Sozial- und Bildungsmanagement

Religionsunterricht: Gegenseitiges Verständnis fördern

Religionsunterricht: Gegenseitiges Verständnis fördern
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Wozu überhaupt Religionsunterricht? Der Anteil der Schülerinnen und Schüler nichtchristlicher Konfession steigt in deutschen Schulen ebenso, wie der Anteil ungetaufter Kinder christlicher Eltern. Gleichsam ist zu beobachten, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der Gesellschaft zunehmen. Hintergründe dieser Entwicklung sind häufig vor allem Unwissenheit und Vorurteile. Diesen könnte in einem für alle religiösen Gruppierungen gemeinsamen Religionsunterricht begegnet werden.

Religionsunterricht: Was passiert mit nichtgetauften Kindern christlicher Eltern
Wenn es in Diskussionen um den Religionsunterricht geht, sollte neben den nichtchristlich religiösen Kindern auch die Gruppe der ungetauften Kinder christlicher Eltern angeführt werden. Auch diese Kinder müssen nicht am konfessionsgebundenen Religionsunterricht der Schulen teilnehmen. Selbst wenn muslimische Schülerinnen und Schüler durch einen islamischen Religionsunterricht aufgefangen werden würden, bleibt die Gruppe andersgläubiger und ungetaufter Kinder bestehen. Für jene wäre ein entsprechendes Ersatzfach notwendig.

Wie wichtig ist christlicher Religionsunterricht?
Der Schutz des Religionsunterrichts wird seit den Diskussionen um islamischen Religionsunterricht immer wieder betont. so war in einem Zeitungsartikel der Rheinpfalz zu lesen: "Geschützt werden müsse auch der evangelische und katholische Religionsunterricht an den berufsbildenden Schulen. Zusammen mit dem allgemein bildenden Unterricht sei er ein Beitrag zum gesamtmenschlichen Miteinander, sagten die Gesprächspartner. Er zielt darauf ab, junge Menschen zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranzubilden."

Wer dieses Zitat liest, muss sich die Frage stellen, ob nichtchristliche Menschen, die ja nicht an diesem Unterricht teilnehmen, nicht zu entsprechend verantwortungsbewussten Persönlichkeiten herangebildet werden. Zudem stellt sich die Frage, ob die im Artikel genannten Ziele in einer anderen Form des Religionsunterrichts nicht vielleicht sogar viel besser, erreicht werden könnten.

Gleichberechtigung aller Religionsformen
Die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts und die damit verbundenen Probleme könnten bei allen beteiligten Gruppen als Anregung zur prinzipiellen Reformierung des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts verstanden werden. Dabei erscheint noch ein weiterer Gedanke von besonderer Bedeutung: Letztlich geht es bei der Einführung muslimischen Religionsunterrichts um die Gleichberechtigung aller Religionsformen in einer multikulturellen Gesellschaft in Deutschland.

Für alle Menschen in der Bundesrepublik ist das Recht auf freie Religionsausübung, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft, von besonderem Belang. Religionsfreiheit ist Teil des Persönlichkeitsrechts in Deutschland. Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um den Religionsunterricht sollte jedoch darüber nachgedacht werden, ob dieses Recht auch das Recht auf konfessionellen Religionsunterricht innerhalb der öffentlichen Schulen zwingend beinhalten muss. Muss der deutsche Staat religiöse Erziehung, egal welcher Religionsform, sicherstellen?

Über Ihren Experten

Dr. Britta Kanacher

Leave a Comment