Sozial- und Bildungsmanagement

Religionsverständnis: Hängt der Frieden in der Welt davon ab?

Religionsverständnis: Hängt der Frieden in der Welt davon ab?
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Ist der Frieden in der Welt nur durch einen Frieden der Religionsformen möglich und wenn ja, welches Religionsverständnis liegt zugrunde? Durkheim wählte eine sogenannte „primitive“ Religionsform als Ausgangspunkt seiner Untersuchung. In solchen, eher ursprünglichen Religionsformen, lassen sich seiner Meinung nach religiöse Zusammenhänge relativ direkt, ohne historisch-entwicklungsbezogene Analysen, beobachten.

Religionsverständnis: Religion durchläuft Entwicklung
Die Verwendung des Begriffs "primitiv" soll in diesem Zusammenhang jedoch nicht darauf hindeuten, dass Religion als solche (als Idee) eine Entwicklung vom primitiven zum entwickelten Stadium durchläuft.

Vielmehr deutet der Begriff daraufhin, dass Religionsformen komplexerer Sozialsysteme auch kompliziertere Systeme auf die Religionsidee aufbauen. Durch vielerlei aufgesetzte Strukturen wird, nach Durkheim, das Eigentliche, Objektive der Religion in solchen Religionsformen verdeckt.

Die Religionswissenschaft beschäftigte sich lange einzig mit der phänomenologischen Darstellung "fremder Religionen". Die Religionsgeschichte versuchte die Wahrnehmung der Veränderungen der Religionsformen in einen historischen Kontext zu stellen. Erst mit der Wahrnehmung von Religionsformen, als nicht von der Gesellschaft unabhängigen Phänomenen, entstand die Abspaltung der Bereiche Religionssoziologie und Religionspsychologie.

Religionsverständnis: Lanczkowski und die Vorstellung der Religion als Bindeglied
Nach dem Religionsverständnis von Lanczkowski dient die Religion dem Menschen als Bindeglied zur Transzendenz. Sie bietet den Menschen eine Orientierung und gleichzeitig die Möglichkeit einen Erlösungsweg zu finden.

Durch ihre ethischen und kultischen Notwendigkeiten gestaltet die Religion die Lebensführung und Kultur der Gläubigen und wirkt so auf das soziale Gefüge: "Religion ist selbst nicht durch eine außer ihr stehende Größe bedingt, bedingt aber ihrerseits Lebensführung und Kultur ihrer Bekenner.

Sie verbindet mit dem, was aller Wirklichkeit enthoben ist, mit der Transzendenz, mit Gott oder den Göttern, denen sie in Anbetung, in ethnischer Lebensgestaltung und kultischer Handlung Verehrung entgegenbringt. Sie verheißt einen Heilsweg, der von Leid und Sünde befreit und zur Erlösung führt.

Durch ein eigenes Geschichtsbild wie häufig durch ein religionsgeographisches Weltbild lässt die Religion den Menschen seinen Standpunkt erkennen, sie vermittelt ihm die Möglichkeit der Orientierung… Sie bedarf eines organisatorischen Zusammenhalts.“ (1)

Friede in der Welt durch die Funktion von Religion
Die Bewertung Lanczkowskis offenbart einige Aspekte, welche die oben genannte Bewertung von Durkheim erweitern. Als Funktionen von Religion werden die Beeinflussung von Lebensführung und Kultur hervorgehoben.

Als Bedeutung treten die Verbindung mit dem Verehrungswürdigen und die Verheißung eines befreienden und erlösenden Heilsweges sowie die orientierende Kraft in Erscheinung. Somit kommen der Religion eine psychologische Bedeutung und eine soziologische Funktion zu, wobei beide Aspekte nicht bewusst in die "Religionsidee" transformiert werden.

(1) Lanczkowski G. (Hrsg.): Geschichte der Religionen, Frankfurt/M., überarbeitete und erweiterte Ausgabe 1980, S. 7

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Dr. Britta Kanacher

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