken muss.

Ihr größtes Projekt zur Zeit ist eine Weiterbildung, die Sie entworfen haben. Sie heißt "Ästhetische Frühbildung“. Was verbirgt sich dahinter?
In der Ästhetischen Frühbildung geht es um die Schulung der Wahrnehmung. Unmittelbar die Schulung der Teilnehmer und mittelbar die der Kinder. Ziel der Weiterbildung ist der emanzipatorische Umgang mit ästhetischen Phänomenen der Umwelt, sowohl in den aufnehmenden wie in den gestaltenden Bereichen. Ästhetik findet überall statt.

Der Begriff der Ästhetik kommt auch im Titel der Weiterbildung vor. Können Sie den Begriff der Ästhetik erläutern? 
Umgangssprachlich spricht man im Zusammenhang mit dem Schönen von der Ästhetik. Zumeist wird der Begriff auch in Bezug zur bildenden Kunst gesehen. Das ist hier nicht gemeint. Wir sprechen von Ästhetik im Zusammenhang mit der Fähigkeit des Menschen Situationen, Dinge, Räume wahrzunehmen und zu gestalten. Es geht nicht um eine Wertung

Mehr um einen Zustand? 
Ja. Es geht ja darum die Wertung aus dem Begriff zu nehmen, ihn wieder dorthin zu bringen wo er eigentlich herkommt, in unsere Umwelt. Die Teilnehmer sollen lernen ihren eigenen Wertungen und Wahrnehmungen zu trauen und nicht dem was Ihnen vorgegaukelt wird.

Vorgegaukelt wird? 
Ästhetische Phänomene tauchen in unserer Umwelt überall auf… Wir alle wissen von Regeln in der Einkaufswelt. Süßigkeiten liegen an der Kasse, teure Artikel sind in Augenhöhe, Sonderangebote springen uns in Orange an, für ein besseres Kaufverhalten werden wir mit Musik und Bildern berieselt… All das sind ästhetische Phänomene.

In diesem Fall hat es nichts mehr mit Zufall zu tun. Der Käufer soll gelenkt werden. Die Weiterbildung möchte erreichen, dass der Käufer eine bewusste Entscheidung trifft. In der Weiterbildung möchten wir den Teilnehmern einen bewussten und eigenverantwortlichen und kreativen Umgang   mit solchen Phänomenen ermöglichen.

Wie sieht das konkret in der Weiterbildung aus? Wie erreichen Sie die Bildung der Wahrnehmung? 
Und zwar sind Künstler Experten im Umgang mit der Wahrnehmungsbildung. Daher benutzen wir in der Weiterbildung viele künstlerische Methoden, die aus unterschiedlichen Sparten der kulturellen Bildung kommen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt der Weiterbildung, die fächerübergreifende Arbeit.

Welche künstlerischen Disziplinen treffen aufeinander? 
Die Dozenten kommen aus Bereichen wie Tanz, Medien, Umwelt, Malerei, Theater oder Bildhauerei. Das ist eine ganz spannende und intensive Sache, z. B. das Seminar "Beobachtung und Dokumentation“ ästhetischen Lernens, dort trifft Medienpädagogik die Kunstpädagogik.

Oder im Seminar "Klanglabor“ ein ästhetisches Lernfeld, indem eine Tanzpädagogin auf einen Kunstpädagogen trifft. Durch das Tandem-Teaching wird immer ein Thema aus 2 verschieden kulturpädagogischen Blickwinkeln bearbeitet, so dass ein Lernen mit allen Sinnen möglich wird.

Also kommen Tanz, Musik, Kunst und Medien in dieser Weiterbildung zusammen?
Ja und auch Theater. Es geht nicht darum Künstler Musiker oder Tänzer heranzubilden. Sondern mit musischen und künstlerischen Methoden die Wahrnehmung zu schulen und das Vertrauen in die eigene Ausdruckskraft zu stärken.

Der Schwerpunkt der Weiterbildung liegt auf dem Vermitteln von ästhetischen Erfahrungen, weil es im Elementar – und Primarbereich so wichtig ist, dies zu ermöglichen. Das ist ja die Grundlage für einen eigenverantwortlichen und selbstbewussten Umgang mit ästhetischen Phänomenen. Wir vermitteln ästhetische Erfahrungsfelder und Methoden wie diese hergestellt werden können.

Steht dieses Konzept im Gegensatz zur vorschulischen Bildung?
Nein, die Schulung der Sinneswahrnehmung ist ein wichtiger Bestandteil vorschulischer und auch schulischer Bildung. Es steht nicht im Gegensatz, Wahrnehmung ist genauso wie das Denken eine Grundlage des menschlichen Seins, wir machen da den Schulterschluss. 

Und für wen ist die Weiterbildung geeignet?
Für alle pädagogische tätigen Menschen in den Bereichen der Elementar und Primarpädagogik, z. B. für ErzieherInnen, Tätige in der Ganztagsbetreuung, GrundschullehrerInnen und alle die sich in freien kulturpädagogischen Arbeitsfeldern bewegen wollen.

Was gefällt dir an deiner Arbeit als Kulturpädagogin am meisten?
Das ich jeden Tag dazu lernen darf!

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