Privatschulen: Engagiertere Lehrer – bessere Leistungen?

Sind die Lehrer auf Privatschulen wirklich besser?

Viele Eltern, so wird gern behauptet, wechseln vor allem deswegen zu Lehranstalten freier Träger, um ihren Kindern die bessere Bildung und eine individuellere Lernförderung zu sichern. Denn der Hauptvorteil privater Schulen liege darin, dass sie sich die besten Lehrer aussuchen könnten. Lässt sich dieser vermeintliche Vorteil überzeugend belegen?

Bernhard Bueb, zwischen 1974 und 2005 Leiter von "Deutschlands berühmtester Internatsschule", der Schule Schloss Salem am Bodensee, geht gern mit der These hausieren, das Lernen an privaten Bildungsstätten sei deshalb erfolgreicher, weil Privatschullehrer mehr Freude an der Arbeit hätten und trotz eines dürftigen Salaires glücklicher seien. Das Ergebnis seien motiviertere Schüler und bessere Leistungen. 

In einem Leserkommentar der ZEIT zu dem Beitrag "Unser Lehrer Dr. Bueb" beschreibt eine ehemalige Schülerin die Salemer Wirklichkeit jedoch ganz anders:

Leser-Kommentare

14.10.2006 Charlotte1

Es war eigentlich nicht so, dass die Lehrer so streng waren. Weil in der Mittelstufe ein so strikter Tagesplan ist, wird man immer gehetzt und die Schüler treiben sich gegenseitig. Es ist dann auch oft wenig Verständnis da. Das liegt wohl daran, dass sie sich selbst auch an diese Regeln halten müssen."


Mittlerweile sind Salem & Co. in ihrer Selbstdarstellung wesentlich bescheidener geworden. Dies dokumentiert z. B. ein Beitrag in der ZEIT vom 2.2.2012 Nr. 06. Man backe jetzt „kleinere Brötchen“, lässt sich da der Salemer Werbestratege Dr. Hartmut Ferenschild, Erfinder der PR-Legende von einem "Imagewandel der Internate", vernehmen. Kein Internat könne mehr sagen: Schau mal her, wie toll wir sind. »Wir müssen uns unseren Ruf erst wieder erarbeiten«.

Ein Leser kommentiert: "Hochmut kommt vor den Fall" und fährt fort:

"Landschulheime kommen in der Gegenwart an. Sie entdecken, dass die "pädagogische Mystifikation" zu enden hat und auch die Reformpädagogik sich der Frage nach den schulischen Leistungen stellen muss. Gott sei Dank. "Was haben Internate überhaupt zu bieten?", wird gefragt. Sie sind ein Nischenangebot für Kinder, die aus sehr unterschiedlichen, oft unverschuldeten Gründen nicht bei ihren Eltern leben oder eine Regelschule besuchen können: Scheidung, Krankheit oder berufliche Verpflichtungen der Eltern, schwieriges soziales Umfeld, mangelnde schulische Leistungen, mangelnde soziale Kompetenz, aber durchaus auch Spezialbegabungen, die zu Hause nicht gefördert werden können.“

Allen, die ihre Kinder nicht nach Salem schicken können, sei ein tröstliches Ergebnis einschlägiger Studien mit auf den Bildungsweg gegeben: "In der Arbeitswelt zählt das Elitegymnasium nichts". 

"Ich fand Salem schrecklich. Es war eine irgendwie hohle Disziplin. Der ganze Tag war strukturiert, aber der eigentliche Unterricht war chaotisch. Es gab wenig Hausaufgaben. Die Oberstufe gefiel mir besser, weil man näher an einer Stadt gewohnt hat und alles viel wohnlicher war. Aber dort haben viele Schule geschwänzt. Ich bin am Ende nur noch in jede zweite Stunde gegangen.

Daran waren die Lehrer aber auch selbst Schuld. Oft wurde in den Stunden Kaffee getrunken oder man wurde in die Bibliothek geschickt. Die Lehrer waren eigentlich schon alle sehr engagiert, aber sie haben in Salem wohl so viel zu tun, dass sie den Unterricht nicht mehr richtig vorbereiten können. Es ging eigentlich die ganze Zeit nur um Party und saufen. Es gab nicht mal Klassenbücher, wie es sie an allen anderen Schulen gibt.

Sie haben in der Oberstufe Leistungs- und Sozialrankings eingeführt. Bei den Sozialrankings werden Punkte auf jeden Schüler verteilt. Je nachdem wie viele Ämter derjenige hat. […]

Veröffentlicht am 15. Mai 2013
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