Sozial- und Bildungsmanagement

Normen und Werte: Von religiösen und zu modernen Werten

Normen und Werte: Von religiösen und zu modernen Werten
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Normen und Werte orientieren sich seit der Zeit der Aufklärung vor allem an Wissenschaft und Forschung. Wissenschaftliche Erkenntnisse wirkten in der Folgezeit der Aufklärung in zunehmendem Maße auf die Lebensbedingungen der Menschen. In der Epoche der Industrialisierung erlangte dieser Zusammenhang einen weiteren sozial bedeutsamen Höhepunkt.

Die vielfältigen Auswirkungen der Industrialisierung sind heute auf allen Gebieten des menschlichen Lebens spürbar. Dabei ist dieser Prozess der gegenseitigen Einflussnahme von Wissenschaft und Gesellschaft, bei stetem Fortschreiten der Entwicklung, bislang noch nicht zu einem Abschluss gekommen. Dies obwohl er bereits mehr als zweihundert Jahre anhält.

Normen und Werte: Entwicklung ohne Anpassungsgleichgewicht
Dieser anhaltende Prozess wird noch immer als "Fortschritt" gewertet. Wobei Fortschritt ja stets als eine positive Weiterentwicklung gewertet wird. Während historische Prozesse der vorindustriellen Zeit stets zu einem Gleichgewicht führten, welches einige Jahrhunderte hinweg die Menschheit bestimmte, befindet sich die Menschheitsgeschichte seit der Industrialisierung, in einem anhaltenden Prozess der Veränderung. Ein Ende dieser steten Veränderungen ist nicht absehbar[1].

Dabei ist neben der Wissenschaft, die Wirtschaft, mit ihrem immanenten Gewinnstreben, als weiteres markantes Merkmal der Moderne zu nennen[2].

Der moderne Fortschritt ist in seiner Entwicklung stets durch das Verlangen nach individueller Entfaltung und die Herausbildung eigener Identität, von einzelnen Persönlichkeiten, durch Wissenschaftler, Unternehmer und dergleichen, vorangetrieben worden. Die breiten Bevölkerungsschichten unterstützten diesen Prozess durch eine gesellschaftliche Anerkennung des Fortschritts.

Schriftstücke, wie sie in der Phase der Aufklärung z. B. durch die französische Verfassung gegeben wurden, entwickelten sich zu zentralen Wert-Orientierungspunkten.  Sie sicherten seit dem allmählichen Zerfall christlich-religiöser, institutioneller Macht, im gesellschaftlichen Bereich, jene Wertvorstellungen, die das menschliche Miteinander leiten sollten. Sie dienen sozusagen im weitesten Sinne als "Religionsersatz"[3].

Normen und Werte durch die Aufklärung
Die Aufklärung hatte die Verwirklichung des größten Autonomiepostulats zum Ziel. Religion erfährt vielfach aus dem Bedürfnis nach Weltdeutung und Überwindung der Todesangst ihre objektive Bedeutung.  Nimmt man dies als gegeben an, so ist anzunehmen, dass das "Projekt der Moderne" gerade auf dieser Basis aufgebaut werden konnte.

In seinem Werk: Religion und Politik in der Krise der Moderne, fasst Rohrmoser dies so zusammen: "Programm der Moderne war die Herstellung eines Zustandes totaler Transparenz und totaler Herrschaft über alle, die Existenz des Menschen individuell und kollektiv bestimmenden Bedingungen – Verwirklichung des großen Autonomiepostulats der Aufklärung: absolute, uneingeschränkte Selbstbestimmung und Verwirklichung aller Bedürfnisse."[4]

Letztlich, so lässt sich heute resümieren, wurde dieses Ziel sicherlich nicht erreicht. Da dies in der heutigen Zeit immer mehr Menschen klar wird, begeben sich immer mehr Menschen auf die Suche nach für sie akzeptablen Normen und Werten.

[1]Prokasky, H.; Tabaczek, M.: Das Zeitalter der Industrialisierung – Das deutsche Beispiel 1815-1914, Paderborn 1988, S. 7, [2] Gössmann, W.: Deutsche Kulturgeschichte im Grundriss, Ismaning 1978, S. 106, [3] vgl. Schmale W.: Entchristlichung, Revolution und Verfassung. Zur Mentalitätsgeschichte der Verfassung in Frankreich 1715-1794, Berlin 1988, [4] Rohrmoser, G.: Religion und Politik in der Krise der Moderne, Graz u. a. 1989, S.22

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Dr. Britta Kanacher

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